Spargelbauern atmen nach dem „Desasterjahr“ auf

Die Ernte war passabel, die Preise sind wieder höher. Helfer aus Polen und Rumänien fehlen.
  • Spargel ist dieses Jahr teurer als im Vorjahr. Foto: Peter Endig/dpa
Es war nicht so heiß, es war nicht so trocken und es eilte nicht so beim Stechen auf den Feldern: Die zu Ende gehende Saison hat die Spargelbauern im Südwesten zwar nicht überzeugt, doch atmen die meisten nach der schlechten Bilanz des vergangenen Jahres auf. „Es jubelt niemand, aber jeder ist froh“, sagt der Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), Hans Lehar.

Die Genossenschaft rechnet derzeit mit einer Erntemenge rund 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. „Da das Preisniveau aber angezogen hat, dürften die Zahlen am Ende besser ausfallen“, sagt Lehar. Er rechnet mit durchschnittlichen Kilo-Erlösen über dem Vorjahr.

Pessimistischer ist da der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE/Bruchsal), der überregional die Interessen von 611 Mitgliedern vertritt: „Wir gehen von deutlich mehr als nur einem Zehntel Absatzrückgang aus“, sagt Vorstandssprecher Simon Schumacher. Er rechnet mit einem Rückgang von 15 bis 20 Prozent.

Im vergangenen Jahr hatten das frühe Sommerwetter, anhaltend hohe Temperaturen und das riesige Angebot innerhalb eines kurzen Zeitraums die Spargelbauern im Südwesten an ihre Grenzen gebracht. Schumacher erinnert sich an die „Schockstarre“ im vergangenen „Desasterjahr“. „2018 hat uns an die Wand gedrückt“, sagt er. Auch in diesem Jahr sei die Nachfrage in den vergleichsweise regnerischen Monaten April und Mai gering gewesen. „Erst bei Temperaturen über 15 Grad kommen die Leute auf die Idee, Spargel zu essen.“

Die Preise haben angezogen, nachdem sie im vergangenen Jahr wegen der Hitze, der Überproduktion und des daraus folgenden Preiskampfes bei den Discountern weit unter Durchschnitt gelegen hatten. „Bundesweit kostete ein Kilo weißer Spargel zwischen April und heute 7,18 Euro“, sagt Schumacher – im vergangenen Jahr zahlte der Spargelfreund 6,31 Euro.

Probleme bereiten weiter der Mangel an Erntehelfern, der Mindestlohn und die zu erwartende kleiner werdende Anbaufläche. „Das Thema Arbeitskräfte begleitet uns bestimmt auch in den kommenden Jahren sehr stark“, sagt OGA-Geschäftsführer Lehar. „Es wird eine der größten Herausforderungen werden, wie wir unsere Ente eingebracht kriegen.“

Agrarminister Peter Hauk (CDU) betonte, der Arbeitsmarkt für Saisonkräfte müsse sich Ländern außerhalb der EU öffnen, um die sinkende Zahl von Saisonkräften aus Polen und Rumänien auszugleichen. Bundesweit werden in den nächsten sechs Jahren zusätzlich 150 000 Helfer aus Drittstaaten benötigt. dpa
© Südwest Presse 15.06.2019 07:46
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