Zeiss kauft in Sachsen ein

Übernahme Welche Ziele der Oberkochener mit der Akquisition von Saxonia Systems verfolgt – und was Zeiss überdies am Standort Dresden plant.
  • Zeiss hat erneut ein Unternehmen übernommen. Archiv-Foto: Zeiss

Oberkochen/Dresden

Bereits im September 2018 hatte der Zeiss-Konzern eine Beteiligung an der Dresdner Saxonia Systems AG in Höhe von 25 Prozent erworben. Nun geben beide Unternehmen die vollständige Übernahme des Spezialisten für individuelle Softwarelösungen durch die AG bekannt. Zu den finanziellen Details macht Zeiss keine Angaben. Die aktuell 285 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Mit der Übernahme will Zeiss sein Engagement am Standort in Sachsen noch auf eine andere Art ausbauen.

Beide Unternehmen kennen sich gut aus ihrer langjährigen Zusammenarbeit: Saxonia Systems ist für Zeiss bereits seit mehr als zehn Jahren ein Softwareentwicklungspartner. Zu den gemeinsamen Projekten gehören unter anderem cloud-basierte Lösungen im Bereich der Medizintechnik. „Als weltweit führendes Technologieunternehmen der optischen und optoelektronischen Industrie stärken wir mit der Akquisition unsere Kompetenz in der digitalen Produktentwicklung und dem agilen Managementansatz“, so Dr. Ludwin Monz, Mitglied des Vorstands der Zeiss-Gruppe und Leiter der Sparte Medical Technology. „Außerdem verbessern wir unser Verständnis für Kundenbedürfnisse in Bezug auf digitale Anwendungen.“ Saxonia Systems werde als leistungsstarke Einheit von Zeiss weiter wachsen und die Softwareentwicklungskapazität des Konzerns ausweiten.

Zudem wollen die Oberkochener am Standort Dresden ähnlich wie in Karlsruhe einen Innovation Hub aufbauen. Das Ziel: die Vernetzung mit der Forschung und Wissenschaft vor Ort, insbesondere der TU Dresden, ausbauen und stärken.

Allerdings muss die Übernahme noch von höherer Stelle abgesegnet werden: Der Anteilserwerb werde wirksam mit der Zustimmung des Bundeskartellamts, die im Februar 2020 erwartet wird, so Zeiss. Mit dem Erwerb will der Konzern seine Softwarekompetenz systematisch weiter ausbauen. Man sichere sich zudem die Expertise und Ressourcen von Saxonia Systems für die Realisierung strategisch wichtiger Digitalprojekte, so Zeiss weiter.

Saxonia wird als Zeiss-Einheit weiter wachsen.

Dr. Ludwin Monz
Vorstandsmitglied von Zeiss

Die Gründer der Saxonia Systems AG, Viola Klein und Andreas Mönch, bleiben an Bord und begleiten die Integration im Jahr 2020. „Zeiss bringt als hervorragend aufgestelltes Unternehmen finanzielle Kraft, hohe Stabilität sowie neue technologische Perspektiven für unser Team“, erklärt Mönch. „Hinzu kommen eine starke Marke und eine hervorragende Reputation.“

Die Integration in den Gesamt-Konzern soll bereits im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Danach wird Saxonia Systems unter der Marke Zeiss auftreten, neben Konzern-Projekten aber unverändert bestehende Kundenbeziehungen weiterentwickeln.

An den sechs Saxonia-Standorten in Deutschland bleiben die verantwortlichen Führungskräfte in ihren Funktionen, das Geschäft wird unverändert fortgeführt. Alle 235 festangestellten Mitarbeiter werden weiterhin beschäftigt. Sie sollen die bestehenden Einheiten von Zeiss im Digitalbereich verstärken und somit eine weitere wichtige Säule für die digitale Weiterentwicklung Gruppe bilden, so Zeiss.

Die Übernahme kommt wenig überraschend. In den vergangenen Monaten hatte der noch amtierende Zeiss-Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke stets betont, an weiteren Übernahmen interessiert zu sein. Mitte Dezember wird der Konzern zudem über das vergangene Geschäftsjahr 2018/19 berichten – laut Kaschke das zehnte Rekordjahr in Folge.

© Wirtschaft Regional 27.11.2019 18:16
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