Die Wirtschaft hängt durch

Versammlung Die IHK beschäftigt sich in ihrer Herbstsitzung mit der lahmenden Konjunktur – und wählt diesen Unternehmer aus dem Gmünder Raum neu ins Präsidium.
  • Von links: das IHK-Präsidium mit Dr. Matthias Metz, Dr. Jörg S. Rieger Rudi Feil, Bernd Richter (neu), IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle, Präsident Markus Maier, Ulrich Betzold.Foto: IHK

Heidenheim.

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft ist so verhalten wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das ist Tenor der Herbstsitzung der Vollversammlung der IHK in Heidenheim. „Wenn wir uns die letzte Konjunkturumfrage im Herbst anschauen, ist das Bild mehr als durchwachsen, was heißen mag, tatsächlich besser als wir es erwartet hätten“, sagt IHK-Präsident Markus Maier. Über alle Branchen hinweg zeichne sich eine Abschwächung ab, auch wenn die aktuelle Geschäftslage überwiegend mit zufrieden oder sogar gut zufrieden gesehen wird. Jedoch schraubten immer mehr Unternehmen ihre Geschäftserwartungen zurück und würden Auftragsrückgänge prognostizieren.

So sei im Einzelhandel eine deutlich gestiegene Kaufzurückhaltung zu spüren. Die Rückgänge in der Automobilindustrie hätten sich bereits massiv negativ ausgewirkt; dies bei den Zulieferbetrieben sowie auch im Transport- und Logistikgewerbe. Frei werdende Frachtkapazitäten vor allem im Exportgeschäft seien hier deutliche Frühindikatoren. Dies treffe auch auf die rückläufige Auftragslage im Werkzeug- und Formenbau zu. Deren Produkte laufen einer späteren Serienproduktion bei den Kunden weit voraus und lassen daher ebenso eine konjunkturelle Abkühlung erahnen.

Maier sieht diese trüben Perspektiven mit Sorge, vor allem deshalb, weil er derzeit kein Licht am Ende des Tunnels erkennen kann. Maier: „Wir stehen hier vor großen Herausforderungen, da wir einerseits einen wirtschaftlichen, aber auch einen strukturellen Wandel erleben, dem die Fachkräftesituation folgen muss. Ich denke, was uns alle beschäftigt, ist die Transformation in der Automobilwirtschaft und die Digitalisierung in der Industrie allgemein.“ Wobei Maier die Transformation im Automotive-Bereich die größeren Sorgen bereite als der Prozess der Digitalisierung.

Wir stehen vor großen Herausforderungen.

Markus Maier
IHK-Präsident

Ebenfalls verabschiedete die IHK-Vollversammlung den von der Rechnungsprüfungsstelle der IHKn in Bielefeld geprüften Jahresabschluss 2018. Das Wirtschaftsjahr 2018 habe mit einem Ergebnis von 0 Euro geendet. Die IHK entnahm allerdings aus ihren Rücklagen gut 1,37 Millionen Euro. Darüber hinaus wurde der Wirtschaftsplan 2020 verabschiedet. Dieser sei stark durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld und durch Instandhaltungsmaßnahmen am Gebäude in Heidenheim geprägt. Dem positiven Betriebsergebnis stünde ein negatives Finanzergebnis gegenüber, so die Kammer weiter. Mit „großer Mehrheit“ habe die Vollversammlung überdies dem vom Präsidium vorgeschlagenen Wirtschaftsplan 2020 zugestimmt. Dieser soll im Gegensatz zu 2018 ohne Rücklagenentnahmen auskommen.

„Gerade weil wir bei den Beitragseinnahmen noch von der guten Konjunktur der vergangenen Jahre profitieren ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Rücklagen auf Niveau zu halten, um die notwendigen Maßnahmen der Zukunft finanzieren zu können. Unsere Aufgabe ist es, eine Planung aufzustellen, die zu einer tragfähigen finanziellen Basis führt. Vor allem in Zeiten in denen sich Gewitterwolken am Konjunkturhimmel bilden“, so Maier weiter.

Neu ins Präsidium gewählt wurde Bernd Richter, Geschäftsführer der Richter Lighting Technologies GmbH in Heubach. Der 51-Jährige ist der IHK seit langem verbunden, seit 2013 ist er Mitglied der IHK-Vollversammlung. Sein Unternehmen hat sich weltweit als erfolgreicher Entwickler und Hersteller von Licht- und Architektursystemen etabliert. Richter beschäftigt derzeit 130 Mitarbeiter aus 30 verschiedenen Nationen.

© Wirtschaft Regional 28.11.2019 15:20
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