Megatrend KI in der Praxis

Industriedialog Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Wirtschaft zu verändern. Doch was kann KI leisten? Antworten gab der Industriedialog.
  • Gruppenbild mit Roboter – und den Referenten des Abends Florian Schmid (links), Carsten Schuff (2. v. l.) sowie Rajkiran Kumar (4. v. l.). Foto: Peter Hageneder

Aalen.

Am Ende darf der kleine, rote Roboter auf vier Rädern zeigen, was er kann. Langsam rollt er zwischen den Reihen in der Neuen Aula Hochschule Aalen auf und ab, unterscheidet Gegenstände von Personen, erfasst Daten und leitet diese an seinen Entwickler weiter. Der „Indusbot“ ist eine Schöpfung des Hüttlinger Unternehmens PlanB und kommt normalerweise bei der Inspektion von Fabriken zum Einsatz, wie PlanB-Entwickler Rajkiran Kumar erklärt. Neben Kumar gab es noch zwei weitere (menschliche) Referenten, die anlässlich des aktuellen Industriedialogs Vorträge zum Megathema Künstliche Intelligenz (KI) hielten. Sie erklärten, warum es für Unternehmen wichtig ist, sich digital aufzustellen - und wie KI Abläufe in der Fertigung optimieren kann.

PlanB forscht aktuell im Bereich der leistungsfähigen Bildverarbeitung basierend auf künstlicher Intelligenz. Ziel sei es, Fehler an Werkstückoberflächen zu erkennen und zu klassifizieren. „Bei dieser prädiktiven Qualitätssicherung geht es darum, Ausschuss zu minimieren, die Ursachen zu analysieren und anschließend zu eliminieren“, erklärt Carsten Schuff, Teamleiter bei PlanB. Einen hohen Mehrwert biete künstliche Intelligenz allgemein für Bereiche, die durch manuelle Aufwände oder ein Vorgehen von vorgefertigten Plänen geprägt seien. Dazu gehören neben den genannten Werkstoffprüfungen zur Qualitätssicherung auch Wartungsarbeiten. Hier ließen sich mittels KI deutliche Effizienzsteigerungen erzielen, ist Schuff sicher.

KI könne ebenfalls eine gesteuerte Informationsverarbeitung leisten, wie etwa Brexit-relevante Passagen in Verträgen und anderen Dateien finden, wie Schuff ausführt. „KI ist gut geeignet, Infos aus verschiedenen Datenquellen zusammenzutragen, um ein Gesamtbild zu ermitteln.“ Ein weiteres Einsatzgebiet, das der KI-Experte nennt, ist die Automatisierung von B2B-Bestellprozessen. In vielen Firmen würden Bestellungen noch per E-Mail eingehen, eine KI könne diese automatisch zu Verträgen verarbeiten. Allerdings brauche KI Fachkräfte, die sie programmieren und steuern.

Wir sehen uns als Digitalisierungspartner.

Carsten Schuff
Plan B

Einer von Ihnen ist PlanB-Data-Scientist Florian Schmid. Der Datenspezialist erklärte am Beispiel einer cloudbasierten KI, wie Entwickler entsprechende Vorhaben umsetzen können. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Microsoft-Programm Azure, bei dem mehrere fremde Rechner zu einer gemeinsamen KI zusammengelegt werden könne, falls etwa die Rechenleistung der bestehenden PCs nicht ausreicht. Schmid stellte zudem eine KI vor, die den Prozess der Gefahrenstoffentsorgung überwache und überprüfe. Das KI-Modell erkennt an der Oberfläche der (im Beispiel genannten) Fässer mit Gefahrenstoff, ob und wenn ja, wie diese beschädigt oder beeinträchtigt sind.

Für das Hüttlinger Unternehmen PlanB ist KI eines der zentralen Wachstumsfelder. Das Unternehmen mit Stammsitz in Hüttlingen und drei weiteren Standorten in Deutschland beschäftigt inzwischen rund 100 Mitarbeiter und bildet selbst aus. „Wir sehen uns als Digitalisierungspartner mit Mission und Ambition“, sagt Schuff. Wichtig sei zudem: Es gebe nicht „die eine KI“, sondern verschiedene Programme, die auch einander ergänzen und unterstützen können. „Es kommt dabei stark auf interdisziplinäre Konnektivität an“, so Schuff.

© Wirtschaft Regional 15.11.2019 19:39
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