Der nächste Varta-Knaller

Wirtschaft Die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien wächst. Varta will weitere 100 Millionen Euro investieren. Die Ellwanger liebäugeln wegen der massiven Ausgaben mit einer Kapitalerhöhung.
  • Die Varta-Zentrale in Ellwangen. Foto: Wolfram Schroll / studioSchroll

Ellwangen

Nur knapp eine Woche nach der Ankündigung, den Batterienhersteller Varta Consumer für etwas mehr als 100 Millionen Euro zu übernehmen, sorgt die Varta AG für erneute Schlagzeilen: Das Unternehmen wird eigenen Angaben zufolge weitere rund 100 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigung investieren. Zugute kommt das vor allem den Standorten Ellwangen und Nördlingen. Um das Wachstum zu finanzieren, zieht Varta eine Kapitalerhöhung in Betracht.

Die Varta AG stellt vor allem Lithium-Ionen-Zellen für Hightech-Produkte, also insbesondere für kabellose Premium-Kopfhörer her. Ein Markt, der laut Varta-Vorstandschef Herbert Schein aktuell jährlich um mehr als 30 Prozent wächst. Durch die Investition will Varta dieser Nachfrage gerecht werden und baut deshalb seine Produktionskapazitäten weiter aus. Bereits im kommenden Jahr wollen die Ellwanger 80 Millionen Zellen fertigen. Die Kapazität soll danach auf mehr als 100 Millionen Zellen steigen.

Das sehr starke Marktwachstum werde von den Trends zur Miniaturisierung der Anwendungsgeräte, der zunehmenden Konnektivität sowie dem kabellosen Trend geprägt, so der Konzern. „Wir stehen am Anfang eines großen Booms, von dem wir überproportional profitieren. Wir wachsen deutlich schneller als der Markt und erhöhen deswegen nochmals massiv unsere Produktionskapazitäten“, erklärt Schein. „Als Innovationsführer haben wir für die neuen Lifestyle Headsets erfolgreiche Design-in Projekte mit allen führenden Premium-Herstellern.“

Varta profitiere zudem von dem technologischen Wandel weg von den zylindrischen Batteriezellen hin zu den Batterien im Münzen-Format. Deren Entwicklung hat der Konzern in den vergangenen Jahre durch Investitionen in Forschung und Entwicklung massiv vorangetrieben. Nun will Varta die Früchte einfahren.

Angst, sich bei den massiven Investitionen zu überheben, hat man bei der AG nicht. „Die kurz- und mittelfristige Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien ist sehr gut planbar“, sagt Steffen Munz, Finanzchef der AG. „Wir verzeichnen im Moment einen enorm hohen und stetig wachsenden Auftragsbestand. Um diesen auch künftig ausliefern zu können, ist eine erneute Ausweitung der Produktionskapazitäten erforderlich.“

Aktie gibt nach

Durch die Investitionen von 100 Millionen Euro soll eine zusätzliche Kapazität von rund 40 Millionen Zellen geschaffen werden. Für 2019 geht Varta von einem Produktionsvolumen von knapp 60 Millionen Mini-Akkus aus.

Wir stehen am Anfang eines Booms.

Herbert Schein
Vorstandschef Varta AG

Bleibt die Frage, wie Varta diese neuerliche Investition in dreistelliger Millionenhöhe finanzieren will. Zum einen soll der stetig steigende Gewinn zur Refinanzierung verwendet werden. Die Varta hatte vor einigen Woche bei ihrer Hauptversammlung auf eine Ausschüttung der Dividende verzichtet – gerade um künftige Investitionen schultern zu können.

Zum anderen bringen die Ellwanger eine Kapitalerhöhung ins Spiel. „Möglicherweise“, so der Konzern, könne die Investition „auch aus einer Kapitalerhöhung mittels eines Platzierungsverfahrens mit institutionellen Anlegern finanziert werden, die in Abhängigkeit von den Marktgegebenheiten zeitnah durchgeführt werden könnte“. Heißt also: Die Varta hält Ausschau nach einem weiteren strategischen Investor. Aktuell ist der österreichische Unternehmer Michael Tojner Hauptaktionär der AG.

Klar, dass die Ankündigung einer Kapitalerhöhung bei den bestehenden Anleger nicht für Freuden-, oder besser: Kurssprünge sorgte. Die Aktie notierte am Mittwoch zeitweise mit mehr als vier Prozent im Minus. Allerdings hatte das Papier seit dem Börsengang ein rasantes Wachstum vom Ausgabepreis von 17,50 Euro auf zeitweise mehr als 50 Euro hingelegt.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Varta angekündigt, den gleichnamigen Haushaltsbatterien und -akkuhersteller Varta Consumer zu übernehmen. Als Netto-Kaufpreis nannte die AG damals 100 Millionen Euro.

Manager ausgezeichnet

Vor wenigen Tagen wurde zudem ein Varta-Manager ausgezeichnet. Die Fachzeitschrift „Markt & Technik“ hat Rainer Hald, Technikchef (CTO) der AG, als Manager des Jahres in der Kategorie Batterien und Batteriekonfektionierung ausgezeichnet. Rund 6000 Leser der Zeitschrift hatten sich an der Online-Abstimmung beteiligt. Seit knapp 20 Jahren arbeitet Hald für die Varta-Gruppe. Seit 2013 ist er Technikchef der Varta Microbattery und seit 2016 zudem CTO der Varta Storage.

© Wirtschaft Regional 05.06.2019 14:21
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