Wie Trumps Handelspolitik wirkt

Forum Der erste „Wirtschaftsgipfel“ im Remstal gewährt unter anderem interessante Einblicke in das System Trump und zeichnet den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht nach.
  • Dr. Christian Rusche vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Foto: tom

Schwäbisch Gmünd

China, Trump, Design, Nachhaltigkeit – das sind nur vier der vielen Themen, mit denen sich der erste Wirtschaftsgipfel im Remstal im Schwäbisch Gmünder Stadtgarten CCS beschäftigte. Dorthin hatten die Veranstalter, die Stuttgarter Ruess-Gruppe, die Gmünder Designschmiede Ottenwälder und Ottenwälder sowie das Hotel am Remspark und die Gmünder Wirtschaftsförderung, eingeladen.

„Wir leben in bewegten Zeiten“, machte Gmünds OB Richard Arnold in seiner Begrüßung deutlich. Das Tempo der Veränderungen sei rasant, Demografie, Digitalisierung und auch die Dramatisierung der politischen Debatten prägten das Bild. „Wir müssen die Bevölkerung bei Veränderungen mitnehmen und für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen“, mahnte Arnold Politik, Institutionen und Wirtschaft. Angst führe zu einer Eindimensionalität des Denkens und zu einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit. „Wir müssen offen, flexibel und diskussionsfähig bleiben.“ Die Regel sei inzwischen jedoch das Regieren in 160 Zeichen, wie Arnold mit Verweis auf Donald Trumps Aktivitäten beim Kurznachrichtendienst Twitter kritisiert.

Genau jener Donald Trump stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Christian Bluth von der Bertelsmann Stiftung. Der Wissenschaftler setzt sich seit einiger Zeit mit dessen Handelspolitik auseinander, die die Welt (und Börsen) vor allem aufgrund des Handelsstreits mit China in Atem hält. Dabei überraschte Bluth mit einigen Erkenntnissen. Nicht Handelsminister Wilbur Ross ziehe trotz vieler öffentlicher und meist polarisierender Auftritte die Fäden, sondern Trump und sein Handelsbeauftragter Robert Lighthizer. „Den Handel verwendet Trump als politisches Thema, mit dem er Schichten anspricht, die früher schwer zu mobilisieren waren.“

Dabei unterscheide sich die konkrete US-Politik von der symbolhaften Trumps. Der Ausstieg aus dem Freihandelsabkommen TTP vollzog er zwar, doch die großspurig angekündigten Anpassungen der Vereinbarungen Korus und Nafta fielen „kosmetisch“ aus, so Bluth. „Es hat sich nicht viel geändert. Aber Trump will sich als Dealmaker präsentieren.“ Ein Deal mit China wäre ebenfalls möglich, für jeden Streitpunkt liege eine Lösung auf dem Tisch. „Aber China ist ein idealer Sündenbock. Die Frage ist: Will Trump überhaupt einen Deal?“ Viel hänge von der US-Wahl im kommenden Jahr statt. „Will er sich als Dealmaker präsentieren oder China als den Satan darstellen?“

Die Frage ist: Will Trump überhaupt einen Deal mit China?

Dr. Christian Bluth
Bertelsmann-Stiftung

Bluth erklärte, warum die EU bislang glimpflich davon gekommen sei. Seit dem Treffen Trumps mit dem damaligen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker 2017 herrsche „Waffenstillstand“. Seither wird um Kompromisse gerungen. „Die Kommission verhandelt langsam – sie spekuliert wohl, dass Trumpf nicht wiedergewählt wird.“ Ob sich an der US-Handelspolitik unter einem demokratischen Präsidenten viel ändern wird, hängt vom Kandidaten ab. „Bernie Sanders würde keine wesentlich andere Handelspolitik bestreiten als Trump“, sagt Bluth.

Nicht nur für die USA ist China ein wichtiger Rivale (und Partner zugleich). Dr. Christian Rusche vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln unterfütterte mit Zahlen die wachsende Bedeutung Chinas für die globale Wirtschaft. Bereits im Jahr 2017 habe China 15 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Seit 1960 hat sich das Handelsvolumen des Reichs der Mitte um das 18-fache, die Produktion um das 7-fache vermehrt. „Vom Armenhaus der Welt 1948 hat sich China zur Handelsnation Nummer Eins entwickelt“, so Rusche. Fast alle Nationen importieren mehr Waren von China als sie Waren dorthin exportieren. Eine Ausnahme stellt Baden-Württemberg dar. Der Handelsüberschuss des Ländles betrug 2018 rund 2,4 Milliarden Euro.

„China will nicht mehr nur Werkbank der Welt sein, sondern in der Wertschöpfungskette nach oben steigen.“ Die Wirtschaft werde unter dem Motto „China 2025“ von oben (von der Politik) nach unten modernisiert. Vor diesem Hintergrund steigen die Direktinvestitionen im Ausland. China gehöre nach der Schweiz und den USA zu den größten Investoren in Baden-Württemberg. Ein Projekt, das den Aufstieg unterstützen soll, ist die neue Seidenstraße, in die China das durch die Handelspolitik gewonnene Geld investiere.

Doch der erste Remstalgipfel beschäftigte sich nicht nur mit der Globalisierung, Petra Kurz-Ottenwälder führte die Vorteile eines ansprechenden Designs von Produkten vor – und erklärte wie dieses dafür sorgen kann, dass das eine Modell einer Zahnbürste nach zwei Jahren vom Markt verschwindet – und das andere seit 20 Jahren erfolgreich verkauft wird. Dr. Aldo Ammendola erläuterte, warum Internationalisierung und Nachhaltigkeit zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für die Weleda sind. An die Vorträge schloss sich eine interessante Gesprächsrunde mit den Referenten an.

© Wirtschaft Regional 27.09.2019 16:41
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