Wo die Bierbrauer der Schuh drückt

Handwerk Bei der Aalener Löwenbrauerei werden junge Leute im Brauerhandwerk ausgebildet – Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer, hat sich den Betrieb erklären lassen.
  • Hermine und Albrecht Barth haben dem Präsidenten und dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Joachim Krimmer und Rolf Schäfer (von links) nicht nur die Sudkessel ihrer Aalener Löwenbrauerei präsentiert. Foto: Bernhard Hampp

Aalen

Zwar gehört die Aalener Löwenbrauerei mit einem Ausstoß von 4000 Hektolitern pro Jahr zu den kleineren Bierproduzenten in der Region. Der Familienbetrieb am Aalener Galgenberg ist allerdings einer der wenigen, in denen junge Menschen das Brauerhandwerk erlernen können. Grund genug, für Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer, seinen monatlichen Betriebsbesuch hierhin zu unternehmen.

„Sagen Sie uns, wo der Schuh drückt und wir helfen können“, forderte Krimmer den Brauereichef Albrecht Barth auf. Es handelte sich um den letzten Betriebsbesuch in Krimmers erster Amtszeit – zwei Tage später wurde er wiedergewählt und für fünf Jahre im Amt bestätigt. Begleitet wurde der Kammerpräsident vom stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Rolf Schäfer.

Unternehmer Barth nahm Krimmer beim Wort und mahnte Hilfen bei der Ausbildung an. Es könne nicht sein, dass man sich um die Ausbildung kümmere und die jungen Leute dann an andere Betriebe verliere, die „50 Cent mehr“ bezahlten. Hier sei eine Art „Ablöse“ denkbar. Krimmer registrierte das und erinnerte an 2700 Handwerksbetriebe im Kammergebiet zwischen Jagst und Bodensee, für die in den nächsten Jahren eine Nachfolgelösung nötig ist: Um Betriebe zu halten, sei es wichtig, möglichst viele junge Leute – besonders auch Abiturienten und Studienabbrecher – in Ausbildung zu bekommen.

Dass die Aalener Löwenbrauerei ein Ausnahmebetrieb ist, demonstrierte Barth gleich mehrfach. Zum Beispiel mit dem einzigen Bierkastenautomat Deutschlands. Bereits in den Siebzigerjahren war der ein Renner, seit einigen Monaten ist er auf dem Brauereigelände wieder in Betrieb. Bis nach Irland und Spanien sei der Ruhm des Aalener Automaten mittlerweile gedrungen.

Duftes Radler und Markt der Regionen

Dem Barth sein Bier macht kein Schädelweh.

Albrecht Barth
Brauereibesitzer

Aber auch mit besonderen Produkten wie dem „Aalener duften Radler“, für dessen besonderes Aroma morgens um 5 Uhr in Oberkochen Duft-Pelargonien geerntet werden, oder Aktionen wie dem Tag der Regionen, der dieses Jahr am 3. Oktober im und um den Brauereihof stattfindet, macht das Unternehmen von sich reden.

Beim Gang durch Sudhaus und Gärkeller erfuhren die Besucher, dass Biere der Löwenbrauerei mindestens sechs bis sieben Wochen lang bei kalten Temperaturen gären dürfen: „Dem Barth sein Bier macht kein Schädelweh“, so der Braumeister und Betriebschef über die Segnungen des langen Lagerns. Er präsentierte die Flaschenabfüllanlage, die auch andere Brauereien mitbenutzen. Für zwei Biermarken übernimmt Barth die Produktion nach deren Rezeptur.

In ganz Deutschland geht der Bierabsatz zurück – das macht auch den Aalenern zu schaffen. Barth berichtete von der großen Herausforderung, bei einem Umsatz von 650.000 Euro Investitionen zu stemmen und ehemalige Gesellschafter auszuzahlen. Neben Albrecht Barth arbeiten im Betrieb ein weiterer Braumeister, ein Fahrer, ein Lagerist, zwei Helfer und ein Auszubildender. Barths Frau Hermine ist für das Büro verantwortlich, die vier Kinder packen mit an: Eigenleistung und Familienzusammenhalt sind unerlässlich.

Bei der Vermarktung setzt der Aalener Betrieb weniger auf die Gastronomie – dies sei für einen kleinen Brauerei zu aufwendig und risikoreich, findet Barth – sondern vor allem auf die Belieferung von Festen, den Direktverkauf in der Brauerei und die Partnerschaft mit Edeka- und Rewe-Einzelhändlern.

© Wirtschaft Regional 27.09.2019 16:51
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