Chemie-Riese Bayer setzt auf Sparkurs

Mit dem Abbau jeder siebten Stelle am Standort Deutschland will der Konzern die Personalkosten senken.
  • Bayer-Hauptsitz ist Leverkusen. Hier ein Werk in Wuppertal. Foto: Oliver Berg/dpa
Der Pharma- und Agrarchemie-Konzern Bayer zückt den Rotstift und streicht in Deutschland 4500 Stellen. Das ist etwa jede siebte Stelle; hierzulande hat der Konzern bisher noch 32 100 Stellen. Damit wolle man die „Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Profitabilität steigern“, sagte ein Konzernsprecher in Leverkusen. Der Konzern wolle „schlanker, schneller und flexibler“ werden. Die Stellen sollen unter anderem über Abfindungen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen bei Bayer sind in Deutschland ohnehin bis Ende 2025 ausgeschlossen.

Wo genau die Jobs gestrichen werden, ist noch weitgehend offen. Klar ist nur, dass am Pharmastandort Wuppertal 350 Stellen wegen einer Produktionsverlagerung in die USA wegfallen. Zweitgrößter Standort hinter der Zentrale in Leverkusen ist Berlin als Sitz des früheren Pharmaunternehmens Schering, das 2006 übernommen wurde. Zudem spielen Dormagen und Monheim als Agrarchemie-Anlagen noch eine große Rolle für den Konzern in Deutschland.

Die Sparpläne der Leverkusener sind nicht neu, sie wurden im November vorgestellt – ohne Zahl für Deutschland. Damals wurde mitgeteilt, dass weltweit 12 000 Stellen wegfallen, ein Zehntel des globalen Bayer-Netzes. Nun wird deutlich, dass das Inland anteilig härter betroffen ist von der Umstrukturierung als das Ausland – weltweit sind es 10 Prozent der Stellen, hierzulande 14 Prozent.

Durch die Restrukturierung will der Konzern weltweit ab 2022 pro Jahr 2,6 Mrd. EUR einsparen. Die Einmalkosten – etwa für Abfindungen – beziffert der Konzern auf 4,4 Mrd. EUR.

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses an Bayer stehen derzeit die Gerichtsprozesse in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup. Konzernchef Werner Baumann hat jedoch auch an anderen Fronten zu kämpfen. So entwickelte sich das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten träge. Zudem fällt in einigen Jahren der Patentschutz für wichtige Umsatzbringer weg. dpa

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© Südwest Presse 10.04.2019 07:46
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