Verbraucher müssen mit höherem Ölpreis rechnen

Ein Grund für den Anstieg sind Krisen in Lieferländern wie Venezuela, Libyen oder Sudan.
  • Auch Heizen mit Öl wird derzeit teurer. Foto: Ole Spata/dpa
Verbraucher und Unternehmen müssen sich auf vorerst auf einen weiter steigenden Öl-Preis und damit auch höhere Kosten für Benzin, Diesel und Heizöl einstellen. Und dies, obwohl die Konjunktur weltweit schwächelt und in diesem Jahr nach Ansicht von Notenbanken, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Ökonomen insgesamt nur langsam wachsen wird.

„Das ist in der Tat ungewöhnlich, dass der Ölpreis vor diesem Hintergrund steigt“, sagt Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffsparte bei den Volkswirten der Commerzbank. Trotzdem gibt es nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung. Es liege nicht an der Nachfrage, sondern am eingeschränkten Angebot, sagt nicht nur Weinberg.

Öl der Nordsee-Sorte Brent kostet mittlerweile mehr als 71 Dollar pro Fass (ein Barrel sind 159 Liter) und ist damit so teuer wie seit fünf Monaten nicht mehr.

Das hänge vor allem mit den Entwicklungen in den Krisenstaaten und wichtigen Lieferländern Venezuela, Libyen, zuletzt auch dem Sudan zusammen, dazu kommen die US-Sanktionen gegen den Iran sowie freiwillige Produktionskürzungen in Russland und Saudi-Arabien, erklärt Weinberg. „Darauf war der Markt nicht vorbereitet.“ Derzeit fehlten eine halbe Million Barrel täglich. Dem jüngsten Bericht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zufolge ist die Produktion in Venezuela im März um 960 000 Fass pro Tag gefallen, im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 500 000 Fass.

Auslöser für den jüngsten Preisanstieg beim Öl waren, so Experten, aber die aufgeflammten kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen. Dort wurden im März pro Tag rund 1,1 Mio. Barrel Rohöl gefördert. Fällt dies aus, verknappt sich das Angebot weiter. Libyen gilt allerdings mit einem Anteil an der Welt-Produktion von rund einem Prozent als nicht entscheidend für den Rohöl-Preis. Weltgrößter Produzent sind die USA mit einem Anteil von rund 14 Prozent vor Saudi-Arabien (13 Prozent) und Russland (12 Prozent). Der Iran kommt auf 5,4, Venezuela auf 2,3 und das für die Versorgung von Deutschland wichtige Norwegen auf 2,1 Prozent.

2018 noch Überangebot

Im vergangenen Jahr hat es laut Dora Borbély, Rohstoff-Expertin der DekaBank, auf dem Weltmarkt ein Überangebot von 1,5 bis 2 Mio. Tonnen pro Tag gegeben. Die Opec und Russland hätten darauf reagiert und zum Jahresanfang die Produktion um 1,5 Mio. Tonnen gekürzt.

Weinberg hält einen Preisanstieg auf 75 und sogar 80 Dollar pro Fass für möglich, zumal allmählich die Reisezeit Fahrt aufnimmt. Rolf Obertreis.
© Südwest Presse 17.04.2019 07:45
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