Hartmann wird in Frankreich fündig

Bilanz Alle Konzernsegmente wachsen, vor allem die Tochter Kneipp und das Wundmanagement legen zu. Das Unternehmen kauft derweil erneut zu. Das Auslandsgeschäft wird immer wichtiger.

Heidenheim.

Der Hartmann-Konzern hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 3,7 Prozent auf 1,075 Milliarden Euro gesteigert. Wie das Unternehmen mitteilt, haben alle Segmente dabei ein Umsatzplus erreicht. Unterdessen kündigten die Heidenheimer die Übernahme von Safran Coating an, einem laut Hartmann führenden und innovativsten europäischen Anbieter von Silikontechnologien im Gesundheitswesen. Diese seien wiederum eine der wichtigsten Wachstumstreiber der modernen Wundversorgung. Zum Kaufpreis macht Hartmann keine Angaben. Ebenso teilte das Unternehmen nicht mit, wie hoch der von Safran Coating erwirtschaftete Umsatz ist.

Das Heidenheimer Traditionsunternehmen hat sich im ersten Halbjahr gut entwickelt: Besonders dynamisch zeigte sich das Segment Wundmanagement. Hier habe man „mit innovativen Wundbehandlungskonzepten ein Wachstum deutlich über dem Konzerndurchschnitt“ erzielt, so Hartmann. Das Wundmanagement verzeichnete ein Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 242,3 Millionen Euro. Im Segment Inkontinenzmanagement legte der Umsatz auf 349,4 Millionen Euro zu, was einer Veränderung von plus 0,9 Prozent entspricht. Das Segment Infektionsmanagement steigerte den Umsatz um 2,5 Prozent auf 258,9 Millionen Euro.

Ein zusätzlicher Wachstumstreiber war die gute Entwicklung des einstigen Sorgenkinds Kneipp. Allerdings weist Hartmann für die Tochterfirma keine Umsatz- oder Ergebniszahlen aus. Sie dürften im Bereich „Weitere Konzernaktivitäten“ verbucht werden. Der Umsatz dieses Segments erhöhte sich um 7,3 Prozent auf insgesamt 224,4 Millionen Euro.

Trotz des Umsatzwachstums ist der Gewinn gesunken. Das operative Ergebnis ging mit 53,4 Millionen Euro zurück (Vorjahr 61,1). Diese Entwicklung ist laut Hartmann „insbesondere auf die erwartungsgemäße Verteuerung wichtiger Rohstoffe sowie die Wechselkursentwicklung zurückzuführen“. Vor allem die Preise für Zellulose waren zuletzt stark gestiegen. Hinzu kamen Investitionen für Vertrieb und Verwaltung. Das Konzernergebnis verringerte sich mit 35,9 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreswert (41,0) Dennoch ist die Hartmann-Chefin mit dem Ergebnis des ersten Halbjahres zufrieden.

Wir sind gut ins Geschäftsjahr gestartet.

Britta Fünfstück
Hartmann-Chefin

„Mit einem Umsatzwachstum von 3,7 Prozent sind wir insgesamt gut in das Geschäftsjahr 2019 gestartet. Für das zweite Halbjahr sind die Weichen bereits gestellt“, kommentiert CEO Britta Fünfstück. Für das Gesamtjahr erwartet sie ein „moderates“ Umsatzwachstum sowie ein operatives Ergebnis zwischen 102 und 112 Millionen Euro. „Durch gezielte Innovationen und digitale Geschäftsmodelle verfolgt Hartmann die Zielsetzung, sich noch stärker am direkten Kundenmehrwert auszurichten und seine Wettbewerbsfähigkeit weiter fortzuentwickeln“, so Fünfstück weiter. Ein gutes Beispiel hierfür sei die im Juli getätigte Akquisition von Safran Coating. „Mit ihr beabsichtigen wir zukünftig ein noch umfangreicheres und innovativeres Portfolio anbieten zu können“, erklärt die Vorstandschefin.

Safran Coating soll in den Unternehmensbereich Wundmanagement integriert werden. „Die Aufnahme von Safran Coating in die Hartmann-Familie ist ein wichtiger Meilenstein in unserer 200-jährigen Wundgeschichte“, ist sich Fünfstück sicher. Unter dem Dach von Hartmann werde die Forschungs- und Entwicklungskompetenz beider Unternehmen die Leistungsfähigkeit von Wundversorgungsprodukten weiter steigern, Schmerzen weiter minimieren und die Heilung für Millionen von Patienten mit chronischen Wunden auf der ganzen Welt beschleunigen, so die Chefin weiter.

Das Unternehmen mit Sitz in Pusignan, Frankreich, beliefert Hersteller von Wundprodukten weltweit und gehörte zuvor zu Safran, einem internationalen High-Tech-Konzern, der in den Bereichen Flugzeugantrieb und -ausrüstung, Raumfahrt und Verteidigung tätig ist. Safran ist mit mehr als 92.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 21 Milliarden Euro im Jahr 2018 weltweit präsent. Wie viele Mitarbeiter davon die Heidenheimer übernehmen, teilte Hartmann nicht mit.

Eminent wichtig für die Wachstumsstrategie Hartmanns bleibt das Ausland. Der Auslandsanteil am Konzernumsatz erhöhte sich von 67,4 im Vorjahr auf 67,9 Prozent. Im europäischen Ausland lag das Plus bei 4,5 Prozent, unter anderem getrieben durch ein zweistelliges Wachstum in Nordeuropa. In der Absatzregion Afrika, Asien und Ozeanien erzielte die Gruppe ein Wachstum oberhalb des Konzerndurchschnitts. Deutschland wiederum blieb mit einem Wachstum von 2,2 Prozent hinter der Dynamik der Auslandsmärkte zurück. Hartmann begründet dies mit dem anhaltenden Preisdruck im Krankenhausgeschäft sowie niedrigeren Umsätzen aufgrund eines Bestandsabbaus beim Pharmagroßhandel.

© Wirtschaft Regional 09.08.2019 16:58
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