Maschinenbau per VR-Brille

Industriedialog Andreas Rüdenauer erklärte an der Hochschule Aalen, wie aus 3D-CAD-Daten betretbare, virtuelle Welten generiert werden.
  • Andreas Rüdenauer, Gründer der Firma R3DT, hat beim Industriedialog an der Hochschule Aalen aufgezeigt, wie Maschinenbauer ihre Fertigungsanlagen bereits in der Planungsphase visuell erleben können – mit VR-Brille statt Prototyp. Foto: Peter Hageneder

Aalen

Der Maschinenbauer von morgen trägt Virtual-Reality-Brille: Das ist die Vision von Andreas Rüdenauer, Gründer der Karlsruher Firma R3DT. Beim Industriedialog Industrie 4.0 an der Hochschule Aalen hat er eine Software vorgestellt, die es der Industrie ermöglicht, Arbeitsabläufe und Produkte mithilfe handelsüblicher VR-Brillen zu simulieren.

Immer und überall einsetzbar und von jedermann leicht zu bedienen: So sollten nach Rüdenauers Meinung die Werkzeuge sein, die den Einstieg in die virtuelle Welt ermöglichen. Im Falle von R3DT ist es eine Software, die lokal auf einem PC installiert wird und 3D-CAD-Daten, wie sie im Engineering eingesetzt werden, minutenschnell in VR-Daten konvertiert. Eine VR-Brille und ein sogenannter Leap Motion Controller, der die Bewegungen der Hand per Sensor erfasst und in die virtuelle Umgebung überträgt, sorgen dann dafür, dass diese Daten erlebbar werden.

„Wenn Sie die VR-Brille aufsetzen, stehen Sie im Maßstab 1:1 mitten im Produkt, etwa in einer Fertigungslinie“, sagte der studierte Maschinenbauer Rüdenauer. Die Nutzer können die Anlage im Maßstab verkleinern, vergrößern oder Komponenten umstellen. Sie können aber auch 1:1 mit der virtuellen Umwelt interagieren, einzelne Teile anfassen und bewegen, Arbeitsprozesse erleben und den Umgang mit dem Produkt einüben.

Technik kommt aus der Computerspielbranche

Wenn Sie die VR-Brille aufsetzen, stehen Sie im Maßstab 1:1 mitten im Produkt.

Andreas Rüdenauer
R3DT

Was aus dem Consumer-Bereich – speziell der Computerspielbranche – kommt, soll der Industrie helfen, Zeit und Kosten zu sparen und Fehler zu vermeiden. Als „Game-Changer“, Zeitenwende, bezeichnete Rüdenauer die 2016 auf den Markt gekommene VR-Brille Oculus Rift, zu der sich mittlerweile zahlreiche ähnliche Modelle gesellt haben.

„Interessant ist die Anwendung zur Konstruktionsdurchsprache und Abnahme zum Beispiel im Sondermaschinen- und Anlagenbau sowie im technischen Vertrieb“, sagte der Referent. Der aufwendige Bau von Protoypen oder sogenannten Mock-ups, Vorführmodellen, etwa aus Karton, erübrige sich. Fehler würden bereits in der virtuellen Umgebung erkannt und könnten in einem frühen Stadium korrigiert werden. Auch ergonomische Aspekte – wie sind die Bestandteile einer Anlage für den Bediener erreichbar? – sind testbar. Die Bediener selbst können virtuell an Maschinen geschult werden. Seit 2017 ist die Software von R3DT, einer Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie, auf dem Markt. Bislang konnten große Konzerne wie Bosch, Continental, Valeo, ZF und Festo, aber auch Mittelständler wie Schnaithmann Maschinenbau aus Remshalden überzeugt werden.

Einfach und kostengünstig soll es sein, betonte Rüdenauer: Ein geeigneter PC koste weniger als 2500 Euro, eine VR-Brille zwischen 400 und 1000 Euro. Den Preis für die Software bezifferte Rüdenauer auf 5000 Euro jährlich.

© Wirtschaft Regional 20.05.2019 15:13
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