Zukunftsmarkt Batterie

100 Millionen Euro hat das Land schon in die Technologie investiert. Das soll nur der Anfang sein, gerade in Ulm und Ellwangen.
  • Wer von der E-Mobilität profitieren will, muss sich mit der Batterie-Herstellung beschäftigen. Das wurde auch Anfang April bei der Grundsteinlegung für eine Batteriefabrik von Daimler in Esslingen klar. Im Bild Daimler-Chef Dieter Zetsche (rechts) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Marijan Murat/dpa
Mehr als 100 Mio. EUR an öffentlichen Fördermitteln sind in den vergangenen zehn Jahren in die Batterieforschung in Baden-Württemberg geflossen, wie aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. Das Ergebnis sind vielfältige Aktivitäten, von Ulm über Karlsruhe bis Freiburg. Mit Varta in Ellwangen (Ostalbkreis) und LeClanche in Willstätt (Ortenaukreis) befinden sich zudem die beiden letzten verbliebenen Massenfertiger für Batteriezellen in Deutschland im Südwesten.

Wenn es nach der grün-schwarzen Koalition in Stuttgart geht, soll das erst der Anfang sein. An diesem Dienstag präsentieren Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) große Pläne: Die Regierung unterstützt eine Bewerbung für eine vom Bund ausgelobte Forschungsfabrik zur Fertigung von Batteriezellen mit Landesmitteln in Höhe von „bis zu 185 Millionen Euro“. Das geht aus der Kabinettsvorlage hervor, die der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Antragssteller sind das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Als Standort werde dabei Ulm „favorisiert“, schreibt Hoffmeister-Kraut.

Ein landeseigenes Grundstück für die Forschungsfabrik steht bereits zur Verfügung. Den Bau würde das Land mit 105 Mio. EUR finanzieren und eine mögliche Erweiterung nach drei Jahren mit weiteren 80 Mio. EUR. Im Gegenzug stellt Berlin 500 Mio. EUR an Forschungsgeldern in Aussicht.

Um die Großinvestition buhlen indes auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Bayern. Bei der Entscheidung für den Zuschlag will der Bund die Förderung der Batterieforschung der Standortländer in der Vergangenheit und die Pläne für künftige Zuschüsse berücksichtigen. Baden-Württemberg hofft daher auf den Zuschlag. Das Land biete „hervorragende Bedingungen“, argumentieren der Fraktionsvize und der Wirtschaftsexperte der CDU-Fraktion, Winfried Mack und Claus Paal. Zugleich bestehe die Möglichkeit einer engen Anbindung an die Wirtschaft.

Zelle wird zur Kernkompetenz

Im Blick hat die Landespolitik dabei die Varta AG in Ellwangen, die sich als „Technologieführer für kleinformatige Lithium-Ionen-Zellen“ empfiehlt. Unter ihrer Federführung läuft eine ebenfalls von der Landesregierung mit einer dreistelligen Millionengarantie unterstützte Bewerbung eines Konsortiums um eine vom Bund ausgeschriebene industrielle Produktion großformatiger Batteriezellen. Dafür will Berlin sogar 1 Mrd. EUR in die Hand nehmen.

Neben den ausgelobten Summen locken die Marktaussichten. Die Batterietechnologie entwickelt sich zunehmend zur Kernkomponente verschiedener Applikationen und Produkte. Dieser Wandel betreffe nicht nur die Automobilindustrie im Kontext der Elektromobilität oder die Energiewirtschaft beim Einsatz stationärer Energiespeicher, schreibt Hoffmeister-Kraut. Sondern auch Bereiche wie die Medizin bei der Nutzung kabelloser Systeme und mobiler Anwendungen bis hin zur Raumfahrt beim Wandel von chemischen zu elektrischen Antrieben von Satelliten, die zur Zwischenspeicherung ebenfalls auf Batterien angewiesen ist. „Folgerichtig steigt die Nachfrage nach leistungsstarken Batterien kontinuierlich.“ Die derzeitige Dominanz asiatischer Anbieter führe dabei zu einer „zunehmenden Abhängigkeit europäischer Unternehmen“, der man entgegenwirken wolle – schon allein, da die heimische Industrie auf eine sichere Versorgung mit Batteriezellen angewiesen sei.

Auf einen weiteren Aspekt weist die Wirtschaftsexpertin der Grünen-Fraktion, Andrea Lindlohr, hin: „Nur Regionen, in denen Batterien entstehen, werden vom volkswirtschaftlichen Nutzen der E-Mobilität profitieren.“ Schließlich könnten bei der Herstellung von E-Autos 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung allein mit der Batterie erreicht werden. Daher gelte es, den internationalen Rückstand auf diesem Feld aufzuholen.

Die Ökopartei will dabei den Fokus auf die Entwicklung der „grünen“ Batterie lenken. „Wir wollen eine Qualitätsbatterie made in Baden-Württemberg“, sagt Grünen-Wissenschaftsexperte Alexander Salomon. „Die hochleistungsfähigen und hochverdichteten Akkus der Zukunft müssen nach unseren Vorstellungen mit zugänglichen Ressourcen konzipiert, nach ökologischen Kriterien hergestellt und umweltschonend recycelt werden und großen Belastungen standhalten können.“
© Südwest Presse 30.04.2019 07:45
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