Kommentar Caroline Strang zum Vorschlag einer Vier-Tage-Woche

Zu starres Modell

  • Caroline Strang Foto: SWP
Der Vorschlag der Linken, eine Vier-Tage-Woche einzuführen, klingt nach Spinnerei. Vor allem in einem Land, das für Produktivität steht. Die wird auch durch Arbeitskräfte erreicht, die zuverlässig viel arbeiten. Langfristig allerdings muss man sich mit diesem Vorschlag auseinandersetzen. Denn unsere Arbeitswelt verändert sich. Die Arbeitskräfte auch.

So legen mehr Menschen Wert auf Freizeit, auf gute „Work-Life-Balance“. Andere setzen auf flexible Modelle wie Homeoffice und Crowdworking. Auf der anderen Seite verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt. In vielen Branchen werden immer weniger Arbeitskräfte gebraucht. Es gibt zwar einen Fachkräftemangel, aber Menschen, die nicht spezialisiert sind, werden es schwer haben.

In der Vergangenheit wurde die Arbeitszeit gesetzlich reduziert. Vor 120 Jahren beispielsweise arbeiteten viele 60 Stunden an sechs Tagen. Die Reduzierungen brachten keinen Produktivitätsverlust. Im Gegenteil. Das Modell der Vier-Tage-Woche greift aber zu kurz. Es gibt Berufe, in denen immer jemand da sein muss. Ob Kliniken bereit oder in der Lage sind, mehr Ärzte oder Krankenschwestern einzustellen, ist fraglich. Viele Arbeitskräfte müssten die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigen oder gleich viele Stunden in vier Tagen da sein. Die Umbrüche erfordern neue Modelle, die müssen aber flexibel sein.
© Südwest Presse 09.01.2020 07:45
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