Primalat-Standort Lautern: "Das hier ist unsere Heimat"

Investition Mit dem Neubau will sich das Unternehmen fit für die Zukunft machen und strengen Regularien genügen. Gründer Schmid: „Das hier ist unsere Heimat.“
  • Der Stammsitz von Primalat in Heubach-Lautern. Foto: Primalat

Heubach

E s ist eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte, die Thomas Schmid und sein Unternehmen Primalat in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben haben. Gestartet als traditioneller Gärtner, entschied Schmid, 1985 in die Verarbeitung von Lebensmitteln einzusteigen. Aus bescheidenen Anfängen in einer Garage mit 50 Quadratmetern ist inzwischen Lauterns größter Arbeitgeber geworden.

Rund 150 Menschen arbeiten inzwischen bei Primalat. Nun steht der nächste Meilenstein an: Rund vier Millionen Euro will das Familienunternehmen in die Erweiterung des Stammsitzes investieren. Die Pläne von Primalat stoßen allerdings nicht bei allen Bürgern in Lautern auf Gegenliebe. Der Neubau entsteht allerdings nicht um des reinen Wachstums willen, wie Schmid im Interview betont.

„Die hygienischen und technologischen Anforderungen steigen in unserer Branche seit Jahren“, sagt Schmid. Betriebe wie Primalat müssten sich kontinuierlich anpassen, um die Lebensmittelstandards zu erfüllen. Die sind bei einem Unternehmen wie Primalat hoch. Schließlich, so Schmid, werden Salat, Obst und Gemüse in Lautern frisch aufbereitet und nicht behandelt oder haltbar gemacht. Die Ware bezieht das Unternehmen etwa von den Fildern oder aus der Pfalz. Ackersalat und Kresse kommen aus Lautern und dem Remstal, im Winter stammt die Ware aus Südfrankreich, Italien oder Spanien.

Auf die Produkte von Primalat setzen nicht nur Gastronomie, Krankenhäuser, Bäckereien, Metzgereien, Cash & Carry-Märkte sowie Großhandelspartner, sondern ebenso Betriebskantinen großer Konzerne in der Umgebung. Von deren Wachstum hat Primalat jahrelang stark profitiert. Wachstumsraten von 30 Prozent pro Jahr waren in der Anfangszeit üblich. „Jetzt haben wir eine Größe erreicht, mit der wir uns wohl fühlen“, sagt Schmid. Große Expansionspläne hegt er trotz des Neubaus nicht. „Wir beliefern inzwischen den Großteil des süddeutschen Raums sowie Kunden im Salzburger Land, Tirol und Vorarlberg.“ Von Montag bis Samstag werden in Lautern 350 Artikel frisch hergestellt. Hinzu kommen 600 Handelsprodukte. „Bei uns steht die Qualität klar im Fokus.“

Investition ist ein Signal für die Mitarbeiter.

Thomas Schmid
Primalat-Gründer

Kontinuierlich arbeitet das Unternehmen überdies an seinem Sortiment. „Es gibt in der Branche ständig neue Trends, auch die Nachfrage verändert sich“, sagt Schmid. Beides gehe man zwar mit, allerdings nur gezielt. „Wenn wir dafür Kompromisse beim Frische-Niveau eingehen müssten, machen wir den Trend nicht mit.“ Inzwischen agiert Primalat nicht nur als Verarbeiter, sondern auch als Großhändler. Spezifische Produkte wie zum Beispiel Maultaschen, Röstzwiebeln oder Kartoffelsalate bezieht man jedoch ausschließlich von regionalen Erzeugern, die absolute Qualität und eben Frische gewährleisten.

Die Branche, in der sich Primalat bewegt, ist noch jung. Verschiedene Faktoren, wie etwa der Convenience-Trend oder der Mitarbeitermangel in der Gastronomie, verstärken die Nachfrage. „In unserer Branche ist Frische, Qualität und eine zuverlässige Logistik essenziell“, erklärt Schmid. Regional ausgerichtete, mittelständische Betriebe hätten aufgrund ihrer Flexibilität und Marktnähe Vorteile. Wichtig sei aber, ein passendes Logistiksystem zu besitzen. Das hat Primalat in den vergangenen Jahren immer weiter optimiert, „um im Spannungsfeld zwischen Frische, Schnelligkeit und Wachstum erfolgreich zu bleiben“, wie Schmid betont.

Der Primalat-Gründer hat nicht nur mit dem geplanten Neubau, der neue Büros, Ruhezonen für die Mitarbeiter wie einen Wellness-Raum mit Infrarot-Kabine und Massageliege und eine neue Kantine bringen soll, die Weichen für die Zukunft gestellt. Schmid hat eine Lenkungsebene mit jungen Führungskräften installiert, die schrittweise mehr Verantwortung übernehmen sollen. Die fünfte Generation der Familie Schmid sollte bald bereit stehen. Immerhin besteht der Betrieb seit mehr als 150 Jahren, war bei der Gründung eine von mehr als 15 Gärtnereien, die damals noch in Lautern beheimatet waren.

„Die geplante Investition ist ein Zeichen an die nächste Generation und ein Signal an unsere Mitarbeiter, die so eine klare Perspektive haben“, sagt der Inhaber. Durch die Lage im dörflichen Mischgebiet würden die geplanten Erweiterungen rücksichtsvoll für alle geplant und umgesetzt, so der Geschäftsführer. Bei einer Einwohnerversammlung im Sommer hatten Anwohner unter anderem ein Tempolimit in der Hohenroder Straße, eine Minimierung der Gefährdung von Fußgängern in der Zimmergasse und Maßnahmen zur Lärmreduzierung gefordert. Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren, die Forderungen der Bürger sollen hier eingearbeitet werden, entschied der Ortschaftsrat im September. Der Bebauungsplan soll laut Stadtverwaltung 2020 beschlossen werden. Einen Wegzug aus Lautern hatte Schmid trotz des Wachstums niemals im Sinne. „Das hier ist unsere Heimat.“

© Wirtschaft Regional 25.11.2019 09:40
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