Reiseveranstalter buhlen um Kunden von Thomas Cook

Das insolvente Unternehmen hofft darauf, Anfang nächsten Jahres wieder Reisen anbieten zu können. Doch die Konkurrenz schläft nicht und lockt mit Vorzugskonditionen.
  • Schnell mal bei der Konkurrenz vorbeischauen, die mit besseren Konditionen lockt: Die Karten auf dem deutschen Reisemarkt werden nach der Thomas-Cook-Insolvenzin Deutschland gerade neu gemischt. Foto: Clara Margais/dpa
Nach der Insolvenz der deutschen Thomas Cook werden die Karten auf dem Reisemarkt neu gemischt. Während die Oberurseler ums Überleben kämpfen, bauen Tui, DER Touristik, Alltours und Co. ihre Kapazitäten aus und buhlen um Thomas-Cook-Kunden.

„Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die deutsche Thomas Cook zu alter Stärke zurückkehrt. Die anderen Veranstalter teilen die Felle bereits untereinander auf“, sagt Tourismusexperte Torsten Kirstges.

Die deutsche Thomas Cook, die in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten ist, arbeitet daran, ab 1. Dezember wieder operativ tätig zu sein und Reisen ab Jahresbeginn 2020 anbieten zu können. Doch andere Veranstalter sind derweil nicht untätig.

500 000 neue Kunden

Sie versuchen die Lücke, die der einst zweitgrößte Reisekonzern im deutschsprachigen Raum derzeit hinterlässt, zu schließen. „Die durch die Insolvenz geschädigten Reisebüros werden von den anderen Veranstaltern umworben. Verunsicherte Kunden werden sich umorientieren“, erwartet Kirstges.

So hofft Branchenprimus Tui im kommenden Jahr auf 500 000 neue Kunden. Das Unternehmen wolle deshalb mehr Angebote in beliebten Urlaubsregionen schaffen. In Ländern wie der Türkei und Griechenland, auf den Balearen sowie den Kanaren würden neue Verträge mit Hotels geschlossen. Zudem will der weltgrößte Touristikkonzern mehr Flüge aus Deutschland anbieten. „Pauschalreisen sind nach wie vor die sicherste und bequemste Art zu reisen“, umwirbt Geschäftsführer Marek Andryszak Sonnenhungrige.

Konkurrent Alltours hat sich bereits einen großen Teil der Hotel- und Bettenkontingente der deutschen Cook-Töchter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin gesichert. „Kein Kunde muss auf sein gewohntes Hotel verzichten“, sagt Karsten Fricke, Direktor Hoteleinkauf bei Alltours.

Auch Schauinsland Reisen hat zusätzliche Hotels unter Vertrag genommen. Zugleich reduziert der Veranstalter mit wenigen Ausnahmen die Stornogebühren für Thomas-Cook-Urlauber deutlich, die bis 21. Oktober Pauschalreisen ihm buchen. DER Touristik lockt gar mit kostenlosem Storno, wenn die Thomas-Cook-Reise gemacht wird.

Die Branche wirbt um Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern. „Wir geben für unsere Veranstalterreisen unser Wort“, betont DER-Touristik-Chef und Rewe-Vorstandsmitglied Sören Hartmann. „Urlauber, Hotel-, Airline- und Reisebüropartner können gewiss sein: Sie können sich auf uns verlassen.“ Die DER Touristik, die zur Rewe Group gehört, zahlt Reisebüros 2 Prozent mehr Provision für Neubuchungen von Thomas-Cook-Kunden.

„Auf sehr kleiner Flamme“

Ein Wiederanfang dürfte für das Unternehmen mit seinen etwa 2000 Mitarbeitern daher nicht leicht werden. „Selbst wenn es gelingt, Anfang Dezember den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, dürfte dies auf sehr kleiner Flamme erfolgen“, sagt Kirstges, Professor an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, voraus.

Besonders betroffen sind Partner in den Urlaubsgebieten wie Hotels, Reiseleiter oder Busunternehmen. Ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit dürfte zunächst nicht allzu groß sein. „Die meisten geschädigten Hotels werden künftig abwinken“, vermutet Kirstges. Oder sie werden Vorauszahlung verlangen und nur kleine Kontingente anbieten. Friederike Marx
© Südwest Presse 14.10.2019 07:45
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