Finanzexperten: Der Euro zerstört Europa

Interview Die Lorcher Finanzexperten und Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik prognostizieren für 2023 den großen Crash. Im Interview erklären sie, warum.
  • Matthias Weik (links) und Marc Friedrich, Lorcher Autoren des Buchs „Der größte Crash aller Zeiten“. Foto: Verena Müller

Lorch

Rund eine halb Million Bücher haben die beiden Buchautoren und Vermögensberater in den vergangenen Jahren verkauft. Ihr jüngstes Werk, „Der größte Crash aller Zeiten“ stieg von null auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Im Interview erläutern die beiden 44-Jährigen, warum ihrer Meinung nicht nur ein Börsen- sondern ein Systemcrash bevorsteht.

Auch in Ihrem neuesten Buch „Der größte Crash aller Zeiten“ prophezeien Sie den Zusammenbruch der weltweiten Finanzsysteme. Wann ist denn soweit?

Marc Friedrich: Wir sind nach zwei Jahren Recherche, intensiven Gesprächen weltweit und anhand unserer Modelle zum Schluss gekommen, dass es maximal bis 2023 noch dauert. Allerdings sprechen wir nicht nur von einem Börsencrash sondern von einem Systemcrash. So wie es im Untertitel unseres Buches steht, wird es dieses Mal alle Fronten treffen: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft!

Welche Entwicklungen spitzen sich 2023 zu?

Friedrich: Die Krise 2008 wurde nicht gelöst, sondern lediglich in die Zukunft verschoben. So haben sich die Probleme angestaut und potenziert. Die Wucht wird alles Dagewesene in den Schatten stellen. Nie hatten wir mehr Alarmzeichen: Die Welt ist mit 255 Billionen rekordverschuldet, Staats- und Unternehmensanleihen mit Minusverzinsung sind auf Rekordniveau, die Krisenländer Südeuropas müssen in den nächsten Jahren für Hunderte Milliarden Euro Staatsanleihen refinanzieren, wo fraglich ist, wer die aufkauft außer der EZB. Und diese hat ihre Limits erreicht. Der Minuszins zerstört Banken und Versicherungen. Die wachsende Zahl an Zombieunternehmen wird bei der kommenden Rezession umkippen und Firmen und Banken mit sich reißen. Zusätzlich haben wir exotische Charaktere an Machtpositionen, finanzielle Repression gegen Bürger, globale Zinssenkungen und Aufkaufprogramme der Notenbanken, um das Geldkarussell am Laufen zu halten sowie Enteignungen und immer mehr Abgaben und Steuern, zu guter Letzt Immobilien- und Aktienmarktblasen und der Dauerkrisenmodus der EZB. Ich denke mal: das dürfte reichen.

Matthias Weik: Ich habe noch was: Die volkswirtschaftlichen Eckdaten in Europa und Übersee sind leider immer schlechter. Es wird immer deutlicher, dass die Rettungspolitik die Schuldenberge aufgebläht und die Krise in die Zukunft verschoben, aber nicht gelöst hat. Hinzu kommt: Der Euro trennt Europa, anstatt es zu einen. Dennoch wird von der Politik um jeden Preis, krampfhaft an dem zum Scheitern verurteilten Währungsexperiment festgehalten. Während wir uns heute über Null- und Negativzinsen aufregen, werden wir in Kürze mit drastischeren Maßnahmen der finanziellen Repression konfrontiert werden. Bevor das Finanzsystem kollabiert, werden die politischen Eliten alles unternehmen, um den Status quo solange wie möglich auf unsere Kosten zu erhalten.

Warum hat denn der Euro aus Ihrer Sicht keine Chance aufs Überleben?

Es wird alle treffen.

Marc Friedrich
Buchautor und Finanzberater

Weik: Es ist unmöglich, wirtschaftlich unterschiedlich starke und schwache Länder in einer Währungsunion zu haben. Der Euro ist zu schwach für Deutschland und zu stark für die Länder Südeuropas. Früher konnten die Länder, um wettbewerbsfähiger zu werden, ihre Währung abwerten. Heute können sie nur noch Löhne senken. Früher wurden die südeuropäischen Währungen gnadenlos abgewertet. Dies ist nicht mehr möglich. Wir zeigen im Buch auf, dass die Industrieproduktion in allen wichtigen europäischen Volkswirtschaften außer in Deutschland, nicht mehr das Vorkrisenniveau von 2008 erreicht hat.

Friedrich: Wirtschaftshistorisch haben Währungsunionen nie funktioniert! Warum sollte der Euro funktionieren, da er schon seit Jahren immer wieder reanimiert werden muss? Wir erleben eine Insolvenzverschleppung auf Kosten der Europäer. Wir sagen knallhart: Der Euro zerstört Europa und unseren Wohlstand!

Wie sieht die Welt nach dem Crash aus?

Weik: Wir lassen uns den Glauben an das Gute im Menschen nicht nehmen. Unserer Ansicht nach werden wir nach dem Crash ein besseres und faireres Finanzsystem implementieren, welches ausnahmsweise allen Menschen dient. Denken Sie, wie Deutschland vor 75 Jahren vor dem Nichts stand. Danach hatten wir den größten Aufschwung und nie zuvor da gewesenen Wohlstand. Jetzt haben wir diese Chance global!

Wie sichert man sein Vermögen in diesen unruhigen Zeiten?

Friedrich: Ganz klar ist das Zeitalter der Sachwerte angebrochen. Je mehr Geld die Notenbank drucken, umso mehr muss man in durch Natur oder Mathematik limitierte Sachwerte investieren in Form von Edelmetallen, Grund und Boden, Diamanten, Firmenbeteiligungen oder Bitcoin. Staatsanleihen, Lebensversicherungen, Riester, Rürup, Bausparverträge sind Werte, die in Zukunft gewaltige Verluste verzeichnen. Es ist ratsam, in Dinge zu investieren, die man versteht und bestenfalls anfassen kann.

Weik: Die Devise heißt: Absichern, Gegengewichte aufbauen und Diversifikation! Raus aus festverzinslichen Wertpapieren, rein in Sachwerte. Solange es möglich ist, Gold und Silber kaufen – die EZB kann unendlich viele Euros, aber kein Gramm Gold oder Silber drucken. Solange Geld gedruckt wird, werden die Aktienmärkte weiter steigen. Dasselbe gilt für Immobilien. Wer jetzt noch kauft, der muss sich überlegen, ob er in Zukunft noch einen dummen Käufer findet, der noch mehr dafür bezahlt.

© Wirtschaft Regional 31.12.2019 00:08
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