Die Region kämpft um junge Fachkräfte

IHK-Vollversammlung Die Mitglieder diskutieren Strategien, um gut ausgebildete Kräfte in Ostwürttemberg zu halten: „Fünf Reisebusse voller junger Menschen verlassen jährlich die Region.“
  • Sie leiteten die Vollversammlung: (v.links) IHK-Vizepräsident Dr. Matthias Metz, IHK-Präsident Markus Maier, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle und die Vizepräsidenten Ulrich Betzold und Rudi Feil. Foto: IHK

Neresheim

Wie können Unternehmen Fachkräfte gewinnen und sichern? Darüber haben die Mitglieder der IHK-Vollversammlung Ostwürttemberg bei ihrer Sitzung in Neresheim gesprochen. Gastgeber war die ADK Modulraum. Im Mittelpunkt stand zudem das regionale Digitalisierungszentrum digiZ. Die Mitglieder debattierten über die Finanzplanung der IHK und verabschiedeten einstimmig ein Positionspapier zur Gewerbeförderung.

Der Fachkräftemangel ist immer stärker spürbar. Er führt schon zu deutlichen Bruttowertschöpfungsverlusten, wie die WifOR Institute in Darmstadt herausgefunden haben. IHK-Präsident Markus Maier sagte: „In der Region sind dies 2019 bereits 0,7 Milliarden Euro. Bis 2030 werden sich ohne Gegenmaßnahmen die Bruttowertschöpfungsverluste auf 8,8 Milliarden Euro kumulieren.“

Die IHK unterstütze an vielen Stellen die Unternehmen, wenn es darum gehe, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu begeistern. Neben den IHK-Klassikern Aus- und Weiterbildung seien dies etwa das Netzwerk „Job für Zwei“ und der „International Club“. Gemeinsam mit der regionalen Wirtschaftsförderung sowie unterstützt von Unternehmen und Verwaltung ist die IHK zudem seit Jahren in der Fachkräftekampagne „Erstaunliches Ostwürttemberg“ engagiert. Koordiniert werden alle Initiativen in der „Fachkräfteallianz Ostwürttemberg“.

Markus Schmid, Leiter des IHK-Teams „Start-up und Unternehmens-Service“, stellte die Projekte zur Fachkräftesicherung vor. „Etwa fünf Reisebusse voller junger Menschen verlassen die Region pro Jahr auf Dauer“, so Schmid.

Wie also dem Sog der Großstädte entgegenwirken? Im Verbund und im Schulterschluss mit den Kommunen, so die Antwort der Vollversammlung – der Fachkräftenachwuchs müsse auch von den Bildungseinrichtungen frühzeitig hin zum Praktischen und weg von der anhaltenden Akademisierungswelle geleitet werden.

Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle berichtete über die politische Arbeit der IHK Ostwürttemberg. Ein Erfolg sei die Ernennung Ellwangens zum Schulstandort für den neuen Ausbildungsberuf Kauffrau/-mann im E-Commerce. Auch das „Kümmerer-Programm“ zur Integration von Geflüchteten in Ausbildung werde verlängert und nach Einsatz Eberles ebenso erweitert: Zukünftig soll auch die Integration von zusätzlichen Zugewanderten betreut werden. Unternehmen sollen bei der Suche nach passenden Bewerbern Feld unterstützt werden.

In der Region beträgt der Bruttowertschöpfungsverlust durch Fachkräftemangel 2019 rund 0,7 Milliarden Euro.

Markus Maier
IHK-Präsident

DigiZ läuft gut an

Die Aktivitäten des Digitalisierungszentrums DigiZ Ostwürttemberg im knappen ersten halben Jahr seit Inbetriebnahme, besonders den Cybersecurity-Kongress im Juni, stellte DigiZ-Manager Peter Schmidt vor. Im Oktober startet das strukturierte Beratungsprojekt der Marktscouts, erzählte Schmidt. Diese Beratungen sollen gemäß dem Bedarf einzelner Unternehmen digitale Produkte und Prozesse entwickeln und diese in digitale Strategien integrieren. Die offizielle Eröffnung des DigiZ mit Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ist am Donnerstag, 11. Juli, im IHK-Bildungszentrum in Aalen.

Die IHK-Vollversammlung wurde über die mittelfristige Finanzplanung bis 2022 informiert. Eingeflossen, so die IHK-Verantwortlichen, seien neben der „konjunkturellen Großwetterlage“, die aktuell für eine leicht positive Seitwärtsbewegung spreche, das ergebnisbelastende Niedrigzinsumfeld und die in den kommenden Jahren notwendigen Investitionen in das Gebäude am Hauptsitz in Heidenheim.

Einstimmig verabschiedet wurde von der Vollversammlung ein Positionspapier zur staatlichen Gewerbeförderung. Dieses soll Grundlage für Meinungsäußerungen der IHK Ostwürttemberg sowie des baden-württembergischen IHK-Tags sein. IHK-Präsident Maier sagte darüber: „Es enthält Aussagen zur Organisation der Wirtschaftsförderung im Land, die vor allem das Spannungsfeld zwischen Selbstverwaltung und Staatsverwaltung fokussieren.“ Das Positionspapier steht unter www.ostwuerttemberg.ihk.de zum kostenlosen Download bereit.

Thomas Häfele, Bürgermeister der Stadt Neresheim, präsentierte der Vollversammlung einen leistungsfähigen und attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Robert Kohler, Geschäftsführender Gesellschafter der ADK Modulraum, stellte abschließend sein Unternehmen vor. 2004 gegründet, realisiert der Modulbauexperte heute mit 300 Mitarbeitern Projekte in aller Welt. ADK sei beispielsweise im Klinikbereich marktführend, realisiere aber ebenso viele internationale Projekte. Etwa für das Auswärtige Amt: Das Neresheimer Unternehmen erstellte die Botschaftsgebäude in Kabul, Afghanistan, und arbeitet derzeit an den Modulen für die Botschaft in Islamabad, Pakistan.

© Wirtschaft Regional 03.07.2019 11:11
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