Von Wesa und PTS sehr beeindruckt

Unternehmensbesuche Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut verspricht bei ihrer Stipvisite in Waldstetten, „den Mittelstand zu fördern und im Transformationsprozess zu unterstützen“.
  • Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (3. v.r.) in Waldstetten (v.l.): Hajo Miller, Dr. Stefan Scheffold, Johannes Weber, Beate Kottmann, die Ministerin, Maren Zengerle, Michael Rembold. Foto: Tom
  • Walter Schwelberger und die Wirtschaftsministerin. Foto: wh

Waldstetten

Michael Rembold macht in der Regel nichts falsch und nichts unbedacht. Als Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut am Donnerstagnachmittag von Balingen kommend in Waldstetten aus ihrem Dienstwagen steigt, begrüßt der Bürgermeister die Wirtschaftsministerin im „schwäbischen Allgäu“ charmant lächelnd mit einem kleinen Blumengebinde – farblich genau passend zu ihrem schicken Hosenanzug. Natürlich trägt sich Nicole Hoffmeister-Kraut dann gerne ins „Goldene Buch“ der 7300-Seelen-Gemeinde ein, die seit 2014 fast 25 Millionen Euro in Bildung und Infrastruktur investiert hat, 1760 Arbeitsplätze bietet und fast schuldenfrei ist.

Die Wirtschaftsministerin ist aber nicht wegen der schönen Landschaft nach Waldstetten gekommen. Die Begleitung und Unterstützung der mittelständischen Unternehmen im anstehenden Transformationsprozess in der Autoindustrie weg vom Verbrennungsmotor zu emissionsschwächeren Antriebsalternativen ist Nicole Hoffmeister-Kraut ein großes Anliegen: „Wir entwickeln mit unserer Werkstatt der Zukunft gemeinsam mit den großen Automobilherstellern, den Tier-1-Zulieferern und den Mittelständlern Strategien, um die Zukunft der Automobilindustrie erfolgreich zu gestalten, unabhängig vom aktuell stark rückläufigen Auftragseingang aus China, der die Branche belastet“.

Deshalb nimmt die 46-jährige CDU-Politikerin, Mutter von drei Töchtern und Gesellschafterin der Bizerba SE, sich viel Zeit für Kontakte zum Mittelstand. In Waldstetten besuchte sie die Wesa GmbH, den Hersteller und Lieferanten von einbaufertigen Komponenten und Baugruppen hauptsächlich für Automobilpremiummarken, und die PTS Prüftechnik GmbH, den Partner für Dienstleistungen in der Fahrzeugentwicklung, der in den Feldern Simulation, Testing, Engineering und Data Science tätig ist.

Bei Wesa präsentierte Johannes Weber, der vor wenigen Tagen für seinen kürzlich unerwartet verstorbenen Vater Wolfgang Weber zum Geschäftsführer ernannt wurde, mit seinem Bruder Benjamin und seiner Mutter Josefine Weber das Familienunternehmen und führte die Ministerin durch die modernen Produktionsräume. Bei PTS übernahm Geschäftsführer Dr. Walter Schwelberger mit seinen leitenden Mitarbeitern diese Rolle. „Ich habe zwei gut aufgestellte, kreative, höchst innovative und investitionsstarke Unternehmen kennengelernt. Solche Firmen brauchen wir in unserem Land, wir wollen die Struktur unseres Mittelstandes erhalten und stärken“, sagte die Ministerin begeistert. Dazu sei aber „dringend eine Unternehmenssteuerreform notwendig“. Insbesondere Forschungsausgaben müssten steuerlich absetzbar sein - „sonst haben unsere Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil“. Einsetzen will sich Hoffmeister-Kraut auch für einen wieder mehr sachlichen und partnerschaftlichen Umgang zwischen den OEMs, den Tier-1-Zulieferern und den KMUs. Da seien die Sitten teilweise sehr zerfallen, hatte Johannes Weber geklagt. Mit Walter Schwelberger diskutierte die Ministerin über Alternativen zum Verbrennungsmotor und zu CO2-Emissionen. Ihre Forderung: „Wir müssen eine ehrliche Debatte führen. Relevant ist nämlich der CO2-Verbrauch in der gesamten Kette von der Energiequelle bis ans Rad und nicht danach.“

Wesa wurde 1984 gegründet und erwirtschaftete 2018 mit 45 Mitarbeitern einen Umsatz von 7,3 Millionen Euro, Tendenz steigend. Wesa ist „A-Lieferant“ von Bosch, besitzt alle Spitzenzertifikate und plant eine umfassende Kapazitätserweiterung in Waldstetten.

PTS Prüftechnik, 1992 gegründet, beschäftigt am Stammsitz Waldstetten, in Schwäbisch Gmünd, Ingolstadt, Remshalden, Fellbach und Wolfsburg rund 220 Mitarbeiter, die 2018 einen Umsatz von 24 Millionen Euro erzielten.

© Wirtschaft Regional 01.08.2019 20:52
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