Mehr Lehrstellen als Interessenten

Ministerin Anja Karliczek will bei Gymnasiasten für mehr Offenheit werben.
  • Bildungsministerin Anja Karliczek. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
In Deutschland gibt es deutlich mehr Ausbildungsplätze als ausbildungswillige Jugendliche. Und doch gab es auch im vergangenen Jahr immer noch mehr als zwei Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2019 hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch gebilligt hat. Demnach kommen auf 100 Bewerber mittlerweile 106 Ausbildungsplätze. Während aber im vergangenen Lehrjahr fast 60 000 dieser Plätze unbesetzt blieben, gingen 24 500 junge Menschen bei der Ausbildungsplatzsuche leer aus.

Dass Betriebe und Schulabgänger nicht zusammenkommen, macht Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an zwei Faktoren fest. Zum Einen seien die Azubi-Stellen nicht dort, wo die Azubis sind. Außerdem würden sie in Branchen angeboten, für die sich die jungen Menschen weniger interessierten.

Karliczek will dem begegnen, indem sie bei Gymnasiasten für mehr Offenheit wirbt. „Wir müssen gezielt darauf aufmerksam machen, wie attraktiv die Ausbildung in Deutschland ist“, sagte sie. Zudem wolle ihr Ministerium mit dem nationalen Bildungsrat einen „Impulsgeber für die berufliche Bildung“ einrichten. Die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes sei bereits auf dem Weg.

Insgesamt zeichnete Karliczek ein positives Bild der Situation. „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist weiter gut“, sagte sie und verwies darauf, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 8100 auf 531 400 gestiegen sei und auch die Zahl der Bewerber in die Höhe ging – mit guten Aussichten. Fast drei Viertel der Auszubildenden würden nach dem Abschluss im selben Betrieb angestellt.

Hilfe für Ungelernte

Angesichts der immer mehr Menschen ohne Berufsabschluss hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Hilfe für die Betroffenen gefordert. „Es führt zu erheblichen gesellschaftlichen Spannungen, wenn Betriebe über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen und gleichzeitig immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung bleiben“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Mehr als zwei Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren haben laut Bundesbildungsbericht keinen Berufsabschluss – das sind laut DGB 14,2 Prozent dieser Altersgruppe.

Der FDP-Bildungspolitiker Jens Brandenburg nannte die steigende Zahl junger Ungelernter ein „Alarmsignal“. „Viel zu lange hat die Bundesregierung die berufliche Bildung links liegen lassen.“ dpa
© Südwest Presse 11.04.2019 07:46
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