Nahender Brexit stürzt Firma aus Hüttlingen in die Insolvenz

Industrietechnik Insolvenzverwalter Tobias Humpf spricht von Rückgang der Aufträge aus Großbritannien. Gespräche mit Investor laufen.
  • Kurz vor der Scheidung: EU und Großbritannien. Foto: Pixabay

Hüttlingen

Es klingt wie eine unbedeutende Randnotiz, macht aber deutlich, wie der bevorstehende Brexit auch die heimische Wirtschaft durcheinanderwirbeln könnte: Die HM Sandstrahl- und Industrietechnik GmbH aus Hüttlingen hat Insolvenz angemeldet.

Das Unternehmen beschäftigt sich mit dem Vertrieb von Sandstrahl-, Schweiß- und Drucklufttechnik-Artikeln. Außerdem haben die Mitarbeiter von HM Sandstrahl- und Industrietechnik selbst Sandstrahlleistungen auf Baustellen erbracht.

Zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung war bei der HM Sandstrahlund Industrietechnik neben dem Geschäftsführer nur noch eine weitere Person beschäftigt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Aalener Rechtsanwalt Tobias Humpf bestellt. Seine Prognose für das Unternehmen ist positiv: „Ich habe bereits mit einem möglichen Investor Kontakt aufgenommen, der am Kauf des Unternehmens Interesse zeigt“, sagt Humpf. Der Investor könnte die HM Sandstrahl- und Industrietechnik mit ihren Mitarbeitern möglicherweise im Rahmen eines sogenannten Asset Deals, bei dem die Wirtschaftsgüter einzeln übertragen werden, übernehmen.

Als Grund für die Insolvenz nennt Rechtsanwalt Tobias Humpf, der sich auf die bisherige Geschäftsführung beruft, einen Rückgang der Aufträge. Dieser sei besonders durch den angekündigten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – den Brexit – bedingt.

Ich habe bereits mit einem Investor Kontakt aufgenommen.

Tobias Humpf
Insolvenzverwalter

Offenbar hatte die Hüttlinger Firma in größerem Umfang Auftraggeber im Vereinigten Königreich bedient. Laut einem Bericht von „Spiegel Online“ beliefen sich die deutschen Ausfuhren ins Vereinigte Königreich 2018 auf rund 80 Milliarden Euro.

Die Briten zählen damit zu den wichtigsten Käufern deutscher Industrieprodukte. Besonders wichtig als Handelspartner ist Großbritannien demnach für die deutsche Pharmaindustrie, deren Exporte zu 13,1 Prozent nach Großbritannien gingen. Ihr folgen die Elektronik-, Autound Fahrzeugbau-, Papier-, Gummi- und Kunststoff- sowie Chemieindustrie.

Kein Wunder also, dass der anstehende Austritt spürbare Folgen für die deutsche Unternehmen haben wird. Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland aufgrund der Unsicherheit seit dem Referendum um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte pro Jahr niedriger ausgefallen ist, als es ohne Brexit-Entscheidung der Fall gewesen wäre.

Ermutigend sei jedoch, so die Berliner Forscher, dass sich nun ein Brexit-Abkommen abzeichnet. Denn eine Fortsetzung der anhaltenden politischen Hängepartie wäre nicht zwangsläufig mit weniger Wachstumseinbußen verbunden als ein harter Brexit, so das DIW. Ein ungeregelter Austritt Ende Oktober hätte das Wachstum in Deutschland im kommenden Jahr und im Jahr 2021 um 0,6 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte niedriger ausfallen lassen.

© Wirtschaft Regional 26.11.2019 15:52
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