Mit gutem Gewissen Geld verdienen?

Interview Die Kreissparkasse Ostalb vertreibt bereits seit einigen Wochen Geldanlagen der Ökoworld AG. Die versprechen Rendite und Nachhaltigkeit gleichermaßen. Funktioniert das?
  • Markus Frei (links) von der KSK Ostalb und Alexander Mozer von der Ökoworld AG. Foto: hag

Aalen.

Markus Frei hat eine klare Meinung: „Klima- und Umweltschutz ist ein Thema, das uns alle angeht“, sagt das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ostalb. Nicht nur deshalb hat das Institut eine Kooperation mit dem Fondsanbieter Ökoworld gestartet. Die Sparkasse vertreibt seit einigen Wochen dessen Anlagen. In die Fonds sollen nur Firmen kommen, die nach ethisch und sozial einwandfreien Richtlinien wirtschaften – und gleichzeitig eine Rendite für den Anleger erzielen. Was hinter diesem Ansatz steckt, erklären Frei und Alexander Mozer von Ökoworld.

Herr Frei, was hat es mit der Kooperation Ökoworld und Kreissparkasse Ostalb auf sich? Wie kam diese zu Stande?

Markus Frei: Wir arbeiten seit geraumer Zeit daran, uns strategisch nachhaltig aufzustellen, so auch im Anlagebereich für unsere Kunden. Wir waren auf der Suche nach einem Partner, der für 100 Prozent Nachhaltigkeit steht – und dabei eine attraktive Performance zu bieten hat. Ökoworld ist der Beweis dafür, dass sich beides nicht ausschließen muss. Unser Partner hat in Deutschland wichtige Pionierarbeit geleistet und verwaltet ein Vermögen von 1,6 Milliarden Euro.

Wie gut ist die Rendite?

Alexander Mozer: Der Fonds wurde mehrfach von unabhängiger Seite, auch von der Verbraucherzentrale, sehr positiv bewertet. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren eine Wertsteigerung von durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr erzielt – ein sehr guter Wert.

Das schaffen andere Fonds aber auch. Sie werben ausdrücklich mit Ihrem ökologischen Ansatz. Wie sieht dieser in der Praxis aus?

Mozer: Wir gehen bei der Auswahl der Firmen anders vor als klassische Fonds-Anbieter. Wir scannen die weltweiten Märkte nach Investmentmöglichkeiten. Allerdings müssen, gemäß unserem getrennten Investmentprozess, diese Unternehmen neben der finanziellen Rendite verbindlich strengen ökologisch-ethischen Kriterien entsprechen. Unser Ansatz sieht eine vollständige Trennung von Fondsmanagement und Fundamentalanalyse einerseits und Nachhaltigkeitsanalyse andererseits vor. Die Fondsmanager investieren ausschließlich in Aktien, die aufgrund der in den Fondsbedingungen festgelegten sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien zugelassen sind.

Wer entscheidet über die Aufnahme der Firmen?

Am Ende landen 80 bis 100 Firmen in unserem Portfolio.

Alexander Mozer
Ökoworld AG

Mozer: Ein Anlageausschuss – der allerdings nicht aus Finanzexperten, sondern aus Spezialisten aus verschiedenen Bereichen, wie etwa Verbraucherschutz, Fair-Trade-Handel oder auch des BUND besteht. Die Unabhängigkeit des Anlageausschusses lebt Ökoworld zu 100 Prozent. Zusätzlich unterhalten wir ein eigenes Nachhaltigkeits-Research. Ein klassischer Portfoliomanager hat kein Mitspracherecht, wenn es um die Bewertung der Nachhaltigkeit geht, der Ausschuss entscheidet – und in der Regel alle drei Jahre werden die Investments geprüft und dem Ausschuss vorgelegt, der aufs Neue entscheidet. Es sei denn, es gibt Ad-hoc Gründe, die ein Unternehmen früher in den Prüfstand bringen.

Wie viele Unternehmen kommen für Ökoworld überhaupt in Frage?

Mozer: Weltweit werden rund 60 000 Firmen an der Börse gehandelt, wovon rund 35 000 gut handelbar sind. Für uns kommen insgesamt nur 350 in Frage. Nur diese erfüllen unsere Kriterien. Wenn ein Unternehmen in der Chemie-, Rüstungs- oder ähnlichen Branchen tätig ist, und sei es nur einem kleinem Randbereich, hat es keine Chance, denn es gilt hier die Nulltoleranz. Am Ende landen dann 80 bis 100 Firmen in unserem Portfolio, die für eine Investition geeignet sind.

Herr Frei, die deutschen Sparer tun sich schon mit klassischen Aktienfonds schwer. Wie wollen Sie diese dann von einem Öko-Fonds überzeugen?

Frei: Es stimmt, dass die Aktienkultur in Deutschland schwächer ausgeprägt ist als in anderen Ländern und wir einiges an Nachholbedarf haben. Jedoch wirkt sich die Negativzins-Politik der EZB immer stärker auf die Ersparnisse aus: Wer eine attraktive Rendite erzielen will, kommt um Aktien nicht herum. Das Ziel für einen Anleger muss daher sein, verstärkt über alle Bereiche zu streuen. Ein Ökofonds schlägt dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe: zum einen ist die mögliche Rendite attraktiv. Zusätzlich investiert der Anleger über Unternehmen in eine bessere Zukunft.

Und wie fällt das Feedback der Kunden aus?

Frei: Die Nachfrage war von Anfang an da. Die Themen Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz haben in den vergangenen Jahren nicht nur wegen Greta Thunberg und der Bewegung Fridays for Future massiv an Bedeutung gewonnen. Mit den Ökoworld-Fonds haben wir nun eine nachhaltige, renditestarke Lösung im Portfolio.

© Wirtschaft Regional 07.01.2020 16:12
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