Vorstand baut die SHW AG um

Autozulieferer Wie die Aalener Traditionsfirma mit neuem Vorstand, neuem Ankeraktionär und neuer Schwesterfirma wachsen und internationaler werden will.
  • Blick in die Pulvermetallurgie am Standort Aalen. Foto: Daniel Banner/SHW

Aalen

Auch wenn es knapp war: Die SHW AG hat im vergangenen Geschäftsjahr ihre Umsatzziele erreicht. Insgesamt erwirtschaftete das Aalener Unternehmen einen Umsatz von 420,9 Millionen Euro. Das liegt am unteren Ende Korridors von 420 bis 440 Millionen Euro, den man sich als Ziel gesetzt hatte. Auch die Ebitda-Marge war mit 9,4 Prozent im unteren Drittel der Erwartungen. Im Juni 2018 hatte man Umsatz- und Ebitda-Prognosen bereits nach unten korrigiert. Im nun veröffentlichten Geschäftsbericht geht der Blick voraus. Vor allem vom neuen Ankeraktionär Pierer und dessen Tochterfirma Pankl Racing Systems erhofft sich die SHW positive Impulse. Mit der neuen Schwestergesellschaft teilt man sich sogar eine wichtige Führungskraft.

Seit knapp einem halben Jahr gehört die SHW AG zusammen mit der Pankl Raching Systems zur neu formierten Automotive-Gruppe Pankl SHW Industries AG, die gleichzeitig neuer Mehrheitsaktionär des Aalener Unternehmens ist. Mit der Pierer AG, zu der die Gesellschaft gehört, habe man „den seit Längerem gesuchten Ankeraktionär gefunden“, erklärt Plasser.

Die Zugehörigkeit zu der Gruppe will die SHW nun nutzen, um Synergiepotenziale zu heben. Deshalb habe man eine enge Zusammenarbeit mit der Pankl Racing Systems in die Wege geleitet. „Diese betrifft insbesondere die Bereiche Einkauf, Vertrieb, Produktion, Entwicklung sowie Finanzierung“, so Plasser weiter. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bereits in diesem Jahr erste positive Ergebnisse sehen werden“, erklärt der Vorstandschef. Plasser denkt dabei vor allem an den internationalen Vertrieb von Pankl. Das Unternehmen besitze „zu allen Herstellern weltweit sehr gute Kontakte“. Wie eng die geplanten Bande zwischen beiden Unternehmen werden sollen, zeigt sich auch an Thomas Karazmann. Seit Dezember 2018 ist er neuer Finanzvorstand bei SHW - und in Personalunion auch Finanzchef der Pankl Racing Systems AG. Von der engeren Kooperation verspricht er sich „erfrischenden Input“. Beide Unternehmen seien in der Automobilbranche tätig, kämen aber aus ganz verschiedenen Kulturen und Geschichten. Es gehe künftig um ein „best of both“. Überdies wolle er bei der SHW gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen fördern, dass „noch stärker als bislang eine Eigentümerkultur zu leben“.

SHW baut Auslandsstandorte weiter aus

Lohnkosten sind nicht der einzige Hebel.

Wolfgang Plasser
Vorstandschef SHW AG

Bange vor dem Strukturwandel in der Autoindustrie ist dem neu formierten Vorstand, den Dr. Andreas Rydzewski Ende März verlassen hat und in den Ruhestand gegangen ist, nicht. „Wir haben frühzeitig damit begonnen, zukunftsweisende Komponenten für Motor- und Getriebeanwendungen zu entwickeln, die die Effizienz von Verbrennungsmotoren sowie deren Nebenaggregaten steigern und den Kraftstoffverbrauch minimieren“, so das Unternehmen. Man strebe an, einer der weltweit führenden Hersteller von Pumpen und Motorkomponenten für sämtliche Antriebsstrangkonzepte zu sein.

Getragen wird die Entwicklung von einem internationalisierten Produktionsverbund. In den kommenden Jahren will man die Standorte in China, Kanada, Brasilien und Rumänien „maßgeblich“ auf- und ausbauen. „Es sind für uns wichtige Standorte, die mit ihren Teams und Aufträgen weiterwachsen sollen.“ Gerade die Fabrik in Brasilien spiele eine wichtige Rolle im globalen Produktionsnetzwerk. Zusammen mit den Standorten in Nordamerika und China könne die SHW die Anforderungen - insbesondere der nordamerikanischen Fahrzeughersteller - nach einer weltweiten Aufstellung erfüllen.

Parallel dazu baut SHW sein Engagement dank der Übernahme der Lust Hybridtechnik im Jahr 2017 weiter aus. Das Prozess-Know-how der Tochterfirma habe SHW „erheblich“ vorangebracht. Auch am Heimatstandort in Aalen fließt gerade mehr als eine Million in den Ausbau der Fabrik. Die Internationalisierung, betont Plasser, gehe nicht zulasten der deutschen Standorte. „Natürlich sind Lohnkosten ein Entscheidungskriterium“, wird der Vorstandschef im Geschäftsbericht zitiert. „Allerdings sind sie aufgrund des hohen Automatisierungsgrads der Pumpenfertigung wieder der einzige noch der wichtigste Hebel. Man sei in der Lage, international zu wachsen und für die deutschen Pumpenstandorte gleichzeitig eine langfristige Zukunftsperspektive zu entwickeln.“ Am Beispiel Schussenried sieht das so aus: Dort wurden im vergangenen Jahr neue hochautomatisierte Montageanlagen sowie Bearbeitungszentren installiert, den dafür nötigen Platz schuf man nicht nur durch interne Umzüge am Standort selbst, sondern auch durch Verlagerungen an den rumänischen Standort Timisoara.

Jedoch bedeute das , dass „wir in allen Bereichen agiler und effizienter werden und bei der Entwicklungsgeschwindigkeit einen Gang zulegen müssen“, so Plasser. Die in den vergangenen Jahren optimierten Produktionsprozesse seien dabei „ein gutes Fundament“. Klar ist für Plasser zudem: „Wir schlagen ein neues Kapitel in der mehr als 650-jährigen Firmengeschichte auf.“

© Wirtschaft Regional 25.04.2019 15:47
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