Warum sich Neugier lohnt

Vortrag Beim Forum Unternehmerwissen der Kreissparkasse Ostalb verrät Carl Naughton Tricks für den Umgang mit Veränderungen.
  • Der Wirtschaftspsychologe und Gehirnforscher Carl Naughton hat in Aalen erklärt, was uns daran hindert neugierig zu sein – und wie wir die Neugier-Killer besiegen. Foto: Peter Hageneder

Aalen

Neugierige haben mehr vom Leben. Sie sind beliebter, lebensfreudiger, ideenreicher, kreativer und erfolgreicher. Und sie kommen mit dem Wandel in der Wirtschaftswelt besser klar. Das sagt der Wirtschaftspsychologe und Gehirnforscher Carl Naughton. Warum das so ist, und wie wir uns uns anderen Lust auf Neugier machen, hat er auf dem Forum Unternehmerwissen der Kreissparkasse (KSK) Ostalb verraten. Ein witziger und unterhaltsamer Vortrag des Deutsch-Briten, angereichert mit vielen Fakten und Untersuchungsergebnissen.

„Überall ist Veränderung, auch im Bankbereich bleibt kein Stein auf dem anderen“, mahnte KSK-Vorstandschef Andreas Götz vor 360 Gästen im Aalener Ostertag-Motodrom. In Zeiten von Niedrigzins und Digitalisierung müssten bisherige Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Die KSK probiere neue Geschäftsfelder aus – wie die Testamentsvollstreckung – setze aber weiter auf Regionalität, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und Beratung, so Götz, dem sein Vorstandskollege Markus Frei beipflichtete: „Wir müssen uns neu erfinden, deshalb haben wir einen Innovationskreis gegründet.“

Acht Autowäschen sind schnell gesammelt

Die Gefühle haben immer Vorfahrt vor den Fakten.

Carl Naughton
Wirtschaftspsychologe

Wer neugierig ist, so legte der Hauptredner Carl Naughton dar, besitzt Entdeckerfreude, möchte Wissenslücken schnell schließen, ist offen für die Ideen anderer und hält die Anspannung und Unsicherheit aus, die mit Neuem verbunden ist. Wie wir die Neugier in uns und anderen auf diesen vier Feldern wecken, zeigte der Wissenschaftler mit zahlreichen Beispielen auf.

„Die Gefühle haben immer Vorfahrt vor den Fakten“, betonte Naughton. Wer Neugier wecken wolle, müsse deshalb auf Emotionen setzen. Sollen Menschen überzeugt werden, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen, sollte man ihnen den „Weg ebnen“. Das Gefühl, sie hätten bereits einen Teil des Weges zurückgelegt, wirke Wunder. Naughton illustrierte das mit einer Autowäsche-Rabattkarte, die Untersuchungsteilnehmern ausgehändigt wurde: Ein Teil der Gruppe erhielt Rabattkarten mit acht leeren Feldern. Ein anderer Teil bekam Karten mit zehn Feldern, von denen zwei bereits abgestempelt waren. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe schafften es wesentlich häufiger, acht Autowäschen zu sammeln und die Karte damit „voll“ zu machen.

Umdenken, so Naughton, heiße auch, das anzunehmen und zu probieren, was man immer für falsch gehalten hat. Nicht die schnelle, sichere Lösung zu suchen, Veränderungen nicht als bedrohlich, sondern als spannendes Neuland zu erfahren: Wer Mitarbeitern und Kollegen Eigenverantwortung, Freiräume und das Gefühl, Neues zu erleben gebe, baue Blockaden ab und mache ihnen Lust auf Neugier.

© Wirtschaft Regional 25.10.2019 17:23
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