Kurzarbeit in 46 Betrieben

Wirtschaft Immer mehr Unternehmen in der Region beantragen die Leistung. Was das für die Betroffenen bedeutet.
  • Diese Statistik verdeutlicht den starken Anstieg an Firmen, die Kurzarbeit angefragt haben. Grafik: ca

Aalen

Die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich deutlich verschärft. Dies hat sich nicht zuletzt gezeigt, als die Wirtschaft der Bundesrepublik im dritten Quartal 2019 nur knapp an der Rezession vorbeigeschlittert ist. Sie wuchs nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Maßnahmen wie bei Daimler – der Konzern streicht 10 000 Stellen – gab es zwar im Ostalbkreis noch nicht. Aber auch hier sind erste negative Tendenzen spürbar. Die Ankündigung von Mapal, Kurzarbeit einzuführen, hat zu einem starken Echo geführt. Bereits vor Mapal hat auch die Alfing Keßler Sondermaschinen GmbH Kurzarbeit beantragt.

Die Situation im Ostalbkreis

Im November 2019 hatten 42 Betriebe im Agenturbezirk Aalen der Agentur für Arbeit Kurzarbeit angezeigt. Im Dezember sind es sogar 55 Betriebe. Von diesen 55 Betrieben haben 46 tatsächlich Kurzarbeit umgesetzt. Zum Vergleich dazu hatten im Dezember des Vorjahres vier Betriebe Kurzarbeit angezeigt. Im Jahr 2017 waren es nur sechs Betriebe. Somit hat sich die Zahl der Firmen, die Kurzarbeit zumindest schon angemeldet haben, fast verzehnfacht.

Angezeigte Kurzarbeit bedeutet, dass Firmen den Antrag auf Kurzarbeit gestellt haben. Die Agentur für Arbeit kann diesen Antrag bereits gutheißen, ohne dass die Betriebe die Kurzarbeit direkt umsetzen. Es handelt sich somit um eine Präventivmaßnahme. Die Kurzarbeit wird noch nicht umgesetzt.

Die Betriebe sind aber bei Weitem noch nicht so stark gebeutelt wie im Jahr der Finanzkrise. Im Dezember 2009 hatten 377 Betriebe im Agenturbezirk Aalen Kurzarbeit nicht nur angezeigt, sondern sogar umgesetzt. Im Februar 2010 waren es gar 485 Betriebe.

Das bedeutet Kurzarbeit für den Arbeitnehmer

Kurzarbeit ist ein Instrument, das Unternehmen ermöglichen soll, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Entlassungen zu vermeiden. So reduzieren zum Beispiel bei starken Umsatzrückgängen die Unternehmen die Arbeitszeit für die Arbeitnehmer. Diese wiederum erhalten von der Bundesagentur für Arbeit einen teilweisen Ausgleich für den Verdienstausfall. Die Höhe des Kurzarbeitergeldes richtet sich danach, wie hoch der finanzielle Verlust für den Arbeitnehmer ist.

Grundsätzlich werden etwa 60 Prozent des ausgefallenen Lohns bezahlt. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld etwa zwei Drittel des ausgefallenen Lohns.

Bezahlt wird das Kurzarbeitergeld in der Regel bis zu einem Jahr. Die Bezugsdauer kann aber auch unterbrochen werden. Ist beim Arbeitgeber wieder ein größerer Auftrag eingetroffen, kann der Arbeitnehmer vorübergehend wieder vollbeschäftigt werden. Erhält man anschließend wieder Kurzarbeitergeld, hat sich die Bezugsdauer um diesen Zeitraum verlängert.

Unternehmen können den Antrag auf Kurzarbeit auch nur für einzelne, von schwacher Konjunktur stark betroffene, Abteilungen stellen. Die Agentur für Arbeit kann den Antrag auf Kurzarbeit auch ablehnen. Insbesondere dann, wenn die Arbeitsagentur zum Schluss kommt, dass Fehlentscheidungen des Managements schuld an der Schieflage des Unternehmens sind.

Welche Arten von Kurzarbeit es gibt

Die Agentur für Arbeit unterscheidet drei mögliche Arten von Kurzarbeit:

Die erste Form ist das konjunkturelle Kurzarbeitergeld. Dieses kann beantragt werden, wenn eine schwierige wirtschaftliche Entwicklung oder ein unvorsehbares Ereignis Kurzarbeit notwendig macht. Dann kann für maximal zwölf Monate Kurzarbeitergeld vom Arbeitnehmer bezogen werden.

Die zweite Form nennt sich saisonales Kurzarbeitergeld. Diese Leistung kann gezahlt werden, wenn wegen Witterung oder Auftragsmangel in Betrieben der Bauwirtschaft in der sogenannten Schlechtwetterzeit nicht gearbeitet werden kann. Die Schlechtwetterzeit startet je nach Branche entweder im November oder Dezember und endet einheitlich im März.

Das Transfer-Kurzarbeitergeld ist die dritte Möglichkeit der Kurzarbeit. Ziel des Transferkurzarbeitergeldes ist es, den Wechsel der Arbeitnehmer von einer bestehenden Beschäftigung in eine neue Beschäftigung ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit zu gewährleisten.

Weitere Informationen erhalten Betroffene unter www.arbeitsagentur.de oder bei der lokalen Dienststelle der Agentur für Arbeit.

© Wirtschaft Regional 20.12.2019 10:06
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