Früher MINT wagen!

Bildung Firmen fördern naturwissenschaftliche Fächer in weiterführenden Schulen. Das ist zu spät, sagt Silke Ladel. Warum sie für eine frühere Förderung plädiert.
  • Silke Ladel, Professorin an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd. Foto: PH Gmünd

Schwäbisch Gmünd

Die Gleichung ist simpel: Wer sich für Naturwissenschaften interessiert, so die Erfahrung, schlägt in seinem Leben eher eine Karriere als Ingenieur oder Techniker ein. Das haben viele Firmen erkannt: Sie fördern die MINT-Fächer in Schulen in der Region. Allerdings zu spät, sagt Silke Ladel, Professorin an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd. „Die Förderung von naturwissenschaftlichen Fächern darf nicht erst in der achten oder neunten Klasse, sondern muss im Kindergarten und der Grundschule beginnen.“ Der Grund ist so simpel wie die Gleichung zu Beginn: „Je früher Kinder für diese Fächer begeistert werden, umso leichter fällt es ihnen, sich damit intensiv und gut auseinanderzusetzen.“

Seit mehr als einem Jahr ist Ladel Professorin an der PH in Schwäbisch Gmünd, will dort Mathematik praktisch begreifbar machen – und die Firmen für die Bildung begeistern. Deshalb hat die ausgebildete Grund- und Hauptschullehrerin vor einigen Jahren den Schuldienst in Aalen für eine akademische Karriere eingetauscht – und dabei in Saarbrücken bundeslandübergreifend für Aufsehen gesorgt.

Vor sieben Jahren erhielt sie den Ruf der Uni im Saarland. Damals war sie mit 35 eine der jüngsten Professorinnen in Deutschland. Zum anderen sind Wechsel von Pädagogischen Hochschulen an eher theoretisch geprägte Universitäten keine Selbstverständlichkeit – ihre Promotion hatte sie noch an der Hochschule Gmünd abgelegt. Ihre Expertise ist in der Politik gefragt: 2016 war sie Organisatorin der offiziellen Begleitveranstaltung zum IT-Gipfel der Bundesregierung und sowohl das BMBF als auch die Kultusministerkonferenz holen immer wieder ihren Rat als Expertin ein – und die aktuelle CDU-Parteivorsitzende und damalige Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, besuchte eine ihrer Vorlesungen in Saarbrücken. „Das ist einer der Vorteile eines kleinen Bundeslandes: Die Drähte sind kurz“, erzählt Ladel. Die akademische Karriere hat die Forscherin in ihre Heimat zurückgebracht. „Durch die überschaubare Größe der Pädagogischen Hochschule kann man schneller auf Einflüsse reagieren und näher am Bildungsalltag forschen.“ So arbeitet Ladel in ihrer Heimat daran, Firmen und Hochschulen von der Idee zur frühen MINT-Förderung zu überzeugen. Mathematik sei mehr als das Anwenden von Regeln und Tricks, sondern vermittle Grundlagen, die im Lebensalltag unabdingbar sind. „Und die Grundlage dafür, dass jemand gut im MINT-Bereich ist, wird im Kindergarten und der Grundschule gelegt.“

Die MINT-Förderung muss schon im Kindergarten beginnen.

Silke Ladel
Professorin an der PH Gmünd

Ladel hat sich überdies zum Ziel gesetzt, die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten sinnvoll in den Bildungsbereich zu integrieren. Das will sie nun an der PH in Gmünd weiter umsetzen. „Die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten haben ein großes Potenzial – dieses müssen wir nutzen und sinnvoll in den Unterricht integrieren.“ Deshalb setzt sie sich für eine verstärkte Einbindung von digitalen Medien an den Schulen ein. Dass es prominente Kritiker, wie den Ulmer Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer gibt, die Tablets und Co. eher als Feind der Bildungsentwicklung sehen, weiß Ladel. „Natürlich ist es schädlich, zehn Stunden am Tag am Computer Videospiele zu zocken“, sagt Ladel. „Aber das ist ein Extrem, das uns in der öffentlichen Diskussion um einen sinnvollen Einsatz nicht weiterbringt.“ Digitale Medien seien Teil der Realität vieler junger Menschen, man müsse sie sinnvoll und positiv nutzen. „Eine kritische Meinung ist wichtig, aber Positivbeispiele sind noch viel wichtiger.“

Ladel hat die Mitmach-Ausstellung „Mach mit – MINT Digital“ initiiert, die im November ihre Premiere an der PH in Gmünd feierte, rund 1.000 Besucher an die Hochschule lockte und zeigte, wie Digitalisierung in der Bildungspraxis aussehen kann. „Ein weiteres Ziel ist, die Öffentlichkeit an die Hochschule zu holen und zu zeigen, welch hervorragende Arbeit hier geleistet wird, wie Wissenschaft in die Praxis übersetzt wird.“ Diese Praxis bilden aber nicht nur die Schulen ab. Ladel: „Die Eltern haben einen massiven Einfluss auf die Bildung ihrer Kinder.“ Robert Schwarz

© Wirtschaft Regional 06.05.2019 11:49
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