Weleda forciert Internationalisierung

Bilanz Die Weleda AG hat im Jahr 2018 gute Zahlen erzielt. Gleichwohl wollen die Schweizer international stärker werden. Die kränkelnde Arzneimittelsparte steht derweil vor großen Veränderungen.
  • Calendula-Ernte im Erlebnisgarten von Weleda in Wetzgau. Foto: Barbara von Wöllwarth/Weleda

Schwäbisch Gmünd

Die Planungen für den Neubau im Gmünder Gewerbegebiet Gügling laufen. Dort will die Weleda für 100 Millionen Euro zunächst ein neues Logistikzentrum bauen. Danach sind bis Mitte der 2020er-Jahre weitere Millionen für die Verlagerung des Standorts auf den Gügling vorgesehen. Dass der noch vor wenigen Jahren sanierungsbedürftige Hersteller von Naturkosmetik und Arzneimittel überhaupt eine Investition dieser Größenordnung stemmen kann, ist die Folge einer Unternehmenspolitik, die im vergangenen Jahr Wachstum und einen stattlichen Gewinn einbrachten. Allerdings stehen bei Weleda Veränderungen ins Haus.

„Wir sind raus aus der Sanierung. Der Blick geht nach vorn“, erklärte Verwaltungsratspräsident Paul Mackay bei der Vorlage der Bilanzzahlen. „Wir wollen die Weleda nachhaltig, langfristig und zukunftsfähig aufstellen.“ Dazu gehört eine forcierte Internationalisierung, die bereits vor einigen Jahren eingeleitet worden war. Vor allem in Nord- und Südamerika will Weleda das Wachstumstempo erhöhen. Auch den asiatischen Markt haben die Schweizer, deren größter Standort in Schwäbisch Gmünd ist, fest im Blick.

Zugleich will Mackay mit der Geschäftsführung eine neue Leitungskultur etablieren. „Wir müssen uns von einem Unternehmen, das sich lange auf seine Kernmärkte Deutschland, Schweiz und Österreich konzentriert hat, zu einem international denkenden Mittelständler entwickeln“, erklärt Mackay. Bei der noch immer kränkelnden Arzneimittelsparte, stellt Mackay das bisherige Geschäftsmodell in Frage. „Die Frage wird sein, wie wir den Bereich nachhaltig tragfähig aufstellen.“

Während die Naturkosmetiksparte ein Plus von 5,2 Prozent auf 307,6 Millionen Euro erzielte, sanken die Erlöse durch Arzneimittel um 3,6 Prozent auf 104,7 Millionen Euro. Zum operativen Gewinn von 14,3 Millionen Euro dürfte die Sparte nichts beigetragen haben. Zwar kommunizieren die Schweizer keine Zahlen zu Gewinn oder Verlust der einzelnen Bereiche. Es gilt aber als offenes Geheimnis, dass Weleda im Geschäftsfeld Arzneimittel seit Jahren tiefrote Zahlen schreibt. Das Unternehmen hat bereits reagiert und das Sortiment um 25 Prozent reduziert.

Statt 1000 Arzneimitteln bietet man in den Kernmärkten Deutschland und der Schweiz nur noch 750 an. „Gestrichen wurden unrentable Produkte oder jene mit geringen Absatzzahlen oder einer geringen medizinischen Relevanz“, sagt Geschäftsführer Dr. Aldo Ammendola, bei Weleda für Forschung und Entwicklung zuständig. Trotz der Schwierigkeiten will man in Arlesheim und Gmünd an der Sparte festhalten. „Wir sind einer der zwei großen Hersteller und damit systemrelevant.“

Der Blick geht nach vorn.

Paul Mackay
Verwaltungsratspräsident Weleda

In der rentablen und wachsenden Naturkosmetiksparte erhöht Ammendola den Takt. „Wir haben das Innovationstempo erhöht.“ Erfolgreiche Produkte werden weiterentwickelt, ein Design-Thinking-Team entwickelt neue Kosmetika und erschließt neue Zielgruppen, dank „Rapid Prototyping“ sollen Modellprodukte innerhalb kürzester Zeit realisiert werden. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Ammendola. Das ist notwendig, denn die Zahl der Wettbewerber steigt von Jahr zu Jahr.

Wachstum in den USA

Zwar ist Deutschland mit einem Umsatz von 173,1 Millionen Euro (+0,7 Prozent) der wichtigste Markt für Weleda. Aber: „Wesentlicher Wachstumstreiber ist für uns die Internationalisierung“, sagt Andreas Sommer, als Geschäftsführer für die Marktentwicklung verantwortlich. Vor allem in den USA hat sich Weleda gut entwickelt. „Unsere Strategiewechsel samt Investitionen vor Ort haben sich ausgezahlt.“ In den USA wuchs der Umsatz um ein sattes Drittel auf mehr als 17 Millionen Euro. Auch in Russland war Weleda erfolgreich, dort gab es ein Plus von 30 Prozent. Den asiatischen Markt hat die AG im Visier, in Südkorea wurde eine Niederlassung eröffnet. „Allerdings befinden wir uns in einem frühen Stadium. Wir wollen lernen, verstehen – und uns vorbereiten“, sagt Sommer.

Dass es die Weleda mit der Internationalisierung ernst meint, zeigt die Entwicklung der Mitarbeiter. 2018 haben die Schweizer 75 Vollzeitstellen geschaffen. „Die neuen Arbeitsplätze verteilen sich auf viele Märkte“, sagt Finanzchef Michael Brenner. Vor allem in den Niederlanden sowie den USA und Brasilien hat Weleda neue Mitarbeiter eingestellt. Die Zahl der Vollzeitstellen lag Ende 2018 bei 2151, rund ein Drittel davon in Gmünd, was wiederum etwas mehr als 1000 Mitarbeitern entspricht.

Viel Freude bereitet Brenner die finanzielle Situation der Weleda. „Seit Ende 2018 sind wir schuldenfrei“, erklärt er. „Das war ein großer Kraftakt, aber wir haben es geschafft.“ Vor knapp sieben Jahren hatte die Weleda Verbindlichkeiten in Höhe von rund 116 Millionen Euro, heuer ein Finanzguthaben von mehr als 35 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote stieg in diesem Zeitraum von 22 auf 51 Prozent. „Eine schöne Entwicklung“, findet Brenner. „Vor diesem Hintergrund haben wir nun die Möglichkeit zu investieren.“ Im vergangenen Jahr war der Stammsitz in Arlesheim dran, in den kommenden Jahren rückt Gmünd in den Fokus.

© Wirtschaft Regional 06.06.2019 15:47
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