„Die WiRO wird ihren Beitrag leisten“

Interview Die neue WiRO-Chefin Nadine Kaiser über die ersten 100 Tage im Amt, die Zukunft der Wirtschaftsförderung und die Rolle der Organisation in der Region.
  • Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der WiRO Foto: Hostrup-Fotografie

Schwäbisch Gmünd

Sie ist die Nachfolgerin von Dr. Ursula Bilger als Geschäftsführerin der regionalen Wirtschaftsförderung Ostwürttemberg. Wir trafen Nadine Kaiser zum Interview.

Frau Kaiser, Sie sind nun etwas mehr als 100 Tage im Amt. Wie ist Ihr Eindruck von der Region Ostwürttemberg?

Nadine Kaiser:Ich durfte in dieser Zeit schon viele Ansprechpartner und Unternehmer kennenlernen. Mein erster Eindruck: Die Region verfügt über einen agilen und selbstbewussten, produzierenden Mittelstand mit großartigen Unternehmen, die einerseits traditionell arbeiten und sich gleichzeitig für die Zukunft rüsten. Mir gefallen die schönen Städte und florierenden Gewerbegebiete sehr gut – habe aber noch lange nicht jeden Winkel der Region erkundet. Darauf freue ich mich jedoch sehr.

Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Monate und Jahre gesetzt?

Die WiRO-Geschäftsstelle ist mit einem kleinen, erfahrenen Team schlagkräftig aufgestellt. Ich möchte bewährte und erfolgreiche Formate fortsetzen, aber auch das ein oder andere neue Projekt anstoßen. Wir erfahren viel Unterstützung, aber unsere finanziellen Ressourcen sind nicht unendlich, wir werden deshalb in jedem Fall sehr gut haushalten und priorisieren. Ich möchte mich auf die Themen konzentrieren, die unsere Zielgruppe – die Unternehmen – bestmöglich unterstützen.

Welche konkreten Projekte wollen Sie mit Ihrem Team in diesem und im kommenden Jahr vorantreiben?

Im Bereich Standort- und Fachkräftemarketing haben wir viele Ideen, um jungen potenziellen Fachkräften die Karrierechancen hier in der Region aufzuzeigen und sie für unsere Unternehmen zu begeistern. Wir werden werben für attraktive Arbeitsplätze, bei denen man aktiv mitgestalten und sich weiterentwickeln kann. Und auch beim Thema Lebensqualität kann die Region punkten – gerade bei bezahlbarem Wohnraum und guter Luft. Standortmarketing ist mein Herzensthema Nummer eins, das ich in der kommenden Zeit verstärken möchte.

Welche Rolle spielt dabei der jüngst vergebene Innovationspreis?

Standortmarketing ist Herzensthema für mich.

Nadine Kaiser

Er ist ein gutes Beispiel, bei dem wir die innovativen Unternehmen als Arbeitgebermarken vorstellen und deren Leistungen würdigen. Diese Erfolgsgeschichten müssen wir noch mehr herausarbeiten und weitertragen – hier wollen wir zunehmend auf digitale Kommunikationskanäle setzen: Instagram, Facebook, vielleicht auch Snapchat – das sind die Medien, die die junge Generation aktuell nutzt. Entsprechend müssen wir diese Erfolgsstories dort angemessen erzählen.

Die Entwicklung von Branchenclustern ist eines der Steckenpferde der WiRO. Wie sehen Sie die Bedeutung von regionalen Clustern in Zeiten der globalen, digitalen Wirtschaft?

Regionale Branchenaktivitäten sind notwendig, um die Akteure zu vernetzen und ihnen eine gemeinsame Plattform für den fachlichen Austausch zu bieten. Die persönliche Ebene ist wichtig und wird wichtig bleiben. Aber: Zukunftsthemen werden immer mehr branchenübergreifend bearbeitet. Digitalisierung und Echtzeit-Vernetzung sind Voraussetzungen für Künstliche Intelligenz, Elektromobilität oder Industrie 4.0 – die Antworten auf diese Fragen wird nicht nur eine Branche allein geben können. Experten aus den verschiedensten Bereichen werden zusammenkommen und gemeinsame Lösungen und Anwendungen diskutieren. Nicht nur für die Cluster, sondern auch die übergreifenden Themen und Arbeitsgemeinschaften von Experten kann die WiRO eine Plattform bieten.

Die Wirtschaftsströme und Vernetzungen werden immer internationaler und globaler. Welche Rollen können da regionale Wirtschaftsfördergesellschaften spielen?

Wir können vor allem sensibilisieren und aufwecken. Eine gemeinsame strategische Ausrichtung aller Akteure ist extrem wichtig. Denn die Wirtschaftswelt befindet sich in einer herausfordernden Zeit. Deutschland ist bei der Entwicklung der Zukunftsthemen nicht gerade vorgeprescht, China und die USA haben uns bei einigen Megatrends den Rang abgelaufen, etwa in den Bereichen Big Data und Elektromobilität. Wir müssen und werden reagieren. Denn: Die Transformation und die veränderte Arbeitswelt bieten auch Chancen. Neue Firmen werden entstehen, bestehende sich verändern. Ich sehe Ostwürttemberg gut aufgestellt. Die WiRO kann als Sprachrohr in mehrere Richtungen für Zukunftsthemen sensibilisieren und gesamtregionale Initiativen anstoßen und moderieren.

Vor allem die Autoindustrie, die in der Region traditionell eine große Rolle spielt, steckt mitten im Umbruch...

Im Zuge der Transformation in der Automobilbranche braucht es kreative gemeinsame Ansätze, um zum Beispiel erfahrenes Personal auf die Berufsbilder von morgen vorzubereiten oder in anderen Industriebereichen einsetzen zu können. Hier wird gerade die gute Zusammenarbeit mit unseren Ausbildungseinrichtungen von Vorteil sein. Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen haben große Priorität, um frei werdende Experten an uns zu binden. Die WiRO wird hier ihren Beitrag leisten, indem sie Wege und Möglichkeiten aufzeigt.

© Wirtschaft Regional 26.07.2019 19:51
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