VR-Bank geht neue Wege

Vertreterversammlung Die größte Genossenschaftsbank der Ostalb leidet unter dem Zinstief und setzt verstärkt auf Immobilienvermietung. Arno Brucker aus Aufsichtsrat verabschiedet.
  • Auf der Vertreterversammlung der VR-Bank Ostalb (von links): Vorstand Ralf Baumbusch, Vorstandsvorsitzender Kurt Abele, der verabschiedete Aufsichtsrats-Vize Arno Brucker, Aufsichtsratsvorsitzender Claus Albrecht und Vorstand Olaf Hepfer. Foto: Peter Hageneder

Aalen

Fusion gut gemeistert, 150-jähriges Bestehen standesgemäß gefeiert, Mitglieder gewonnen und eine Menge Geld für wohltätige Zwecke gegeben: Die VR-Bank Ostalb ist mit dem Jahr 2018 vollauf zufrieden. Das wurde bei der Vertreterversammlung in der Stadthalle Aalen deutlich. Weil der Niedrigzins das Ergebnis aber immer mehr belastet, hält die Genossenschaftsbank Ausschau nach alternativen Einnahmequellen – zum Beispiel der Immobilienvermietung. Aus dem Aufsichtsrat wurde der stellvertretende Vorsitzende Arno Brucker verabschiedet.

Nach Darbietungen der SG Big Band und vor Grußworten von Landrat Klaus Pavel und Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler hieß Aufsichtsratschef Claus Albrecht die Vertreter willkommen. „Es war ein ereignisreiches, erfolgreiches und überaus arbeitsreiches Jahr“, bilanzierte er über 2018.

Vorstandsvorsitzender Kurt Abele hob den reibungslosen Ablauf der mittlerweile abgeschlossenen Fusion zwischen den Banken aus Aalen und Gmünd hervor. Er stellte die Aufgabenteilung des nunmehr dreiköpfigen Vorstands mit ihm als Vorsitzendem (unter anderem zuständig für Gesamtbanksteuerung, Vertriebssteuerung, Organisation und Marketing), Ralf Baumbusch (unter anderem Firmenkunden und Filialen) sowie Olaf Hepfer (unter anderem Kreditproduktion und Marktservice-Center) vor.

Zu den Synergien, welche die Fusion gebracht habe, zählte er den Wegfall von Personalaufwand. Dieser vollziehe sich allerdings ohne Stellenstreichungen, sondern durch natürliche Fluktuation. Besonders positiv bewertete der Vorstandschef, dass die Bank ihre Geschäfte im Raum Gmünd vergangenes Jahr überdurchschnittlich steigern konnte.

Bis 2024 fehlen sechs Millionen

Bei den Zahlen zur Geschäftsentwicklung hob Abele das betreute Kundenvolumen – Anlagen und Kredite – positiv hervor, das um rund fünf Prozent auf fast vier Milliarden Euro gestiegen ist. Der Zinsüberschuss hingegen fiel von 35,2 auf 34,1 Millionen Euro. Auch im laufenden Jahr werde dieser in mindestens ähnlicher Größenordnung sinken. Bis 2024 könnte der Rückgang aufgrund der „absurden“ Niedrigzinspolitik sogar sechs Millionen Euro betragen, so Abele.

Alles in allem verbuchte die Bank einen Jahresüberschuss von 5,9 Millionen Euro. 1,9 Millionen werden als Dividende ausgeschüttet. Die 55 092 Mitglieder – es waren 869 mehr als 2017 – erhalten 3,5 Prozent auf ihre Geschäftsanteile: Das beschloss die Vertreterversammlung einstimmig.

Im Mittelpunkt steht das persönliche Banking von Mensch zu Mensch.

Kurt Abele
Vorstandsvorsitzender

Neben dem operativen Ergebnis aus klassischen Bankgeschäften erlöste die VR-Bank 1,6 Millionen Euro mit neuen Geschäftsfeldern: Als Beispiele für solche Ertragsquellen nannte Abele Mieteinnahmen aus einem Studentenwohnheim in Hofherrnweiler mit 13 Wohnungen sowie aus einem bankeigenen Supermarktgebäude in Steinheim am Albuch, aber auch die vor wenigen Wochen angelaufene Vermietung der ehemaligen Schalterhalle in Aalen an die Polizei.

Hinzu kommen hier zwei energieautarke Dreifamilienhäuser in Hofherrnweiler, die Ende des Jahres bezugsfertig sein sollen und ein neues 11-Familien-Haus in Essingen. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements erwähnte Abele Baumpflanzaktionen in Aalen und am Gmünder Zeiselberg: Dort entstand mit Blick auf die Remstalgartenschau der Erholungshain „VR-Bank-Garten“.

Vertreterwahl steht an

Auch die Fililalschließungen waren Thema und wurden von den Anwesenden angesprochen: So sollen von 37 Filialen (davon fünf SB-Filialen) im Jahr 2020 noch 31 Filialen, davon neun SB-Filialen, übrig bleiben. Man bleibe dennoch eine Omnikanalbank, die neben dem sehr beliebten Online-Banking und Telefonbanking das „persönliche Banking von Mensch zu Mensch“ in den Mittelpunkt stelle, betonte Abele.

Im Herbst wählen die Mitglieder der VR-Bank Ostalb ihre Vertreter neu. Ebenfalls als Ergebnis der Fusion soll es künftig einen Vertreter pro 150 – statt bisher 75 – Mitglieder geben. Die Gesamtzahl sinkt daher von 687 auf 368. Die Vertreterversammlung wählte nun die Mitglieder des Wahlausschusses.

Aus dem Aufsichtsrat wurde der stellvertretende Vorsitzende Arno Brucker verabschiedet, der aus persönlichen Gründen ausschied. Das Gremium, das im Zug der Fusion bis 2021 auf zwölf Sitze reduziert werden soll, hat aktuell noch 16 Mitglieder. Turnusgemäß wiedergewählt wurden Raynulf Jehle, Günter Kiefer, Thomas Rembold, Joachim Schubert, Jürgen Vetter und Roland Wendel.

© Wirtschaft Regional 27.05.2019 21:46
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