Apps für den Mittelstand

Industriedialog An der Hochschule Aalen zeigt Dr. Arnd Menschig von Carl Zeiss 3D Automation, wie kleine Unternehmen Industrie 4.0 umsetzen.
  • Beim öffentlichen Vortrag an der Hochschule Aalen standen Apps im Mittelpunkt, die kleineren Unternehmen bei der Digitalisierung helfen. Foto: Peter Hageneder

Aalen

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen die Vorteile der Industrie 4.0 nutzen, ihre Daten vernetzen und smarte Fabriken aufbauen? Die Lösung könnten einfache Apps sein, die auf allen denkbaren Endgeräten nutzbar sind und ohne Verbindung zum Internet funktionieren. Dr. Arnd Menschig, Entwicklungsleiter der Carl Zeiss 3D Automation GmbH, stellte beim Industriedialog an der Hochschule Aalen das Projekt Scale IT vor, das sich diesem Lösungsansatz widmet.

Drei Jahre, bis Ende 2018 lief Scale IT und wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert. Beteiligt waren Unternehmen aus der Industrie und der IT-Branche sowie Forschungseinrichtungen.

Menschig, der das Projekt koordiniert hat, umriss vor den Zuhörern beim Industriedialog das Ziel: eine Community aufzubauen, die daran arbeitet, im Netz verfügbare Technologien für den Mittelstand einzusetzen – also eine offene Infrastruktur für die Entwicklung und den Betrieb industrieller Apps zu schaffen. So entwickelten die Partner ein Betriebssystem speziell für Industrie-4.0-Lösungen, von dem es eine frei zugängliche Open-Source-Variante sowie eine lizenzierbare Bezahlversion gibt. Auf dessen Basis können Apps für die Industrie 4.0 genutzt und neu entwickelt werden.

„Es geht um einfache Apps, die mit einem Klick installiert sind und einfache Aufgaben erfüllen“, sagte der Referent. So können die Daten von Sensorsystemen eingeholt und abgeglichen werden, Ergebnisse von Messgeräten in Echtzeit übertragen, Prozesse in Fabriken kontrolliert, Informationen aus der Produktionsumgebung und den IT-Systemen gesammelt, Betriebszustände visualisiert oder aktuell anstehenden Aufträge für Maschinen und Arbeitsplätze priorisiert werden. Die Apps ermöglichen es beispielsweise, digitale Zwillinge von Maschinen, Produktionsumgebungen und ganzer Fabriken zu erstellen und mit ihnen zu Arbeiten. Ein „unabhängiges App-Ökosystem“ soll dabei entstehen.

Es geht um einfache Apps, die einfache Aufgaben erfüllen,

Dr. Arnd Menschig
Carl Zeiss 3D Automation GmbH

Zum Projekt Scale IT gehört auch ein eigens entwickelter App-Store für Industrie-4.0-Anwendungen. Die einzelnen Projektpartner haben entsprechende Apps programmiert und nutzen diese. Gleichzeitig ist es möglich, auf Grundlage des Betriebssystems eigene Apps zu entwickeln. Derzeit bilde sich eine offene Nachfolge-Community für das beendete Projekt Scale IT, so Menschig. Ein Ziel sei unter anderem, Vernetzung und Kommunikation einzelner Apps untereinander möglich zu machen.

Die Apps nutzen Web-Technologie, ohne dass eine Internetanbindung nötig ist. Zwar könne Datenverarbeitung auch mithilfe internetbasierter Cloud-Lösungen geschehen, wie sie etwa Microsoft oder Amazon anbieten. „Man ist dann aber auch gefangen bei diesen Unternehmen“, sagte Menschig. Kosten fallen an und die Nutzer sind auf bestimmte Betriebssysteme festgelegt. Scale IT habe sich daher auf lokalen Produktionsnetzwerke konzentriert: Die Software läuft zwar mit offenen Webtechnologien, aber auf lokalen Servern.

Außer der Scale-IT-Nachfolge-Community sei das Projekt Scale X geplant, so Menschig. In diesem sollen auf Grundlage von Scale IT industrielle Apps entwickelt werden. Ein entsprechender Förderantrag beim Land Baden-Württemberg sei eingereicht. Projektpartner sind hier unter anderem das Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg der IHK (DigiZ), die Hochschule Aalen und das Kooperationsnetzwerk Microtec Südwest.

© Wirtschaft Regional 27.06.2019 06:43
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