Zeiss übernimmt GOM

Expansion Mit dem Kauf der Firmengruppe will Zeiss die Sparte Industrial Quality & Research stärken und zu mehr Wachstum verhelfen. Weitere Übernahmen schließt Konzernchef Kaschke nicht aus.
  • Blick auf die Konzernzentrale von Zeiss in Oberkochen. Foto: Zeiss

Oberkochen/Braunschweig

Die Kriegskasse bei Zeiss ist prall gefüllt, immer wieder betonte Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke, bei günstiger Gelegenheit Firmen übernehmen zu wollen. Nun meldet der Optikkonzern Vollzug: Zeiss kauft die Braunschweiger GOM-Gruppe, einen Anbieter von Hard- und Software für die automatisierte 3D-Koordinatenmesstechnik. Zum Preis macht Zeiss keine Angaben. Es handelt sich laut Kaschke aber nicht um eine kleinere Übernahme.

GOM beschäftigt 600 Mitarbeiter und hatte zuletzt einen Jahres-Umsatz von rund 150 Millionen Euro erwirtschaftet. „Wir haben unser Portfolio in den vergangenen Jahren konsequent auf Zukunfts- und Megatrends ausgerichtet, wie etwa Medizintechnik, Industrie 4.0 und andere. Das ist ein weiterer Vorwärts-Move für die Zeiss Gruppe“, erklärte Kaschke bei einer Telefonkonferenz.

Mit GOM stärkt Zeiss den Geschäftsbereich industrielle Messtechnik und Qualitätssicherung seiner Sparte „Industrial Quality & Research“. „Wir möchten in allen unseren Bereichen führend sein, in der Sparte Industrial Quality & Research sind wir es schon und bauen die Führerschaft durch diese Akquisition weiter aus“, erläutert Kaschke.

In der Vergangenheit hatten vor allem die stark wachsenden Bereiche Halbleiter und Medizintechnik die Expansion von Zeiss getragen – und im Geschäftsjahr 2017/18 zu einem Rekordumsatz von 5,8 Milliarden Euro verholfen. Durch die „Verstärkung“ komme nun mit Industrial Quality & Research eine dritte, ähnlich starke und wachstumsstarke Sparte hinzu. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Bereich einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro erwirtschaftet. Laut Kaschke ist GOM ebenfalls sehr stark auf die Autoindustrie fokussiert.

Wir werden weiter akquirieren.

Prof. Dr. MIchael Kaschke
Vorstandsvorsitzender von Zeiss

Die 3D-Vermessungs-Technologie der Braunschweiger wird dort etwa beim Karosseriebau bei der Vermessung großflächiger Bauteile, etwa Blechbauteile, eingesetzt. Sie erfasse flächige Teile schnell und effizient, erklärt Dr. Jochen Peter, Mitglied des Zeiss-Vorstands und Leiter der Sparte Industrial Quality & Research. „Mit dieser Akquisition unterstreichen wir unseren Anspruch auf eine führende Position im Bereich Oberflächenmessung und -digitalisierung.“ Die GOM-Technik ergänze die Angebote von Zeiss. Dank der Übernahme sei man nun auch „Weltmarktführer in der Koordinatenmesstechnik“, wie Kaschke betont.

Zeiss wird 100 Prozent der Anteile sowie alle 600 Mitarbeiter übernehmen. Dr. Detlef Winter bleibt Geschäftsführer der GOM GmbH. Er erklärte: „Als Teil der Zeiss-Gruppe ergeben sich für uns neue Perspektiven für die Zukunft, die sich auch positiv auf den Standort Braunschweig und auf unsere Geschäftspartner auswirken werden.“ Gemeinsam könne man neue Kundensegmente und -applikationen erschließen.

GOM entwickelt, produziert und vertreibt Software, Maschinen und Anlagen für die industrielle und automatisierte 3D-Koordinatenmesstechnik und 3D-Testing. Das 1990 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Braunschweig hat weltweit rund 600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören internationale Unternehmen aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt sowie der Konsumgüterindustrie als auch Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Mit dem Kauf hat Zeiss seine Expansionsstrategie noch nicht abgeschlossen. „Wir werden weiter akquirieren“, erklärte Konzernchef Kaschke. „Wir erwirtschaften einen guten Cashflow und sind nicht in Krisenstimmung. Unsere Wachstumsstrategie beinhaltet explizit, gezielt hochinnovative Lösungen, Technologien und Firmen zu erwerben, die ihr Potenzial in der Gruppe voll entfalten.“

© Wirtschaft Regional 12.04.2019 08:37
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