Zeiss: Jobmotor der Ostalb

Bilanz Der Optikkonzern wächst weiter – die Region profitiert: Der Zeiss-Konzern beschäftigt inzwischen mehr als 8300 Menschen im Ostalbkreis. Darum steht ein weiteres Rekordjahr bevor.
  • Mit einer von Zeiss entwickelten Technologie soll es erstmalig möglich sein, transparentes Glas oder Kunststoff vielfältig und großflächig zu funktionalisieren. Foto: Zeiss

Oberkochen

Es ist Bestandteil vieler Science-fiction-Filme: Intelligentes Glas, mit dem etwa Computer-Systeme gesteuert werden, wie zum Beispiel von Tom Cruise im Steven-Spielberg-Blockbuster „Minority Report“. Das war 2002 und galt als Utopie. Im Jahr 2019 arbeitet Zeiss an einer ähnlichen Technologie, mit der sich transparentes Glas oder Kunststoffe als großflächige Displays mitsamt Gestenerkennung, Temperaturmessung oder Eyetracking nutzen lassen. „Zum Einsatz könnte diese Technologie in Smart Homes oder in Autos kommen“, erklärte Zeiss-Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke bei der Vorlage der Halbjahreszahlen seines Konzerns. Die fielen glänzend aus - auch wenn die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel größer werden.

Innovationen wie das smarte Glas sind wichtige Wachstumstreiber. „42 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind“, erklärt Finanzchef Dr. Christian Müller. Die Zeiss-Erlöse sind auch dank dieser Produkte im ersten Halbjahr gewachsen. Erstmals hat der Oberkochener innerhalb der ersten sechs Monate eines Geschäftsjahres mehr als drei Milliarden Euro erlöst, ein Plus von elf Prozent. „Wir wachsen weiterhin sehr dynamisch“, so Kaschke.

Das große Wachstum des Umsatzes wirkt sich auf die Zahl der Mitarbeiter aus. Erstmals beschäftigt der Konzern mehr als 30 000 Mitarbeiter weltweit. „In Deutschland haben wir im ersten Halbjahr rund 700 neue Stellen geschaffen. Auf diese Zahlen sind wir durchaus stolz“, betont Kaschke. Rund 75 Prozent der neuen Jobs entfallen auf die boomende Halbleitersparte SMT. Der größte Profiteur des Zeiss-Wachstums ist die Ostalb.

Aktuell beschäftigt Zeiss an den Standorten Aalen und Oberkochen 8350 Menschen, 1193 davon im Werk Aalen, mehr als 7000 in Oberkochen. Kaschke kündigte zudem weitere Investitionen am Stammsitz an, wo vor allem die Kapazitäten im Halbleiterbereich weiter ausgebaut werden sollen. Allerdings hat sich das Wachstum der SMT-Sparte verlangsamt, der Umsatz legte um fünf Prozent zu.

Zeiss baut im Silicon Valley

Das ist weniger als in den Vorjahren – angesichts der Entwicklung des Halbleitermarktes, dessen Volumen laut Kaschke 2019 um 15 bis 20 Prozent sinkt, aber immer noch sehr gut. Zeiss profitiert sowohl von der guten Nachfrage nach DUV-Standardsystemen wie als auch nach der Zukunftstechnologie EUV, mit der immer kleinere, effizientere und leistungsfähigere Chips hergestellt werden. In zwei bis drei Jahren werden die EUV-Systeme wohl erstmals mehr als die Hälfte des Umsatzes einbringen.

Nicht nur auf der Ostalb investiert Zeiss kräftig: Für einen nicht genannten Millionenbetrag wird Zeiss die Braunschweiger GOM-Gruppe mit 600 Mitarbeiter übernehmen. „Wir erwerben gezielt Unternehmen, die in unserer Gruppe ihr Potenzial entfalten können“, erklärt Müller.

Geld ist ausreichend vorhanden: Das Eigenkapital beträgt 3,9 Milliarden Euro. Zeiss verfügt dank der vorangegangenen neun Rekordjahre über eine Nettoliquidität jenseits der zwei Milliarden Euro. Die Oberkochener wachsen nämlich nicht nur, sie tun dies äußerst profitabel, wie auch die Zahlen von Finanzchef Müller belegen. „Die Ebitmarge lag in den ersten sechs Monaten bei 14,7 Prozent, die Ebitda-Rendite sogar bei 19,4 Prozent.“

Ein Teil des Geldes wird weiter in Übernahmen fließen. Bereits vor einigen Monaten hatten die Oberkochener die US-Medizintechnikfirma Iantech übernommen. Die Medizintechniksparte wuchs auch ohne den Zukauf organisch um elf Prozent auf 801 Millionen Euro. Die Sparte Industrial Quality & Research erwirtschaftete dank der hohen Nachfrage aus der Autoindustrie ein Plus von elf Prozent auf 820 Millionen Euro.

Auf diese Zahlen sind wir durchaus stolz.

Prof. Dr. Michael Kaschke
Zeiss-Vorstandsvorsitzender

Die weltweiten Standorte baut Zeiss weiter aus. Rund 150 Millionen Euro fließen in ein Projekt im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien, wo Zeiss die Nähe zum Silicon Valley sucht. Ende des kommenden Jahres soll der rund 19 000 Quadratmeter große Bau fertig sein.

Bereits im Dezember hatte Kaschke das Ziel gesetzt, im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 erstmals die Marke von sechs Milliarden Euro Umsatz zu durchbrechen. Das wird Zeiss schaffen. Dennoch arbeitet der Konzern weiter an seiner „Widerstandsfähigkeit“, wie es Kaschke umschreibt. Denn trotz des Wachstums trüben sich die Aussichten ein. „Die Konjunkturprognosen schwächen sich in vielen Ländern und Regionen, gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck“, so der Vorstandschef. Jedoch sei sein Unternehmen dank der Agenda Zeiss 2020 gut gerüstet. „Es wird Zeiten geben, in denen wir nicht im zweistelligen Prozentbereich wachsen“, sagt Kaschke. Für diese sei der Konzern aber gut gerüstet.

Zeiss in Zahlen: das erste Halbjahr 2018/19 (per 31. März, Kennzahlen in Euro)

  • Umsatz 3,019 Mrd. (+9%)
  • Auftragseingang 3,161 Mrd.(+11%)
  • Ebit (operatives Ergebnis) 443 Mio. (+12%)
  • Konzernergebnis 281 Mio. (+10%)
  • Mitarbeiter 30 475 (+8%)
© Wirtschaft Regional 07.05.2019 14:09
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