Bei SHW HPCT geht es weiter

Gießerei Nach wochenlanger Hängepartie ist der Verkauf des Königsbronner Traditionsbetriebs endgültig in trockenen Tüchern. Künftig beschäftigt der Betrieb rund 80 Mitarbeiter.

Königsbronn

Nach langem Ringen gibt es wieder eine Zukunft für die Gießerei SHW HPCT in Königsbronn. Das Traditionsunternehmen, das auf das Jahr 1365 zurückgeht, kann mit neuem Eigentümer und künftig 80 Mitarbeitern weitermachen. Wie bereits am 18. April per Kaufvertrag vereinbart, hat die Avir Walze Holding GmbH über ihre Beteiligungsgesellschaft Hüttenwerke Königsbronn GmbH den Geschäftsbetrieb der insolventen SHW HPCT übernommen. Den endgültigen Vollzug meldete nun Insolvenzverwalter Martin Mucha.

Konzentrieren soll sich die Firma, deren Belegschaft von vorher 162 Mitarbeiter auf die Hälfte schrumpfen wird, auf die Herstellung und Lieferung von Druckgusswalzen sowie Servicedienstleistungen für Druckgusswalzen. Eingesetzt werden diese Walzen etwa in der Papier-, Lebensmittel- und Beschichtungsindustrie. An der Avir Walze Holding sind auch die übernommenen Mitarbeiter mit einem Drittel der Anteile beteiligt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Zuletzt hatte sich der Mitte April vereinbarte und auf 1. Mai terminierte Kauf verzögert –nach Informationen dieser Zeitung, weil noch nicht klar war, ob die Bedingungen aus dem Kaufvertrag erfüllt werden konnten. Konkret ging es dabei um die Maschinen der SHW HPCT, die das Unternehmen bisher geleast hatte. Ein Unternehmen, das diese Maschinen von der bisherigen Leasingfirma kaufen und an SHW HPCT weiter verleasen wollte, forderte von der Gießerei einen Eigenanteil Dieser Knoten konnte nun offensichtlich durchschlagen werden.

Vorausgegangen war Ende 2018 die insgesamt dritte Insolvenz der SHW in Königsbronn nach 2013 und 2017. Im Februar dieses Jahres hatte die Gläubigerversammlung die Stilllegung der Gießerei beschlossen, im März wurden 80 Prozent der Beschäftigten freigestellt. Auch auf Initiative des Betriebsrats griff jedoch das Münchner Restrukturierungsunternehmen One Square Advisors ein. Die Münchner konnten in der Avir Walze Holding einen Käufer finden.

Die Holding wird nach der Übernahme eigenen Angaben zufolge zu den weltweit bedeutendsten Gießereien für die Papierindustrie gehören. Bereits 2018 hatte Avir das Unternehmen Halberg Guss mit Werken in Saarbrücken und Leipzig übernommen. „Mit dem neuen Eigentümer kann das Unternehmen hoffentlich bald wieder an frühere Erfolge anknüpfen und die langjährige Tradition des Unternehmens fortführen“, erklärt Insolvenzverwalter Martin Mucha. Groß ist die Erleichterung bei den Vertretern der Arbeitnehmer. Die Rettung sei nur durch die Zusammenarbeit Betriebsrat, IG Metall, Agentur für Arbeit, Investor und Insolvenzverwaltung möglich gewesen, betont der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Heidenheim, Ralf Willeck, der den Einsatz des Betriebsratsvorsitzenden Fred Behr hervorhebt. Die Belegschaft ist bei einer Betriebsversammlung am Montag detailliert informiert worden.

© Wirtschaft Regional 13.05.2019 15:24
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