Aktien: Auto, Finanz und Chemie sind tabu

Interview Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt im Gespräch Stellung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten.
  • Herbert Fischer Foto: WK

Experten und Politiker stellen seit Anfang 2019 die Bevölkerung auf eine nachlassende Wirtschaftskraft ein. Die Rede ist vom Einbruch der Exportwirtschaft und der schwächelnden Automobilwirtschaft – dennoch stehen die Börsen in Frankfurt und New York vor neuen Allzeithochs. Kann es so weiter gehen?

Fischer: Die Kurse an den Börsen eilen der realen Wirtschaftsentwicklung einige Monate voraus. Ich habe einen Durchschnittswert der Prognosen der Entwicklung des deutschen Bruttoinlandprodukts von 15 Wirtschaftsinstituten, darunter auch der IWF, OECD und EU-Kommission, gemittelt und die Prognose für 2019 lag bei 0,51 Prozent. Für das Jahr 2020 lag der Durchschnitt der Wachstumsprognose deutlich höher, bei 1,11 Prozent. Die Weltwirtschaftsprognose für 2020 liegt bei 3 Prozent Wachstum und auch China meldet trotz Handelskrieg immer noch ein Wachstum von über 6 Prozent. Mögliche Störfaktoren für die Kapitalmärkte durch die internationale Politik, zum Bsp. im Nahen Osten., Brexit usw. sind aber nicht auszuschließen.

Der WAC-Fonds konnte im bisherigen Jahr, trotz starker Börsenturbulenzen, eine Rendite von 8,5 Prozent erzielen. Was ist Ihre Erfolgsstrategie?

Aufgrund der Börsenturbulenzen haben wir schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 und in 2019 eine moderate, zurückhaltende Anlagepolitik praktiziert. Nicht das ganze Volumen der uns anvertrauten Gelder ist in Aktien investiert worden, das heißt dieser Anteil wurde möglichen Kursverlusten entzogen. Diese Gelder dienen als Reserve für den schnellen Zukauf von Wertpapieren bei überzeugendem Kursanstieg.

Der WAC-Fonds ist zu einem Großteil in Aktien ausländischer (insbesondere US-amerikanische) Unternehmen investiert. Haben Sie das Vertrauen in deutsche Aktien verloren?

Die Statuten unseres Investmentfonds erlauben uns Aktienkäufe weltweit. Nachdem die tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft etwas schwächeln (Automobilindustrie, Chemie, Finanzbranche) werden Sie in unserem Depot keine Aktien aus diesem Bereich finden. Wir versuchen mit einer Mischung internationaler Aktien den Börsenturbulenzen möglichst auszuweichen.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Brexit, oder auch die steigende Gefahr einer Eskalation im nahen Osten zeigen eine weltweite Zunahme von geopolitischen Spannungen. Sollte man in diesen unruhigen Zeiten überhaupt sein Geld an den Kapitalmärkten anlegen?

„Ohne Risiko keine Rendite“ konnten wir in der SchwäPo lesen. Risiken und Spannungen begleiten uns schon das ganze Jahr und dennoch blicken wir in diesem Zeitraum auf eine Netto-Rendite von 8,5 Prozent. Alternative Kapitalanlagen wie Sparbuch, Tagesgeld, Geldmarktfond, Bausparverträge, Versicherungen oder Renditeimmobilien kompensieren aktuell nicht mehr die Inflationsrate. Ende November 2019 sind wir mit unserem Investmentfonds 11 Jahre auf dem Markt, und trotz Kursschwankungen die wir hinnehmen mussten, erzielten wir eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent.

Unsere Automobilwirtschaft hat es in Zeiten von Handelskrieg, Diesel-Gate und erneuerbaren Antrieben nicht leicht. Dies hat sich auf die Kurse an den Kapitalmärkten negativ ausgewirkt. Ist die Talsohle bereits durchschritten oder müssen wir uns auf weitere Schocknachrichten bei Automobilwerten einstellen?

Die Automobilwirtschaft befindet sich in einem historischen Umbruch. Die Umstellung auf E-Mobilität verursacht enorme Kosten und für die neuen Produkte fehlt in größerem Umfang die Nachfrage. Aktien der Automobil- und Zulieferfirmen werden wir meiden. Die Bundesregierung hat die Januarprognose 2020 von 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum auf 1 Prozent herabgestuft, aber mit der Aussage, es droht keine Rezession. Laut Ifo-Institut ist der Export-Index aber im Oktober 2019 wieder gestiegen.

Das Thema Klima beschäftigt derzeit die ganze Welt. Mit dem Klimapaket will die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen und die Klimaziele erreichen. Berücksichtigen Sie in Ihrer Anlagestrategie nachhaltige und klimafreundliche Aspekte?

Es wäre sträflich zukunftsfähige Technologien aus dem Blickfeld zu verlieren. Aber, im Bereich Windräder sinkt die Installation weltweit, in Deutschland aktuell um 43 Prozent. Entsprechend bescheiden sind die wirtschaftlichen Daten der 4 großen Hersteller. Die bedeutenden Solarmodulhersteller sind überwiegend in asiatischer Hand. Da fehlt uns der Zugang zu verlässlichen Informationen.

Zum Abschluss dieses Interviews unsere Frage: Herr Fischer, wo steht der Dax am 31.12.2019?

Zum Jahresende sehe ich den DAX über der psychologischen Grenze von 13.000 Punkten.

© Wirtschaft Regional 08.11.2019 13:54
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