Stellenabbau vor allem in den Filialen

Niedrigzinsen, Onlinebanken, FinTechs – die Branche steht unter enormem Druck. Eine Studie zeigt Zahlen, wie viele Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren gestrichen wurden.
  • Hier schlägt das Herz der deutschen Finanzbranche: das Bankenviertel in der Mitte Frankfurts. Foto: Fabian Sommer/dpa
Die Personaleinschnitte bei den Banken in Deutschland werden immer heftiger: 18 000 Jobs bei der Deutschen Bank bis 2022, davon 9000 in Deutschland, 4300 bei der Commerzbank. Nur bei Volksbanken und Sparkassen geht es offenbar langsamer voran, auch wenn hier durch Fusionen ebenfalls Arbeitsplätze verschwinden. Die neuen Überlegungen, die Landesbank Hessen-Thüringen mit dem Sparkassen-Fondsanbieter Deka-Bank zusammenzuführen, dürften auch nicht ohne Folgen für das Personal sein.

Allein der Personalbedarf von FinTechs sorgt dafür, dass der Personalabbau in diesem Jahr nur moderat ausfällt. Das ist ein Ergebnis des am Montag in Frankfurt vorgelegten Banken- und FinTech-Barometers 2019 der Unternehmensberatung EY. Seit 1991 ist die Zahl der Beschäftigten im Kreditgewerbe in Deutschland um fast ein Viertel von damals 744 800 auf 571 700 Ende vergangenen Jahres geschrumpft.

Einschnitte bei Privatbanken

Am tiefsten sind die Einschnitte bei den privaten Banken. Als Folge unter anderem der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank vor zehn Jahren, der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank 2012 und den generellen Problemen, in die beide Häuser in den Jahren danach rutschten. Ende 2022 will die Deutsche Bank weltweit nur noch 74 000 Menschen beschäftigen, 2010 waren es noch 102 000. Bei der Commerzbank waren es Ende 2009 weltweit noch 62 000, Ende 2023 sollen es nur noch rund 29 000 Vollzeitstellen sein.

Trotzdem wird es laut EY in diesem Jahr im Bankensektor nur zu einem „moderaten“ Stellenabbau kommen. Von den 120 Instituten und 30 FinTechs, die befragt wurden, wollen nur 22 Prozent Personal in diesem Jahr reduzieren, 19 Prozent aber aufstocken.

Dies gilt allerdings vor allem für die FinTechs. Bei den Banken wird vor allem im direkten Kundenkontakt gekappt, etwa in der Beratung in den Filialen. 28 Prozent der Banken rechnen hier mit einem sinkenden Personalbestand. Dagegen wollen 28 Prozent der Banken in der IT und im Risikomanagement aufstocken.

„Ambitionierte Sparpläne stoßen in der Realität an ihre Grenzen“, sagt EY-Experte Robert Melnyk. „Regulierungsvorschriften, neue Risiken wie Cyberangriffe und die Digitalisierung sorgen für großen Bedarf an hoch spezialisierten Fachkräften“.

Generell habe sich die Lage im deutschen Bankensektor in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Fast 70 Prozent der Banker erwarten einen weiteren Konjunkturabschwung und fast die Hälfte rechnet deshalb mit einer restriktiveren Kreditvergabe. Das niedrige Zinsniveau und noch weiter ins Minus rutschende Einlagezinsen bei der Zentralbank drücken die Zinseinnahmen weiter. „Viele Banken hatten auf eine Zinswende gehofft – davon kann inzwischen keine Rede mehr sein“, sagt Melnyk.

Zudem fürchten fast zwei Drittel vorerst nicht so sehr die Konkurrenz von FinTechs, aber die von US-Digitalkonzernen wie Facebook, Amazon oder Apple. „Die haben längst den Finanzdienstleistungsmarkt ins Visier genommen“, sagt EY-Experte Thomas Griess. Sie hätten die Finanzstärke und den direkten Zugang zum Endkunden und könnten damit den traditionellen Banken das Leben schwer machen, etwa beim mobilen Bezahlen mit dem Smartphone.

Auch Überweisungen ins außereuropäische Ausland sind bei FinTechs deutlich günstiger als bei Banken und Sparkassen. FinTechs betrachten erst 18 Prozent der Bankmanager als ernsthafte Wettbewerber. Langfristig könnte sich das aber ändern.

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© Südwest Presse 15.10.2019 07:45
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