Werden Leerverkäufe erlaubt?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin will am Freitag entscheiden, ob sie ihr Verbot aufhebt.
  • Die Firmenzentrale von Wirecard im bayerischen Aschheim. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die Entscheidung naht: Am Gründonnerstag, 18. April, 24 Uhr, endet das Verbot, mit Aktien des Münchner Zahlungsdienstleisters Wirecard Leerverkäufe zu tätigen und damit auf kurzfristigen Gewinn zu spekulieren. „Wir werden am Freitag mitteilen, wie wir weiter verfahren. Ob das Leerverkaufsverbot verlängert wird oder nicht“, sagt eine Sprecherin der Finanzaufsicht BaFin.

Am 18. Februar hatten sie das erste Mal überhaupt ein Leerverkaufsverbot für eine einzelne Aktie erlassen. Damit sollten die heftigen Spekulationen mit dem Papier unterbunden werden. Sie waren durch Berichte der Financial Times über angebliche Manipulationen bei Wirecard in Singapur entstanden. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe energisch, hatte die Vorgänge untersuchen lassen. Es habe nur kleinere Fehlbuchungen gegeben, aber keine größeren Manipulationen.

Aus der Tatsache, dass die BaFin zu Wochenbeginn bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation erstattet hat, lässt sich auch nicht schließen, dass das Leerverkaufsverbot verlängert wird. Gegen wen sich die Anzeige richtet, sagen BaFin und Staatsanwaltschaft nicht. Vermutlich, so Beobachter, richtet sich die Anzeige gegen einen Journalisten der Financial Times, der möglicherweise mit Leerverkäufern kooperiert hat. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen einen Journalisten der Zeitung.

Bei Leerverkäufen wetten Investoren, im Falle von Wirecard große britische und nordamerikanische Vermögensverwalter und Kapitalanleger, auf Kursverluste. Sie leihen sich die Aktien von einer Bank oder einem Großanleger und verkaufen sie sofort. Mit dem Verkäufer vereinbaren sie einen Rückgabetermin. Sie setzen darauf, dass der Kurs der Aktie bis dahin fällt. Kurz vor dem Termin kaufen sie Aktie dann billiger zurück. Die Spanne zwischen Verkaufs- und Rückkaufskurs streichen sie als Gewinn ein. In der Finanzkrise hatte die BaFin schon einmal Leerverkaufsverbote erlassen, aber nicht für eine einzelne Aktie.

Rolf Obertreis
© Südwest Presse 18.04.2019 07:46
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