Leuchtturm-Ideen gesucht

Kreisentwicklungsdialog Die Ostalb möchte sich 2020 mit neuen Projekten um europäische Fördergelder bemühen – Im Landratsamt ging es nun um ein Innovations- und Entwicklungskonzept.
  • Landrat Klaus Pavel (links) hatte zum Dialog über das künftige Entwicklungskonzept ins Landratsamt geladen. Foto: Bernhard Hampp

Aalen

Ideen entwickeln, Projekte vorschlagen, Ansätze diskutieren: Mit dem Ziel, ein Innovationskonzept für den Ostalbkreis auszuarbeiten, haben sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Dialog im Aalener Landratsamt getroffen. Das Konzept soll die Basis sein, um mit zwei Projekten beim Regiowin-Wettbewerb des Landes Baden-Württemberg anzutreten.

Über Regiowin werden Strukturfördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für innovative und nachhaltige Projekte ausgereicht. Das Land gibt entsprechend Geld dazu. Alle sechs Jahre werden die Win-Regionen ausgewählt und die Leuchtturmprojekte gekürt: In der Vergangenheit war der Ostalbkreis dabei höchst erfolgreich. Landrat Klaus Pavel verwies auf geförderte Vorhaben wie die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie (EATA) in Ellwangen, das Zentrum Technik für Nachhaltigkeit an der Hochschule Aalen und das Zentrum Human Resource Development an der Pädagogischen Hochschule Gmünd ebenso wie auf das 2014 eröffnete Wissenszentrum Eule in Gmünd und das das 2015 gestartete Innovationszentrum Aalen.

„Grundvoraussetzung ist ein ein umfassendes, schlüssiges regionales Entwicklungskonzept“, betonte Pavel. Deshalb sollen die Partner, aufbauend auf dem 2014 entwickelten Konzept „Nachhaltige Innovationen im Ostalbkreis“, eine neue Innovationsstrategie für den Ostalbkreis entwickeln. Auf der Agenda stehen Themen wie Industrie 4.0, künstliche Intelligenz und regionale Cluster, aber auch „spezifische Innovationsbedarfe für den ländlichen Raum“, etwa bei Mobilität, Landwirtschaft oder Gesundheit. Was muss im Ostalbkreis verbessert werden, um Innovationen zu fördern? Diese Frage richtete der Landrat an die Teilnehmer, die anschließend in Gruppen diskutierten.

Moderiert von Daniela Schneider erörterte eine Runde den Beitrag, welchen Bildung zur Förderung von Innovationen leisten kann. Thema auch: Wie können Innovationsbedarfe erkannt werden? Aus dem Kreis kam unter anderem unter anderem die Anregung, einen regionalen Innovationsbeauftragten zu schaffen.

Vernetzung zwischen Unternehmen gewünscht

Das Thema künstliche Intelligenz wird die Gesellschaft bewegen.

Klaus Pavel
Landrat

Agnes Bergmann moderierte eine Diskussion zum Wissens- und Technologietransfer sowie Strategien, Innovationsprozesse zu beschleunigen. Es gelte, vorhandene Beratungsangebote – etwa über einen digitalen Pool – bekannter und verfügbarer zu machen, regten die Teilnehmer an. In der Region sollte der Austausch über Netzwerke forciert werden: So könnten kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe von der Expertise der großen Firmen profitieren

Geleitet von Dr. Markus Hilpert diskutierte eine weitere Runde, wie aus Innovationen Wertschöpfung werden kann. Kleine und mittlere Unternehmen, so ein Ergebnis, sollen im Fokus der Bemühungen stehen: Über solche Betriebe als Partner könnten auch ländliche Gebiete abseits der Städte in den Innovationsprozess eingebunden werden. Innovationserfolge sollen kommuniziert und sichtbar gemacht werden.

Aus den verschiedenen Ideen, erklärte Landrat Pavel, sollen in den kommenden Monaten Projekte entstehen. Anfang 2020 wird der Antrag eingereicht, im Spätsommer 2020 steht die Förderentscheidung an. Für Pavel ist die Stoßrichtung klar: „Die Ostalb soll ein starker Produktionsstandort bleiben, vielleicht aber für andere Produkte als derzeit.“ Gleichzeitig gelte es, weiterhin Arbeit für die Menschen bieten. „Ein Thema, das die Gesellschaft in den kommenden Jahren bewegen wird, ist die künstliche Intelligenz“, sagte der Landrat, der Bildung, Vernetzung und Kommunikation als Handlungsfelder aus den Diskussionen ausgemacht hatte.

Die Ostalb stehe als eine von elf sogenannten Win-Regionen in Konkurrenz zu so starken Wettbewerbern wie Mannheim-Heidelberg, Karlsruhe oder Stuttgart. Notwendig sei unter anderem engste Abstimmung mit den regionalen Hochschulen, betonte Pavel. Er skizzierte die verschiedenen Entscheidungskriterien für die Bewerbung: Eines davon ist die Förderung eines stärker vernetzten Europas durch Steigerung der Mobilität. Vielleicht, so der Landrat, könne man hier über eine Modell-Mobilitäts-Region zwischen Aalen und Heidenheim nachdenken.

© Wirtschaft Regional 30.04.2019 16:42
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