Eberle hinterfragt Standort Gmünd

Bahn-Ticket-Kosten Wieso 15 Mitarbeiter der Werbeagentur Eberle nicht umweltfreundlich zwischen Stuttgart und Gmünd pendeln und weshalb der Agentur-Chef über den Ostalbkreis verärgert ist.
  • Diesen Mitarbeitern der Werbeagentur Eberle ist das Bahn-Ticket Stuttgart - Gmünd zu teuer. Sie fahren deshalb mit dem Auto. Foto: jps

Schwäbisch Gmünd

An diesem Freitag stellt die Bundesregierung in Berlin ihr Klimaschutzprogramm 2030 vor. Dass die Reduzierung von Treibhausgasen, besonders von Kohlendioxiden (CO-2) und Methan, eine zentrale Voraussetzung für nachhaltigen Umweltschutz ist, ist unbestritten. Die Diskussionen über die Umsetzung und deren Kosten werden politisch kontrovers geführt. Auch auf lokaler Ebene. „Sind wir im Ostalbkreis noch richtig aufgehoben?“, fragt zum Beispiel provokativ Bernd Eberle. Der Inhaber der gleichnamigen Werbeagentur spricht ein Problem an, das nicht nur seinen Mitarbeitern, sondern auch vielen Studierenden und Beschäftigten anderer Gmünder Unternehmen auf den Nägeln brennt: Die „zu hohen“ Bahnkosten für Pendler aus dem Stuttgarter Raum nach Gmünd.

Die können mit der Monatskarte des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) zu 167 Euro mit dem Zug nur bis oder ab Lorch, der Bahnstation für das zum Rems-Murr-Kreis gehörende Alfdorf, fahren. Weil der Ostalbkreis einen eigenen ÖPNV-Tarifvertrag hat, fallen für die Fahrt zwischen Lorch und Gmünd nochmals 76,50 Euro für das Ostalb-Ticket an. Das deckt die Strecke von Lorch bis Ellwangen und Nördlingen ab, aber nicht bis Stuttgart. Macht in Summe 243,50 Euro. Auch das ein DB-Ticket zu 236,40 Euro sei keine Alternative, meint Eberle und klagt: „Obwohl unsere Mitarbeiter gerne klimafreundlich mit der Bahn fahren würden, sind ihnen diese Ticketkosten einfach zu hoch, deshalb fahren sie mit dem Auto“. Von den 60 Eberle-Mitarbeitern kommen 14 aus Stuttgart. „Wir sind wie andere Unternehmen auf gute Mitarbeiter angewiesen. Und junge Menschen, besonders in kreativen Berufen, leben eben gerne in Großstädten wie Stuttgart“.

Das Landratsamt hat nur Aalen im Blick.

Bernd Eberle, Agentur-Inhaber

Der Agentur-Inhaber schließt Konsequenzen nicht aus: „Wir sind existenziell darauf angewiesen, gute Leute zu bekommen. Deshalb werden wir in Gmünd nur bleiben können, wenn junge Menschen attraktive Pendler-Bedingungen haben, auch weil sie immer weniger mit dem Auto fahren wollen“. Ein Preis von 180 bis 190 Euro wäre annehmbar.

Bernd Eberle glaubt, dass man im Landratsamt die Interessen „nur aus dem Blickwinkel Aalens sieht“. Der Landkreis sperre sich dagegen, Schwäbisch Gmünd in das VVS-System einzubeziehen. Gmünds Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse weiß um die Problematik - und setzt sich für Lösungen ein: „Ich werde noch in diesem Jahr Gespräche mit den Stuttgartern aufnehmen, um eine Ausweitung des VVS-Tarifs auf Gmünd zu erreichen, und ich bin zuversichtlich“. Susanne Dietterle, die Pressesprecherin des Ostalbkreises, erklärt: „Momentan können nur Einzeltickets im BW-Tarif erworben werden. Inhaber von Zeitkarten können dies Verbundgrenzen überschreitend erst ab dem Jahr 2020. Bis dahin müssen Zeitkartennutzer eine Fahrkarte nach Lorch und eine weitere ab Lorch nach Gmünd erwerben“.

© Wirtschaft Regional 19.09.2019 19:57
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