Massiver Jobabbau bei Bosch AS

Das Unternehmen streicht am Standort Gmünd bis 2022 weitere 1000 Stellen – zusätzlich zu den 760 bereits vereinbarten

Schwäbisch Gmünd. Der größte Arbeitgeber der Stadt, die Robert Bosch Automotive Steering (AS), verschärft seinen Sparkurs. Wie der Automobilzulieferer mitteilt, werden bis Ende 2022 weitere 1000 Stellen entfallen – über die bisherige Standortvereinbarung hinaus, die bereits den sozialverträglichen Abbau von 760 Arbeitsplätzen bis 2022 vorsieht. Der Stellenabbau betreffe zu gleichen Teilen einerseits Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung sowie andererseits das Werk. Derzeit sind nach Unternehmensangaben 5000 Mitarbeiter am Bosch-Standort in Schwäbisch Gmünd beschäftigt.

„Wie auch andere Unternehmen spürt Bosch Automotive Steering deutlich die Marktabschwächung“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Wettbewerbs- und Preisdruck im Markt für Lenksysteme hätten deutlich zugenommen: „Umsatz- und Ergebnisentwicklung des Bosch-Geschäftsbereichs liegen weit unter der Planung.“ Bosch Automotive Steering gehe davon aus, dass der Markt für Lenksysteme langfristig auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben wird.

Das 2017 für den Standort Schwäbisch Gmünd vereinbarte Zukunftskonzept, das den Abbau von 760 Stellen vorsieht, solle daher angepasst werden, „um auf die verschärfte wirtschaftliche Lage reagieren zu können“ – unter anderem mit dem Abbau von weiteren 1000 Stellen. „Wir müssen jetzt handeln, um uns mit einer tiefgreifenden Restrukturierung wieder wettbewerbs- und damit zukunftsfähig zu machen. Nur so können wir insbesondere angesichts des aktuellen Technologiewandels ausreichend in unsere Zukunft investieren. Wir wollen den Kunden auch künftig attraktive Lösungen bieten und uns technisch vom Wettbewerb differenzieren“, sagt Christian Sobottka, Vorsitzender des Bereichsvorstands. Bereits einige Tage zuvor hatte der Bosch Konzern die Streichung von insgesamt 1600 Arbeitsplätzen an seinen Standorten Feuerbach und Schwieberdingen bekannt gegeben. Nun trifft es Gmünd.

„Wir stehen zu Schwäbisch Gmünd als Leitwerk. Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit sind weiter unsere Kernziele“, betont Sobottka. „Alle Beteiligten haben Erhebliches geleistet, um die bereits 2017 mit Betriebsrat und IG Metall vereinbarte Standortvereinbarung umzusetzen.“ Beispielsweise seien in neue Fertigungseinrichtungen die zugesagten 100 Millionen Euro investiert worden. Der Standort habe seine Kosten bereits deutlich gesenkt. Dabei notwendige Personalanpassungen seien vollständig sozialverträglich umgesetzt worden.

„Insgesamt konnte Schwäbisch Gmünd seine Kostenposition verbessern. Bei den verschärften Rahmenbedingungen reichen die Maßnahmen jedoch deutlich nicht aus, um den Standort auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu bringen“, so Sobottka weiter. Das Unternehmen will zeitnah mit Betriebsrat und IG Metall in Gespräche und Verhandlungen eintreten. Dabei soll über die erforderlichen Anpassungen bis 2022 sowie über Perspektiven bis 2026 gesprochen werden. Ziel sei, bis zum Jahresende gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Bereits in der Vergangenheit hatte Bosch Automotive Steering angekündigt, den Standort Gmünd zum weltweiten Leitwerk für Lenkungstechnik auszubauen.

© Wirtschaft Regional 24.10.2019 17:44
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