Stütze der Energiewende

Als vor zehn Jahren die ersten Windräder in der Nordsee errichtet wurden, waren viele Experten skeptisch. Heute sind die Offshore-Anlagen technisch und wirtschaftlich viel weiter als damals.
  • Blick auf den Offshore-Windpark „Arkona“ in der Ostsee vor der Insel Rügen. Foto: Stefan Sauer/dpa
  • Angela Merkel bekommt bei der Arkona-Einweihung auch ein Windrad. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Windräder in die Nordsee stellen und umweltfreundlich Strom ernten – diese Technologie ist heute nicht mehr wegzudenken. „Zu Beginn des Offshore-Zeitalters herrschte jedoch große Skepsis“, sagt sich Jörg Buddenberg. „Die bislang unerprobte Technik funktioniert nie, sagten damals die Kritiker.“ Der Geschäftsführer beim Energieversorger EWE sieht den Bau des ersten Windpark-Testfeldes Alpha Ventus in der Nordsee vor zehn Jahren als Pionierprojekt: „Das war zwar kein Renditethema, aber eine wichtige Investition in die Zukunft.“

Zwölf Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse drehen sich im Test-Windpark Alpha Ventus 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum. Die Nordsee ist dort 30 Meter tief – nur eine von vielen Herausforderungen für die Techniker beim Aufbau der ersten Anlagen im April 2009. Schlechtes Wetter mit Sturm und hohen Wellen erschweren die Bauarbeiten. Die Kosten erhöhen sich um 60 auf 250 Mio. EUR. Doch im April 2010 geht Alpha Ventus in Betrieb.

Für das Pilotprojekt hatten EWE und die Stromkonzerne Eon und Vattenfall das Konsortium Doti gegründet. Die Erfahrungen aus dem Testfeld sollten allen künftigen Offshore-Windparks zu Gute kommen. Mehrfach kommt es zu Rückschlägen: 2012 stirbt ein Berufstaucher bei Unterwasserarbeiten. Ende 2010 müssen sechs Getriebe mit Lagerschäden ausgetauscht werden. Diese sechs Anlagen sind auch 2018 zeitweise außer Betrieb, nachdem Teile einer Gondel abgestürzt sind.

Und doch ist aus den ersten Schritten vor zehn Jahren ein langer Weg geworden – und technisch und wirtschaftlich eine Erfolgsgeschichte. Fast zwei Dutzend Windparks wurden in nur zehn Jahren gebaut; mehr als 1300 Windräder mit einer Leistung von rund 6,4 Gigawatt drehen sich auf Nord- und Ostsee. Das entspricht ungefähr sechs bis sieben großen Atomkraft- oder Kohlekraftwerken. In diesem Jahr ist abermals mit einem kräftigen Plus der Produktion zu rechnen.

Die Windkraftwerke und Windparks werden immer leistungsfähiger und größer. Alpha Ventus startete mit zwölf Fünf-Megawatt-Anlagen, heute sind Windkraftwerke mit acht Megawatt am Markt und zehn Megawatt in Sichtweite. Der neue Windpark Arkona besteht aus 60 Windrädern mit 6,4 Megawatt Leistung, also 384 Megawatt insgesamt.

Zudem können die Windkraftwerke auf dem Meer den Strom auch immer kostengünstiger produzieren. Die sogenannten Gestehungskosten halbierten sich von 10 bis 15 Cent auf 5 bis 9 Cent je Kilowattstunde, je nach Anlage. Das ist gut für die Stromkunden, die den Aufbau der Branche mit Milliardenbeträgen finanziert haben. Die ersten Anlagen ohne Förderung nach dem EEG-Gesetz haben schon einen Zuschlag bekommen. Sie finanzieren sich allein über den Markt.

Umso weniger kann die Branche verstehen, warum die Politik ihr Fesseln anlegt. „Die Ausbauziele für das Jahr 2030 müssen von 15 auf 20 Gigawatt heraufgesetzt werden und auf 30 Gigawatt für 2035“, fordert Andreas Wagner von der Stiftung Offshore-Windenergie.

Naturschützer haben Bedenken. Kim Detloff, Meeresexperte beim deutschen Naturschutzbund Nabu, sieht zum Beispiel Fehler der Entwicklung der Offshore-Windenergie, die sich nicht wiederholen sollten, zum Beispiel beim Schutz von Vogelrouten und Rastgebieten oder der empfindlichen Schweinswale.

Eckart Gienke/Hans-Christian Wöste
© Südwest Presse 17.04.2019 07:45
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