Droht eine Auto-Krise?

Automobilindustrie Viele Betriebe informieren sich bei der Agentur für Arbeit über die Modalitäten für Kurzarbeit. Bosch AS und ZF reduzieren Arbeitszeit.
  • Bei Bosch AS in Gmünd werden in diesem Jahr an Brückentagen keine Elektrolenkungen mehr produziert. Foto: Bosch

Schwäbisch Gmünd

Steuert das produzierende Gewerbe in der Region nach zehn Jahren Hochkonjunktur wieder Richtung Kurzarbeit? „Wir haben derzeit tatsächlich viele Anfragen und einen erhöhten Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeit“, bestätigte Karina Deininger von der Agentur für Arbeit auf Anfrage. In wie vielen Betrieben tatsächlich bereits kurz gearbeitet wird, konnte die Pressesprecherin aus „Datenschutzgründen“ nicht sagen.

„Außer bei Lindenfarb in Unterkochen und bei CD Wälzholz in Oberkochen gibt es nach unseren Infos aktuell bei keiner Firma Kurzarbeit“, sagte Roland Hamm. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall räumte ein, dass viele Unternehmen aktuell auf die Kostenbremse treten würden – vor allem in der durch die Dieselaffäre und die E-Mobilität stark verunsicherten Automobilindustrie. Dabei würden die Möglichkeiten zur Kostenreduzierung, die der neue Tarifvertrag zulässt, ausgeschöpft.

So werde Mitarbeitern angeboten, auf das tarifliche Zusatzgeld in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsverdienstes zu verzichten, um dafür freie Tage in Anspruch zu nehmen. Das können Eltern von kleineren Kinder, Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen sowie Schichtarbeiter. Außerdem werde zunehmend Beschäftigten, die einen Arbeitsvertrag für eine 40-Stunden-Woche haben, eine Reduzierung der Arbeitszeit angetragen – bei ZF in Alfdorf zum Beispiel auf 37,5 Stunden. „Wir haben einen großen Anteil solcher Verträge“, sagte Arbeitsdirektor Helmut Köditz.

Auch bei Bosch AS in Gmünd wird die Produktion gedrosselt. „Durch die zusammenhängenden längeren Werksschließungen werden die Werkstore an den anstehenden Brückentagen nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam sowie an allen letzten Freitagen eines Monats bis Ende des Jahres geschlossen bleiben“, so eine Mitteilung auf unsere Nachfrage. Die Normalarbeitszeit bei den Lenkungsbauern soll sich wieder bei 35 Stunden einpendeln.

Der Knoten wird sich im dritten Quartal lösen.

Peter Yay-Müller
IG Metall

Allerdings kommt auf die Beschäftigten in den Zentralbereichen Verwaltung und Vertrieb bei Bosch AS eine große Herausforderung zu: Die Geschäftsleitung hat bei der letzten Betriebsversammlung angemahnt, dass jährlich 50 Millionen Euro eingespart werden müssten. Betriebsrat und IG Metall wollen die Beschäftigten darüber am kommenden Freitag informieren.

Peter Yay-Müller von der IG Metall in Gmünd glaubt nicht daran, dass tiefer greifende Umsatzrückgänge die Sparprogramme ausgelöst haben: „Ich denke, dass sich der konjunkturelle Knoten in der Automobilindustrie spätestens im dritten Quartal 2019 wieder lösen wird.“

Es gebe natürlich Sondersituationen wie bei Mahle. Der Autozulieferer kündigte am Montag an, in Stuttgart 380 von 4300 Arbeitsplätzen zu streichen – Yay-Müller: „Das könnte sich auf das Werk Lorch auswirken.“ Gut ausgelastet seien derzeit noch Firmen wie Alfing, SHW Automotive, Kessler & Co oder Zeiss, so Roland Hamm. Der Grund: „Diese Unternehmen haben rechtzeitig diversifiziert – und hängen nicht mehr allein am Tropf der Automobilindustrie.“

© Wirtschaft Regional 14.05.2019 18:52
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