Rettung für Königsbronner SHW HPCT

Insolvenz Kurz bevor die Traditionsfirma wie die SHW CT in Wasseralfingen ihren Betrieb einstellen muss, findet sich doch noch ein Investor, der 80 Arbeitsplätze erhalten will.
  • Der Abguss einer Papierkalanderwalze bei SHW HPCT in Königsbronn. Foto: Archiv

Königsbronn

Ostern ist das Fest der Wiederauferstehung: Eine besondere Form des Comebacks gibt es dieser Tage für SHW HPCT in Königsbronn. Vor sieben Wochen hatte Insolvenzverwalter Martin Mucha angekündigt, das Werk zu schließen, 80 Prozent der Belegschaft von zuletzt 160 Mitarbeitern wurde freigestellt. Nun die spektakuläre Wende: Mucha hat einen Käufer für die SHW HPCT gefunden. Wie sein Büro mitteilt, wurde das Unternehmen bereits am vergangenen Donnerstag an die Avir Walze Holding GmbH verkauft. Dieser will rund die Hälfte der Mitarbeiter übernehmen.

An der Avir Walze Holding werden auch die übernommenen Mitarbeiter mit einem Drittel der Anteile beteiligt sein. So sollen nicht nur Arbeitsplätze erhalten werden, erklärt Mucha, vielmehr sollen die Mitarbeiter auch am künftigen Erfolg des Unternehmens partizipieren. Der Unternehmenskaufvertrag steht noch unter diversen Vollzugsbedingungen, wie dem Eintritt in die bestehenden Leasing- und Mietverträge und hängt noch vom Abschluss von Vereinbarungen mit den Hauptkunden über eine Zusammenarbeit ab. Diese will die Avir Walze Holding bis Ende April erfüllen.

Die Avir Walze Holding wird nach der Übernahme mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Hüttenwerke Königsbronn eigenen Angaben zufolge zu den weltweit bedeutendsten Gießereien für die Papierindustrie gehören. Bereits im vergangenen Jahr hatte Avir Halberg Guss mit Werken in Saarbrücken und Leipzig übernommen. Auch damals spielten die Finanzexperten von One Square Advisors eine entscheidende Rolle, die auch im Falle von SHW HPCT die Kontakte geknüpft hatten. Vor drei Wochen war bekannt geworden, dass One Square Gespräche mit den größten Kunden der SHW HPCT führt.

Ich freue mich für die 80 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze erhalten werden sollen.

Martin Mucha
Insolvenzverwalter SHW HPCT

Der Investor werde über die Beteiligungsgesellschaft Hüttenwerke Königsbronn GmbH den Geschäftsbetrieb der SHW HPCT übernehmen wird. Der Vertrag soll zum 1. Mai 2019 in Kraft treten. 80 der rund 160 Mitarbeiter soll weiterbeschäftigt werden. Die Hüttenwerke Königsbronn GmbH soll zum 1. Mai 2019 die Geschäftsbereiche Herstellung und Lieferung von Walzen und Druckgusswalzen sowie Servicedienstleistung für diese Bereiche der insolventen SHW HPCT am Standort Königsbronn wieder aufnehmen.

Die SHW High Precision Casting Technology, kurz: SHW HPCT, hat sich als Gießerei auf die Produktion von Walzen etwa für die Papierindustrie, die Lebensmittel- und Beschichtungsindustrie sowie auf Verschleißgussteile für die Zermahlungsindustrie spezialisiert. Die gefertigten Gussteile wiegen zwischen 100 Kilogramm und 120 Tonnen. Zum Leistungsportfolio gehören auch technische Dienstleistungen wie Walzenberechnung, -auslegung und -konstruktion, Werkstoffauswahl und Simulation.

Bereits 2013 und 2017 war das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und musste Insolvenz anmelden. Im Oktober 2018 wurde der Gießereibetrieb in Königsbronn wegen fehlender finanzieller Mittel eingestellt. Nur ein halbes Jahr zuvor war der Standort vom Investor RMB übernommen worden. Nachdem eine Rettungsaktion unter Einbeziehung der Hauptkunden gescheitert war, stellte die Geschäftsführung im Dezember 2018 erneut einen Insolvenzantrag. Im Rahmen der dritten Insolvenz wurde zunächst die Stilllegung des Geschäftsbetriebs des Unternehmens eingeleitet. „Ich bin froh, dass es nun aller Voraussicht nach doch noch in letzter Sekunde gelungen ist, für die SHW HPCT eine Lösung zu finden. Vor allem freue ich mich für die 80 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Den neuen Eigentümern wünsche ich viel Erfolg“, erklärt Insolvenzverwalter Mucha.

© Wirtschaft Regional 23.04.2019 17:05
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