Zu wenig Papier für Druckereien

Viele Ausbildungsplätze sind unbesetzt. Doch die Branche ist optimistisch.
95 Unternehmen aus der Druckbranche gingen im vergangenen Jahr insolvent – 30 Prozent mehr als 2017. Das berichteten die Verbände „Druck und Medien“ aus Baden-Württemberg und Bayern auf ihrer gemeinsamen Jahrestagung in Ulm.

„Es war ein herausforderndes Jahr“, sagte Alexander Lägeler, Geschäftsführer des baden-württembergischen Verbands. Der Bundesverband schätzt, dass der Umsatz der deutschen Druck- und Medienindustrie im Jahr 2018 um 1,9 Prozent auf 20,4 Mrd. EUR gesunken ist.

Einer der Gründe: Die Papierkosten stiegen erneut stark, um bis zu 10,9 Prozent. Die Papierproduzenten stellen ihre Anlagen zunehmend auf Verpackungsmaterialien um. Sie machen dem Verband Deutscher Papierfabriken zufolge bereits über die Hälfte der Produktion aus. Bei manchen Papiersorten kommt es deshalb zu Lieferengpässen.

Optimismus überwiegt

Die Druck- und Medienbranche bekommt derweil auch den Fachkräftemangel zu spüren. Es fällt den Unternehmen immer schwerer, neue Mitarbeiter zu finden. Von den ausbildenden Unternehmen fanden 40 Prozent nicht genug Auszubildende. Viele Bewerber seien skeptisch ob der Zukunftsperspektiven, erklärt Holger Busch, Geschäftsführer des bayerischen Druck- und Medienverbands.

Deshalb betonen die Verbände, dass der Druck sehr wohl eine Zukunft habe. Etwa im Internet, wo Kunden sich selbst Fotoalben oder Flyer erstellen können. Der starke Verpackungsmarkt hat für die Druckbranche außerdem auch eine positive Seite: Im Verpackungsdruck stiegen die Umsätze im Jahr 2018 um über 3 Prozent, berichtet Lägeler. „Das ist ganz klar ein Wachstumsmotor.“

Wenn man sich in der Branche umhöre, gebe es mehr Optimisten als Pessimisten, erzählt der Verbands-Geschäftsführer. Zusätzlicher Druck kommt unterdessen aus dem Osten: Mittlerweile verkaufen nicht nur osteuropäische, sondern auch chinesische Anbieter hochwertige Bücher in Deutschland. Busch: „Die Zeiten, in denen die quick and dirty produziert haben, sind vorbei.“ Moritz Clauß
© Südwest Presse 04.07.2019 07:46
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