VW schafft mobile Fakten

Gmünder Forum Elektromobilität Stratege Maik Stephan beschreibt die Entscheidung des VW-Konzern für batteriegetriebene Elektrofahrzeuge.
  • Auf dem Podium (v.l.) diskutierten: Peter Schwierz, Dr. Marcel Weil, Michael Rupprecht, Marc Holz, Prof. Dr. Stefan Reindl, Enrique Luque Aleman und Mak Stephan. Foto: Hientzsch

Schwäbisch Gmünd

Die Zeiten der theoretischen Statements und Diskussionen über die Mobilitätsmodelle der Zukunft beim „Gmünder Forum Elektromobilität“ sind offensichtlich vorbei. Bei der 7. Auflage der gemeinsamen Veranstaltung von Stadt und Stadtwerke Schwäbisch Gmünd und der IHK Ostwürttemberg am Dienstag in Congress Centrum Stadtgarten kommen erstmals konkrete Fakten auf den Tisch – durch den Impulsreferenten Maik Stephan. Der Konzernstratege der VW AG beschreibt Volkswagens klaren Weg in das Zeitalter der Elektromobilität: „Wir fahren konzernweit bis 2050 komplett batteriegetrieben elektrisch und klimaneutral, weil wir davon überzeugt sind.“

Die rund 300 Gäste des Forums begrüßt Moderator Peter Schwierz. Der Chefredakteur des Branchendienstes „electrive.net“ spricht mit Michaela Eberle und Richard Arnold. Die IHK-Geschäftsführerin stellt die Bedeutung der E-Mobilität für die Region heraus: „Wir sind industrie- und automotivgeprägt, den Transformationsprozess begleiten wir technologieoffen.“ Gmünds OB verkündet stolz: „Wir sind Vorreiter, E-Mobilität ist bei uns auch dank des innovativen Inputs unserer Stadtwerke Normalität geworden“. Zu den über 30 Elektroladepunkten komme bald eine Wasserstoff-Tankstelle: „Auch wir bereiten uns technologieoffen auf die mobile Zukunft vor.“

Der VW-Konzern (dazu gehören auch die Marken Audi, Skoda, Seat, Porsche, MAN und Scania) habe vor dem Hintergrund des realen Klimawandels (und auch wegen des imageschädlichen Dieselskandals) entschieden „die größte Offensive in Sachen batteriegetriebener Elektroautos in der automotiven Branche auf den Weg zu bringen, sagt Maik Stephan. Die künftigen Elektroautos sollen nachhaltig gebaut und genutzt werden. Vorreiter wird der ID3 sein, der bereits nächstes Jahr auf den Markt kommt. Stephan beschreibt die weiteren Stationen bis 2050: „2023 entwickelt unser Konzern die letzte Plattform für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, 2030 wird der letzte Verbrenner entwickelt und ab 2040 bringen wir keinen Verbrenner mehr auf den Markt. Bis 2030 wird VW alle 300 Fahrzeugmodelle auch in elektrischer Form anbieten und mindestens die Hälfte des globalen Absatzes rein elektrisch erzielen“. Die VW-Fabriken würden auf Grundlage des Mobilen Entwicklungsbaukastens (MEB), den auch Ford nutzt, voll auf die Elektrifizierung vorbereitet, sagt Stephan: „Im Werk Zwickau laufen schon ab 2021 über 333.000 E-Fahrzeuge vom Band“. Der Stratege geht auch auf die Herausforderungen ein: „Wir müssen noch die Ladekapazitäten ausbauen, dazu haben wir viele Ideen entwickelt. Und es müssen Preis und Reichweite stimmen – die E-Autos dürfen nicht teurer als Verbrenner sein und mindestens 550 km über Berg und Tal fahren können.

Auf dem Podium diskutieren anschließend Peter Schwierz und Maik Stephan mit Enrique Luque Aleman von der Voith Group, die ihren E-Bus präsentierte, Marc Holz vom Gmünder Institut für Oberflächentechnik, Prof. Dr. Stefan Reindl, dem CEO Prof. Dr. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft; Michael Ruprecht von der e-mobil BW GmbH und Dr. Marcel Weil vom Karlsruher Institut für Technologie.

Grundsätzlich wird der Schritt von VW begrüßt. Politik und Industrie hätten sich aber zu spät für die E-Mobilität entschieden. So herrsche noch große Verunsicherung in der Bevölkerung, die aber bereit zum Wandel ist. Verlangt wurde, dass neben Strom auch Technologien wie Brennstoffzelle oder synthetische Stoffe weiterentwickelt und erforscht werden.

Der ÖPNV müssten genau so wie der Güterverkehr eingebunden werden. Und schließlich wurde auch die Ökobilanz des Abbau und der Entsorgung von selten Rohstoffen kontrovers diskutiert.

© Wirtschaft Regional 22.10.2019 22:33
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