Commerzbank gewinnt Kunden

Bilanz der Banken Kunden parken immer mehr Geld unverzinst auf Konten – zum Unmut der Banker, die sich mehr Geldanlage wünschen. Fusionsgespräche mit Deutscher Bank sind noch kein Thema.
  • Commerzbank-Führungskräfte Johannes Kube (links) und Rudi Maurer. Foto: ham

Aalen

Während die Commerzbank-Bosse in Frankfurt über einen möglichen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank verhandeln, freuen sich die Commerzbank-Verantwortlichen in Aalen über gestiegene Kundenzahlen in Ostwürttemberg. Die Fusionsgespräche seien noch in einem zu frühen Stadium, um über Planspiele nachzudenken, sagen die hiesigen Direktoren, Johannes Kube und Rudi Maurer. Stattdessen appellierten sie bei der Vorstellung der Jahresbilanz an die Kunden, ihr Geld nicht auf Konten zu parken, sondern investieren.

Kunden gewinnen: Das ist ein vorrangiges Ziel von Deutschlands zweitgrößter Bank. In Nord- und Ostwürttemberg stieg deren Zahl verganges Jahr um 1329 auf 112.700. In Ostwürttemberg – dazu zählen nicht nur die Filialen Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim, sondern auch Nördlingen und Schorndorf – sind es jetzt 38.150, 209 mehr als 2017.

Johannes Kube, der die übergeordnete Niederlassung Heilbronn für Privatkunden und Unternehmen mit weniger als 15 Milllionen Euro Jahresumsatz leitet, führt das auf die gute Beratung, vor allem aber das kostenlose Girokonto zurück: „Daran halten wir konsequent fest“, versichert er.

Weniger freut sich der Banker, wenn die Kunden ihre Mittel auf diesen Girokonten horten –schließlich muss die Bank für Geld, das sie bei der Bundesbank parkt, selbst Strafzinsen zahlen. „Die Kunden verschenken Geld, statt es anzulegen“, merkt Kube an. Nichtsdestotrotz ist das Einlagenvolumen gewachsen: in Ostwürttemberg von 215 auf 230 Millionen Euro. „Die liegen praktisch unverzinst auf unseren Kunden“, so Kobe.

Mehr Baufinanzierungen und Ratenkredite

Wer allerdings 2018 in Wertpapiere investierte, musste Kursverluste hinnehmen. Das Depotvolumen in Ostwürttemberg sank von 319 auf 287 Millionen Euro. Dieser Wertverlust liege aber prozentual weit unter dem Kursverlust des Dax, betont Kube. 2019 hingegen stelle sich bisher als exzellendes Börsenjahr dar, sagt der Niederlassungsleiter, der Kunden weiterhin empfiehlt, anzulegen statt zu sparen.

Gewachsen ist das Volumen im Kreditgeschäft. Bei den Baufinanzierungen nahm es in Ostwürttemberg um zehn Prozent oder 41 Millionen Euro zu. Bei den Ratenkrediten schnellte es um 54 Prozent beziehungsweise 8,5 Millionen Euro in die Höhe. Darunter sind auch Modernisierungskredite mit einem Volumen von bis zu 80.000 Euro. Das Gesamtkreditvolumen in Ostwürttemberg betrug rund 342 Millionen Euro.

Kube sprach von einem klaren Bekenntnis zu den Filialen in Ostwürttemberg – persönliche Beratung und digitale Angebote würden dabei immer mehr vernetzt.

490 ostwürttembergische Firmen mit mehr als 15 Millionen Euro Umsatz – 18 mehr als 2017 –betreut Rudi Maurer als Direktor der „Mittelstandsbank“ der Commerzbank von Gmünd aus. Gerade im zweiten Halbjahr seien die Unternehmen bei Investitionen etwas zurückhaltender gewesen, sagt Maurer. Deshalb ist das Kreditvolumen in der Region nur um 2,4 Prozent auf 510 Millionen Euro gewachsen. „Wir wollten eigentlich stärker wachsen“, räumt er ein.

Wir empfehlen, Geld anzulegen statt zu sparen.

Johannes Kube
Niederlassungsleiter

Nun gehe es aber aufwärts. Speziell im dritten und vierten Quartal erwarte er wieder höhere Investitionen: „Wir könnten 2019 das Wachstum bekommen, das wir uns für 2018 gewünscht haben“, sagt Maurer. Ausnahme: Der Automobil- und Zuliefererbereich mit seiner momentanen Unsicherheit: „Hier merken wir Bremsspuren.“ Brexit und US-Handelspolitik seien weiterhin Risikofaktoren. Die Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab: „In Ostwürttemberg liegt dieser Prozentsatz noch deutlich höher“, sagt Maurer. In ganz Nord- und Ostwürttemberg beschäftigte die Commerzbank Ende 2018 164 Mitarbeiter, 15 weniger als im Vorjahr – wobei die Zahl der Beschäftigten in Ostwürttemberg von 57 auf 62 stieg. Auch hier sei es noch zu früh, über Auswirkungen für den möglichen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank zu sprechen. Die Deutsche Bank unterhält Filialen in Aalen, Heidenheim und Gmünd, ist in Schorndorf und Nördlingen nicht mehr vertreten. „Wir sind ein Stück weit regionaler aufgestellt“, sagt Maurer.

Commerzbank: Zahlen für Ostwürttemberg

  • Kunden 38 150
  • Kreditvolumen 342 Mio. Euro
  • Einlagenvolumen 230 Mio. Euro
  • Depotvolumen 287 Mio. Euro
  • Mitarbeiter 62
© Wirtschaft Regional 17.04.2019 11:43
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