Gründer finanzieren sich selbst

Studie Die Commerzbank hat das Gründungsverhalten im östlichen Württemberg unter die Lupe genommen –auch junge Unternehmen leiden derzeit unter Fachkräftemangel.
  • Johannes Kube (links) und Wolfgang Hahn von der Commerzbank haben die Studie in Aalen vorgestellt. Foto: Sandra Kobus

Aalen

Ostwürttemberg ist eine gründerfreundliche Region. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag der Commerzbank. 79 Prozent der hiesigen Gründer würden sich auch heute noch einmal in der Region selbstständig machen. Ihre wichtigste Motivation: der eigene Chef sein. Das gaben 63 Prozent der Befragten an. 62 Prozent war es wichtig, etwas Eigenes aufzubauen.

Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat bundesweit mehr als 3000 Menschen befragt, die ihr Unternehmen innerhalb der vergangenen sechs Jahre gegründet haben. Im östlichen Württemberg – also dem Ostalbkreis und den Kreisen Heidenheim, Göppingen, Schwäbisch Hall, Heidenheim, Ostalbkreis, Ulm und Alb-Donau-Kreis waren es 50.

Bei der Gründung eines eigenen Unternehmens sind Frauen hierzulande in der Minderheit. Vier von fünf Gründern im östlichen Württemberg sind männlich.

Die wichtigsten Ziele im ersten Geschäftsjahr sind für Jungunternehmer das Erreichen eines klar definierten Umsatzzieles und die Kundengewinnung, das gaben 52 beziehungsweise. 48 Prozent der Befragten an. 44 Prozent der Befragten möchten bereits im ersten Geschäftsjahr Gewinn machen.

Die größte Hürde bei der Gründung ist für 37 Prozent der Befragten in Ostwürttemberg die Bürokratie. Aber auch die Kundengewinnung (23 Prozent), die Finanzierung des Vorhabens (27 Prozent) oder steuerliche Themen (21 Prozent) stellen offenbar Herausforderungen dar.

90 Prozent gründen mit Eigenkapital

Auch wenn die meisten Gründungen durch Eigenkapital finanziert werden, spielen in Baden-Württemberg öffentliche Fördermittel eine Rolle.

Johannes Kube
Commerzbank

Rund 80 Prozent lassen sich bei ihrem Vorhaben daher auch von einem Steuerberater unterstützen, rund ein Viertel nimmt einen Rechtsbeistand hinzu. Bankberatung spielt hingehen eine untergeordnete Rolle. „Das überrascht uns“, sagt Johannes Kube. Er leitet das Privat- und Unternehmerkundengeschäft der Commerzbank-Niederlassung in Nord- und Ost-Württemberg. „Denn was wir zunehmend feststellen, ist eine aktive Nachfrage und Einbindung in den Gründungsprozess. Auch wenn die meisten Gründungen durch Eigenkapital finanziert werden, spielt gerade in Baden Württemberg die Hinzunahme von öffentlichen Fördermitteln eine große Rolle. Hier kommt die Hausbank ins Spiel und hilft bei der Beratung und Beantragung von Förderkrediten“, sagt der Banker.

Das zeigt auch das Umfrageergebnis: Bei der Finanzierung greifen 90 Prozent der Gründer in Ostwürttemberg auf Eigenkapital zurück. Ein Drittel startet dabei mit weniger als 20 000 Euro in die Selbstständigkeit, ein weiteres Viertel hat bis zu 50 000 Euro zur Verfügung.

Bei 60 Prozent ist das Startkapital allerdings bereits innerhalb der ersten sechs Monate aufgebraucht. Spätestens dann werde häufig eine Fremdfinanzierung in Anspruch genommen, so die Commerzbank. „Es ist sinn voll, schon frühzeitig Alternativen zu prüfen und auf seine Bank zuzugehen“, rät Kube. Um die Finanzplanung kümmern sich nahezu alle Gründer selbst (96 Prozent). Nur zehn Prozent ziehen externe Finanzexperten hinzu.

Mit Blick nach vorn planen die Gründer im östlichen Württemberg vor allem Investitionen in Marketing und Vertrieb (37 Prozent), Produktentwicklung (33 Prozent), Technologie und Personal (je 29 Prozent). Denn im Fachkräftemangel sieht mehr als ein Drittel das größte Hindernis für die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens.

Insgesamt zeigt sich die Gruppe der Gründer sehr onlineaffin. Sowohl bei der Informationsbeschaffung als auch beim Banking, liegt sie östlichen Württemberg deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Drei Viertel der Befragten nutzen Onlinebanking aktiv, bundesweit ist es etwas mehr als die Hälfte).

Ein Geschäftskonto ist die Bankdienstleistung, die von 85 Prozent der Gründer in Ostwürttemberg beim Start in die Selbstständigkeit genutzt wird (bundesweit: 74 Prozent). „Deshalb begleiten wir Jungunternehmer von Anfang an mit einem Gründer-Paket“, erläutert Wolfgang Hahn, Leiter Unternehmerkunden in der Region Ost-Württemberg. „Als Bank für Unternehmer wollen wir den Start in die Selbstständigkeit so gut wie möglich unterstützen“, betont er.

© Wirtschaft Regional 20.11.2019 18:41
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