Kommentar Helmut Schneider zum Tarifsystem in der Metallindustrie

Nicht überdehnen

  • Helmut Schneider Foto: Marc Hörger
Die IG Metall hat vergangenes Jahr erstmals so genannte Tagesstreiks organisiert, die den Unternehmen drei Millionen Arbeitsstunden vorenthalten haben. Das hat der vollausgelasteten Metall- und Elektroindustrie richtig weh getan.

Nachvollziehbar ist, dass deren Präsident Rainer Dulger jetzt mit einer Waffe droht, mit der die Arbeitgeber auch schon in der Vergangenheit immer wieder gedroht haben: Ausstieg aus dem sogenannten Flächentarifvertrag. Dies würde bedeuten, dass Tarifverträge für jedes Unternehmen gesondert geführt würden. Es wäre nichts weniger als das Ende des bewährten deutschen Tarifsystems.

Daran hat natürlich auch der Gesamtmetallchef kein Interesse. Denn der tarifliche Häuserkampf wäre auch für die Unternehmen keine vergnügliche Sache. In Zeiten voller Auslastung könnte er zur mittleren betrieblichen Katastrophe werden.

Andererseits waren die Tagesstreiks der IG Metall die vorletzte Eskalationsstufe. Damit sollte die IG Metall sparsam umgehen, wenn sie sich einen ebenbürtigen Tarifpartner und den von ihr ebenso geschätzten Flächentarif erhalten möchte.

Seit Jahren boomt die Metallindustrie. Das hat vielen Mitarbeitern gute Löhne und ihre Gewerkschaft in eine komfortable Position bei Tarifverhandlungen gebracht. Diesen Machtzuwachs sollte die IG Metall nicht überdehnen – im eigenen Interesse.
© Südwest Presse 24.07.2019 07:45
259 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?