Kommentar Thomas Veitinger zum Zukunftspakt bei Audi

In letzter Sekunde

  • Thomas Veitinger. Foto: Volkmar Könneke
Audi könnte eines Tages als abschreckendes Beispiel in Büchern für Manager auftauchen. Das Unternehmen lebte einst seinen Slogan „Vorsprung durch Technik“, glänzte mit Absatz und Rendite im VW-Konzern. Ex-Chef Rupert Stadler konnte tun und lassen was er wollte – auch noch Jahre nach dem Diesel-Skandal. Viel zu lange wurde an Führung, Struktur und Ausrichtung des Unternehmens festgehalten. Selbst, als Audi nicht mehr Goldesel, sondern größter Problemfall im VW-Konzern war.

Das soll sich jetzt ändern. Vier Monate bevor Markus Duesmann Vorstandschef Bram Schot ablöst, werde eine „neue Ära anbrechen“, kündigt das Unternehmen mit den vier Ringen an. In letzter Sekunde, will man den Ingolstädtern zurufen.

Andere Autobauer, wie die Mutter VW selbst, haben Umbau-Pläne zum Teil schon vor Jahren beschlossen. Der Wechsel vom Verbrenner- zum Elektromotor ist überfällig. Strukturelle Veränderungen, um agiler und effizienter zu werden, kommen in einer Zeit sinkender Autoverkäufe und Handelsstreitereien eigentlich zu spät.

Das wichtigste wird sein, wieder auf das Niveau der Konkurrenz zu kommen. Wie schlecht Audi aufgestellt ist, zeigt BMW, das den Umbruch ohne Stellenabbau hinbekommt. Von einem „Vorsprung durch Technik“ dürfen die Ingolstädter derzeit nur träumen.
© Südwest Presse 27.11.2019 07:46
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