Rückzug aus operativem Geschäft

Automobilhandel Nach 31 Jahren an der Unternehmensspitze übergibt Brigitte Wagenblast die alleinige Geschäftsführung der Autohaus Wagenblast Beteiligungs-GmbH an Rolf Walter.
  • Brigitte Wagenblast. Foto: Wagenblast

Schwäbisch Gmünd

Ende März dieses Jahres schloss das 1922 von Josef Wagenblast sen. in Schwäbisch Gmünd gegründete gleichnamige Autohaus seinen Standort in Giengen. Und seit April 2019 ist laut Handelsregistereintragungen Brigitte Wagenblast (72) nach 31 Jahren nicht mehr Geschäftsführerin der Auto Wagenblast Beteiligungs-GmbH. Alleinverantwortlich als Geschäftsführer ist nun Rolf Walter, ein in der Region bekannter und versierter Auto-Fachmann.

Die Auto-Wagenblast Gruppe ist einer der ältesten Volkswagenpartner in Deutschland. Nach der Schließung von Giengen ist Auto Wagenblast heute an sieben Standorten in Ostwürttemberg, und zwar in Schwäbisch Gmünd, in Unterbettringen, in Aalen, in Heidenheim, in Westhausen und in Lorch-Weitmars, als Vertragshändler oder Servicepartner für die Marken Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Audi präsent. Insgesamt beschäftigt die Gruppe über 320 Mitarbeiter, davon 40 Auszubildende.

Außerdem ist Auto Wagenblast an der WWG Autowelt (Marke Audi) in Hussenhofen beteiligt. Die Gesellschafter des Familienbetriebes Auto Wagenblast sind neben Brigitte Wagenblast deren Söhne Robert, Philipp und Paul Wagenblast.

Für die Schließung des Betriebs in Giengen gebe es hauptsächlich standortbedingte Gründe, erklärte Brigitte Wagenblast auf Anfrage. Sie verwies auf notwendige anstehende hohe Investitionen im Bereich E-Mobilität und auf einen durch die langen Öffnungszeiten gestiegenen Bedarf an qualifiziertem Personal. Dazu kämen noch hohe Mietkosten. „Unter diesen Rahmenbedingungen kann ein modernes Autohaus heute auf dem flachen Land nicht mehr betriebswirtschaftlich erfolgreich geführt werden“, sagt Brigitte Wagenblast und führt weitere Gründe für den Rückzug aus Giengen an: „Als wir im Jahr 2001 das Giengener Autohaus Klenk übernahmen, waren wir noch ein Vollbetrieb mit Neu- und Gebrauchtwagen, Mietwagen, einer Werkstatt- und einem Unfallservice. Dann fielen zuerst die Marke Audi und dann auch der Neuwagenmarkt von VW durch die von den OEMs betriebene Netzausdünnung im Automobilhandel weg.“

Wir haben viele gute Mitarbeiter verloren.

Brigitte Wagenblast

Auch die Konkurrenzsituation habe sich in der Raumschaft Giengen in den letzten Jahren verschärft. Und: „Wir haben gute Mitarbeiter verloren, vor allem an Industriebetriebe.“ Für ein kleines Autohaus wie das in Giengen sei es in Zeiten der Vollbeschäftigung sehr schwer, neue und qualifizierte Mitarbeiter zu finden: „Zum einen sind die technischen Anforderungen in der Werkstatt sehr hoch und im Verkauf sind Arbeitszeiten in den Abendstunden und samstags die Regel“, sagt Brigitte Wagenblast.

Als langjährige ehrenamtliche Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer weiß Brigitte Wagenblast ganz genau, „dass die gesamte Automobilbranche durch die Themen Digitalisierung, Robotik, E-Mobilität und autonomes Fahren vor großen Veränderungen und Herausforderungen steht“. Auch das Verhalten der Kunden, die sich im Autohaus vor Ort informieren und die Modelle sogar Probe fahren, um dann im Netz zu kaufen, habe sich verändert. Und auch die Einstellung vieler junger Menschen, insbesondere in den Metropolen zum Auto, sei heute grundlegend anders als noch vor wenigen Jahren. Es werde überall Neu- und Umstrukturierungen geben - aber: „Wohin der automotive Weg in der Zukunft tatsächlich führen wird, das wissen sehr wahrscheinlich nicht einmal die großen Konzerne. Deshalb ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Automobilbranche in Deutschland eine Zukunft hat.“

Wichtig sei ihr, betonte Brigitte Wagenblast ausdrücklich, „dass alle unsere 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Giengen entweder an unseren VW- und Audistandorten in Heidenheim oder in Aalen mit ihrer Zustimmung weiterbeschäftigt werden“. Das sei mit dem Betriebsrat so vereinbart. Was mit der Immobilie im Giengener Ried künftig geschieht, „ist offen“, schreibt die Heidenheimer Zeitung. Die Eigentümerfamilie Klenk sondiere derzeit noch.

Studie Autohandel: Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung PwC wird sich der klassische Autohandel künftig stark wandeln. Zwar sei der Händler für 56 Prozent der Kunden immer noch der wichtigste Ansprechpartner. Jedoch steige die Bereitschaft, direkt beim Hersteller oder via Online-Plattform zu ordern. Der Studie ‚The Future of Automotive Retail’ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft liegt eine Befragung unter 1800 deutschen Händlern zugrunde. So meinten 58 Prozent der Befragten, das traditionelle Autohaus werde in den nächsten Jahren merklich an Bedeutung verlieren. Als größte Bedrohung für das klassische Distributionsmodell gelten der Direktvertrieb der Hersteller (82 Prozent) sowie unabhängige Verkaufsplattformen im Internet (72 Prozent)

© Wirtschaft Regional 22.05.2019 18:47
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