Wirtschaft wirbt für „Milla“

Bundestagsfraktion bekommt prominente Unterstützung für ein „Netflix für Weiterbildung“.
  • Thomas Heilmann leitet den Arbeitskreis „Zukunft der Arbeit“. Foto: Soeren Stache/dpa
1,3 Mio. Arbeitsplätze könnten bis 2025 aufgrund des digitalen Wandels wegfallen, auf der anderen Seite aber auch 2,1 Mio. neue Jobs entstehen – mit neuen Anforderungen an die Arbeitnehmer. Die Zahlen des Bundesarbeitsministerium machen deutlich: Weiterbildung wird in einem viel größeren Rahmen erforderlich als bisher.

Führende Unternehmen haben deswegen nun für das „Milla“-Konzept der CDU geworben, mit dem „lebensbegleitendes“ Lernen für eine breite Öffentlichkeit attraktiv gemacht werden soll. „Auch wir sehen die Notwendigkeit, dass etwas getan werden muss, und begrüßen daher die Initiative“, sagte die Google-Analystin Anna-Verena Naether in Berlin. „Wir freuen uns, dass mit ,Milla' eine digitale Plattform geschaffen werden soll, die den Zugang zu Weiterbildung vereinfacht.“ Die Telekom sowie die Sprachlern-App Babbel können sich sogar vorstellen, Inhalte für „Milla“ bereitzustellen. Der Bedarf sei groß: „Viele Unternehmen kommen gerade auf uns zu, weil die Betriebssprache auf Englisch umgestellt wird“, sagte Susanne Wechsler von Babbel. IBM ist ebenfalls an „guten Weiterbildungsinhalten“ interessiert.

Mit „Milla“ („Modulares interaktives lebensbegleitendes Lernen für alle“) sollen Anbieter von Fortbildungskursen ihre Angebote, ähnlich wie Filme und Serien auf der US-Plattform Netflix, auf einer zentralen Webseite bereitstellen. „Weiterbildung ist nicht die Rückkehr auf die Schulbank mit Lehrern, die man nicht mag“, betont der CDU-Abgeordnete und Leiter des Arbeitskreises „Zukunft der Arbeit“, Thomas Heilmann.

Nach den Vorstellungen des Arbeitskreises sollen Nutzer für absolvierte Kurse Punkte erhalten, mit denen sie nicht nur im Lebenslauf punkten können. Wie beim Bonussystem Payback könne man diese dann für Waren einlösen. Die Kosten sollen 1 bis 3 Mrd. EUR jährlich betragen.

Ob das Konzept so jemals Realität wird, steht in den Sternen. In einer Antwort des Bundesforschungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage ist von „Milla“ nur als „interessantem Vorschlag die Rede“, der „ergebnisoffen“ geprüft werde. Igor Steinle
© Südwest Presse 08.05.2019 07:45
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