So digital wird die Zukunft

Forum Digitalisierung und Vernetzung schreiten mit hohem Tempo voran - vor allem Städte und Kommunen sind von dieser Entwicklung betroffen. Das Forum „Zukunft 5.0“ zeigt, wohin die Reise geht.
  • Wolfgang Weiß (links) und Rudi Feil (rechts) mit den Referenten des Forums. Foto: hag

Oberkochen

Willst du Deutschland oben sehen, musst du die Tabelle drehen – das gilt in diesem Fall für die Versorgung mit dem für die Digitalisierung so wichtigen Glasfaseranschluss: Nur 2,3 Prozent des Landes sind mit der Zukunftstechnologie angebunden. Zum Vergleich: In Ostasien sind es bis zu 80 Prozent. Digital ist Deutschland seit dem Aufstieg des Internets Mitte der 1990er-Jahre ins Hintertreffen geraten. Ein massiver Breitbandausbau täte Not – wie er gelingen kann, erklärte das Forum Zukunft 5.0, zu dem die Firmen Geo Data und das Zentrum für digitale Entwicklung (ZDE) ins Zeiss-Forum geladen hatten.

Dabei spielen Kommunen, Städte eine besondere Rolle, wie Wolfgang Weiß, Geschäftsführer des ZDE, und Geo-Data-Chef Rudi Feil betonen. „Nur wenn es ihnen gelingt, bei der digitalen Transformation vorne dabei zu sein, können sie diesen Wandel aktiv gestalten“, so Weiß. Geo Data und ZDE sehen sich als Partner eines umfangreichen Netzwerks an Spezialisten, die Kommunen und Regionen auf dem Weg in die digitale Zukunft unterstützen.

Hauptredner der mit renommierten Experten gespickten Veranstaltung war Karl-Heinz Land, Autor erfolgreicher Sachbücher zum Thema Digitalisierung, zuletzt „Erde 5.0“. Er gilt als glühender Verfechter technologischer Visionen. „Der technologische Fortschritt wird nur durch unsere Vorstellungskraft beschränkt.“ Die digitale Transformation habe gerade erst begonnen. „Wenn man sich diese als 8-Gänge-Menü vorstellt, sind wir gerade bei der Vorspeise.“ Der Denkfehler vieler Menschen: dass der technische Fortschritt linear zunehme. Stattdessen, so Land, vervielfältige sich dieser exponentiell.

Der technische Fortschritt des vergangenen Jahrhunderts habe sich in den 2000 bis 2014 wiederholt – und werde es in den Jahren 2014 bis 2021 erneut tun. „In sieben Jahren 100 Jahre technischer Fortschritt! Viele Menschen glauben, die Entwicklung verlaufe zu schnell. Ich sage: So langsam wie heute wird sie niemals wieder!“ Das hat Auswirkungen auf die Weltgesellschaft.

In 25 bis 30 Jahren werde die Hälfte der aktuellen Arbeitsplätze wegfallen. Waren es früher Flüsse, dann Straßen, Eisenbahnen oder Flughäfen, die den Menschen einer Region Wohlstand brachten, sind es heute die Datenautobahnen. Land plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen. „Von den 40 Megastädten im Jahr 2050 sind 35 noch nicht gebaut.“ Allerdings sei die digitale Transformation an sich nicht das Ziel. Vielmehr werde die Technologie dabei helfen, die aktuelle soziale Instabilität in aller Welt zu überwinden. Mit Sorge beobachtet er die nationalistischen Tendenzen weltweit. Aber: „Die Entwicklung macht nicht an Grenzen Halt. Auch wenn uns das ein paar Pappnasen glauben machen wollen.“

Die Digitalisierung ist eine Riesenchance für Kommunen.

Karl-Heinz Land
Buchautor

Land sagt aber auch: „Die Digitalisierung ist eine Riesenchance für Städte und Kommunen.“ Smarte, vernetzte Städte, würden in einigen Jahrzehnten mehr als 70 Prozent weniger Ressourcen benötigen als aktuell, autonomes Fahren befreie die Städte vom Verkehr und intelligente Stromnetze revolutionieren die Energieversorgung. Ebenso hat Land eine Botschaft für die aktuell orientierungslose Autoindustrie: Diese begehe einen „Wahnsinnsfehler. Nicht die Elektromobilität ist die Zukunft, es sind synthetische Treibstoffe.“

Der Autor und ehemalige Software-Manager plädiert für ein Umdenken. „Wachstums um des Wachstums Willen können wir uns nicht mehr leisten.“ Die Wirtschaft müsse weg vom Gewinn orientierten hin zur Sinn stiftenden Ökonomie. Gleichzeitig verändere die Digitalisierung mit der Vernetzung und der Dematerialisierung die Wertschöpfung. „Aktuell findet die fünfte industrielle Revolution statt. Software wird zur neuen Wertschöpfung.“ Firmen, die sich nicht wappneten, empfiehlt er schnelles Umdenken. Angst vor Künstlicher Intelligenz hat Land nicht, „eher vor der natürlichen Dummheit der Menschen“.

Nach diesem einstündigen Blick auf die Zukunft des großen Ganzen, war es an den Referenten, einen praktischeren Ansatz zu wählen. Robert Vatting von T-Systems etwa gab einen Einblick in das Social Engineering und wie Schadsoftware-Entwickler fixe Verhaltensmuster und die kognitive Verzerrung von Menschen ausnutzen. Publizist Franz-Reinhard Happel erklärte, wie mit Daten Politik auf Kommunalebene gemacht werden kann.

In den zwei Foren des Nachmittags hatten die Referenten zum einen das Thema „Smart City“ in konkreten Beispielen im Blick, während sich das zweite um die strategischen Aspekte der vernetzten Stadt kümmerte.

Mit dem ersten Zukunftsforum sind die Veranstalter zufrieden. „Mehr als 200 Anmeldungen haben unsere Erwartungen übertreffen“, erklärte ZDE-Chef Wolfgang Weiß. Für Rudi Feil war das Format zum einen wichtig, um die Aufmerksamkeit auf das Megathema Digitalisierung zu richten. „Zum anderen war es ein schöner Startpunkt für das ZDE.“

© Wirtschaft Regional 24.10.2019 17:40
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